850 Millionen Euro für Strafzölle: Kommt jetzt das Audi-Werk in den USA?
Da Audi keine eigene Fertigung in den USA hat, muss der Autobauer hohe Millionensummen für die Strafzölle auf Neuwagen aufwenden. So könnte es nun auf dem zweigrößten Automarkt der Welt weitergehen.
Während manche Autobauer zuletzt in die roten Zahlen gerutscht sind, ist Audi noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Zwar fällt die Bilanz für die ersten neun Monate des Jahres schwächer aus als im Jahr zuvor, aber mit etwas mehr als zwei Milliarden Euro Gewinn ist Audi mit einem hellblauen Auge davongekommen. Das Ergebnis könnte noch deutlich besser sein, wenn die US-Zölle nicht wären. In den ersten drei Quartalen musste die VW-Töchter dafür 850 Millionen Euro aufwenden. Für das Gesamtjahr rechnet Audis Finanzvorstand Jürgen Rittersberger gar mit einer Last von rund 1,3 Milliarden Euro, die das Finanzergebnis schmälern wird.
Audi und Porsche haben bislang keine eigene Fertigung in den USA
Audi besitzt in den USA keine eigene Fertigung. Das wichtigste Modell für den zweitgrößten Automarkt der Welt, das SUV Q5, wird im Audi-Werk in Mexiko gefertigt. Alle anderen Fahrzeuge der Marke mit den vier Ringen müssen ebenfalls importiert werden. Porsche baut in den USA ebenfalls keine Autos. Die Folge: Beide Marken kämpfen mit der hohen Last durch die Zölle auf Neuwagen.
Bei Audi herrscht daher schon lange Alarmstimmung im Vorstand. „Da laufen Beträge auf, die auf Dauer nicht zu kompensieren sind“, sagt einer aus dem Umfeld von Finanzvorstand Rittersberger. „Wir benötigen da eine dauerhafte Lösung.“ Zumal Audi in den USA große Pläne hat.
Audi-Chef Döllner: „US-Markt soll unsere dritte große Säule werden“
„Neben China und Europa soll der US-Markt die dritte große Säule für uns werden“, sagt Audi-Chef Gernot Döllner. „In Nordamerika werden wir bis Ende nächsten Jahres zehn neue Modelle auf den Markt bringen.“ Mittelfristig plant das Unternehmen dort mit 250.000 bis 300.000 verkauften Fahrzeugen jährlich. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres ging es in Nordamerika (inklusive Mexiko) um 5,1 Prozent auf knapp 156.000 Auslieferungen nach unten. In Kombination mit den hohen Zöllen dürfte Audi in den Staaten kaum noch Geld verdient haben, sondern sogar rote Zahlen geschrieben haben.

Daher rückt nun eine eigene Fertigung der VW-Tochter in den Staaten immer näher. Dem Vernehmen nach ist das mögliche US-Werk einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte bei der aktuellen Planungsrunde des VW-Konzerns, in der die größten Investitionen und Werkbelegungen für die nächsten fünf Jahre festgelegt werden.
Audi: Mögliches Werk in den USA hängt von verschiedenen Faktoren ab
Insider berichten, dass die Option, dass Audi im VW-Werk in Chattanooga (US-Bundesstaat Tennessee) fertigt, wohl endgültig vom Tisch ist. Alles laufe demnach auf eine eigene Audi-Fabrik hinaus. Mögliche Standorte habe sich der Vorstand bereits vor mehreren Monaten vor Ort angeschaut. „Unsere Entscheidung hängt nicht allein vom Zoll-Szenario ab. Es gibt viele Rahmenbedingungen, die in so eine Entscheidung mit einfließen müssen“, sagte Audi-CEO Döllner unlängst im Interview mit der Heilbronner Stimme.
„Dazu gehört für mich auch, dass mögliche Investitionen in den USA Berücksichtigung bei den Zöllen finden. Ungeachtet von der Entscheidung für oder gegen ein Werk vor Ort wollen wir in den USA substanziell wachsen.“ Klar sei aber auch: Mit einer lokalen Fertigung habe man in den USA auch eine andere Glaubwürdigkeit gegenüber den Kunden. Döllner: „Das ist ein Faktor, den man nicht außer Acht lassen darf bei der Bewertung.“
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