Wie geht es mit dem Audi A8 weiter? Elektro-Nachfolger aus Neckarsulm verzögern sich
Der Audi A8 aus Neckarsulm sollte eigentlich 2027 durch zwei vollelektrische Modelle abgelöst werden. Doch nun wird die vorgesehene Plattform nicht rechtzeitig fertig. Wie es jetzt mit dem Topmodell weitergeht.
Er war im Jahr 1994 Audis Eintrittskarte in die Oberklasse: Die hochpreisigen A8-Modelle aus dem Werk Neckarsulm haben in den vergangenen Jahrzehnten satte Gewinne für das Unternehmen erwirtschaftet. Seit dem Jahr 2017 läuft die vierte Generation des Audi A8 im Werk Neckarsulm vom Band, im November 2021 erhielt die Luxuslimousine eine dezente Überarbeitung. Neu war seinerzeit vor allem, dass mit dem A8 L Horch eine eigene Variante speziell für China eingeführt wurde. Nach Informationen der Heilbronner Stimme soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 das Produktionsende für den A8 erfolgen. Ob das so bleibt, ist nun aber fraglich.
Audi: Luxus-Stromer Landyacht und Landjet sollten ursprünglich 2027 starten
Nach über einem Jahr Verhandlungen hatten sich Vorstand und Betriebsrat des VW-Konzerns im Herbst 2023 darauf geeinigt, dass die beiden vollelektrischen Nachfolger des Audi A8 ab 2027 am Standort Neckarsulm gefertigt werden. Die Luxus-Stromer mit den Arbeitstiteln Landyacht (Limousine) und Landjet (SUV) befinden sich schon länger in der Entwicklungsphase. Als technische Basis dient die neue Plattform SSP (Scalable Systems Platform), die der VW-Konzern in verschiedenen Ausbaustufen in den nächsten Jahren einführen will.

Speziell bei der SSP 61, die als Basis für die Audi-Modelle dient, kommt es Insidern zufolge zu massiven Verzögerungen, weswegen sich der Start der beiden Fahrzeuge wohl bis zum Ende des Jahrzehnts verzögert. „Vor 2028 oder 2029 wird da sicher nichts kommen“, sagt ein Entwickler. Offiziell entschieden ist dem Vernehmen nach aber noch nichts. Zumal sich die Strategen im Unternehmen nicht nur mit der Technik beschäftigen, sondern auch mit der Frage, wann die Zeit für vollelektrische Modelle in der Oberklasse reif ist.
Neben Audi nutzen auch die Konzernmarken Porsche, Bentley und Lamborghini die Plattform für eigene Modelle. Porsche habe ständig Sonderwünsche, deswegen komme das Projekt nur schwerfällig voran, stöhnt ein Ingenieur. Zumal: Die Stuttgarter Sportwagenmarke hat bei der Entwicklung der SSP 61 den Hut auf.
Audi-Aufsichtsrat: „Audi ohne ein Modell im D-Segment? - Das geht auf keinen Fall“
Audi steckt nun in der Zwickmühle. Der A8 ist das Flaggschiff der Marke und nach nunmehr acht Jahren Laufzeit reif für einen Nachfolger. Zumal die Luxuslimousine gegen die Konkurrenz von BMW und Mercedes bei den Stückzahlen hinterherfährt. In guten Jahren hat Audi rund 40.000 Exemplare des A8 weltweit ausgeliefert. 2023 war es noch knapp die Hälfte, im vergangenen Jahr noch rund 15.000 Einheiten. Tendenz weiter fallend. Im ersten Halbjahr 2025 wurden gerade einmal 5641 A8-Modelle ausgeliefert. Im Werk Neckarsulm wird die Limousine aktuell nur noch in einer Schicht gefertigt. Und nächstes Jahr gar nicht mehr? „Audi ohne ein Modell im D-Segment? Das geht auf keinen Fall“, sagt ein Aufsichtsrat des Autobauers. „Das wäre eine Bankrott-Erklärung.“

Audi: Kommt eine zweite Modellauffrischung für den A8 aus Neckarsulm?
Was also tun? Eine Möglichkeit wäre, dem Audi A8 eine zweite Modellauffrischung zu verpassen. Für die neuen Neckarsulmer Modelle A5 und A6 hat der Autobauer nochmals eine neue Generation von Verbrennungsmotoren entwickelt. Die Vier- und Sechszylinder sowie die Plug-in-Hybride würden sich teilweise auch im A8 nutzen lassen. Zudem wird der nächste RS 5 ebenfalls einen Plug-in-Hybriden mit Sechszylinder-Benziner erhalten. Wäre das in etwas abgespeckter Form eventuell eine Option für den A8?
Ein Produktplaner winkt ab: „Der Kostenaufwand für ein zweites Facelift ist im Hinblick auf den zu erwartenden Absatz zu hoch.“ Als wahrscheinlichste Option gilt daher im Moment, dass der Autobauer die Laufzeit des aktuellen Modells über 2026 hinaus verlängert, bis die beiden vollelektrischen Nachfolger an den Start gehen. Zumal Audi in Neckarsulm beim Thema Produktion völlig flexibel ist: Der A8 läuft aktuell mit einem Teil des A5-Volumens in der neuen Montagehalle A11. Dort könnte einfach auch die Zahl der A5-Modelle erhöht werden, sofern die Fertigungszahlen beim A8 weiter sinken.
Audi macht zu den Spekulationen um den A8 so gut wie keine Angaben
Was das Thema A8 und mögliche Nachfolgemodelle angeht, dazu hält man sich bei Audi offiziell sehr bedeckt. „Die A8-Modellfamilie ist Anfang 2022 mit ihrer Produktaufwertung gestartet und befindet sich daher in ihrer zweiten Lebenszyklus-Hälfte. Über einen Auslauf der Modellfamilie informieren wir (unsere Vertriebs- und Handelspartner) zu gegebener Zeit“, sagt ein Audi-Sprecher auf Anfrage. Mehr gibt es dazu nicht. Man merkt: In Neckarsulm und Ingolstadt ist rund um das Flaggschiff der Modellpalette Dampf auf dem Kessel.
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