Attacke auf VfB-Fans in Rom: Fußball-Europa hat ein Problem mit Gastfreundschaft
Der VfB Stuttgart spielt am Abend bei der AS Rom. Fans der Schwaben erleben auf ihrer Reise eine Gewalt-Attacke, die zeigt: Fußball-Europa hat ein Problem mit Gastfreundschaft.
Das Europa-League-Spiel bei der AS Rom (21 Uhr, live im TV und Stream) sollte für den VfB Stuttgart ein Highlight werden. Wochen vorher haben Fans sich freigenommen, die Reise in die italienische Hauptstadt geplant und auf das erste internationale Spiel im neuen Jahr gewartet. Viele sind schon am Mittwoch angereist, um noch etwas von der Stadt zu sehen.
Doch die Vorfreude wird getrübt. Einerseits von VfB-Fans verurteilenden Warnungen seitens der Polizei von Rom. Andererseits durch den Vorfall am Mittwochabend. Eine Gewalt-Attacke auf feiernde VfB-Fans mitten in Rom. Die Heilbronner Stimme berichtete exklusiv. Nach dem Serbien-Skandal beim Belgrad-Debakel, folgte die Schande von Deventer. Nun also auch in Rom?
Auswärtsfans des VfB Stuttgart haben es nicht leicht – von Parolen bis Auflagen
Klar ist, dass die VfB-Ultras über die Polizei schimpfen. Plakate, auf denen Parolen wie „Ganz Stuttgart hasst die Polizei“ stehen, hängen in der Cannstatter Kurve. Auch Vorstandsboss Alexander Wehrle erklärt im RTL-Interview, dass es eine Provokation sei, wenn „bei normalen Bundesligaspielen rund ums Stadion eine Hundertschaft im Einsatz ist“.
Wehrle schob aber nach, dass es spezielle Spiele gibt, bei denen die Polizei-Präsenz wichtig ist. In der Europa League scheint das nun in jeder Stadt der Fall zu sein. Auswärtsfans wird das Leben schwer gemacht. Tourismus ist nicht gerne gesehen, obwohl bei solchen Spielen und Reisen auch Sightseeing ein großer Part ist.
Belgrad, Deventer und nun Rom – VfB-Fans erleben Schikane in Europa
In Belgrad wurden im November 2024 VfB-Busse angehalten, es gab „Nackt-Kontrollen“. In Deventer durften exakt ein Jahr später Fan-Busse nicht zum Meeting-Point ohne Tickets, obwohl dort die Tickets lagen. Zur Begrüßung gab es einen Hieb mit dem Schlagstock – von der Polizei! In Rom werden rund 100 VfB-Fans in einer Bar von circa 50 Vermummten angegriffen. Dabei wurde im Vorfeld die Polizei-Präsenz erhöht, ein Sicherheitskonzept erstellt, aufgrund „früherer Zwischenfälle mit den VfB-Fans“.
Kurios: Das letzte Spiel des VfB Stuttgart in Rom fand unter Ausschluss der Fans statt. Nicht wegen der VfB-Fans, sondern wegen der Anhänger von Lazio Rom, dem Stadtrivalen der AS. Die Frage, die sich unweigerlich nach der Gewalt-Attacke auf VfB-Fans stellt: Wen schützt die Polizei – und wen soll sie eigentlich schützen?
Gäste sind nicht willkommen im europäischen Fußball. Um das zu unterstreichen, werden teils sogar politische Abkommen außer Kraft gesetzt, wie das Schengener Abkommen, nachdem Menschen ohne Grenzkontrollen reisen können, beim Spiel von Eintracht Frankfurt in Neapel im November 2025. Die Angst vor Fußball-Fans der Gastmannschaft ist groß, bei den eigenen Fans wird allerdings ein Auge zugemacht. In Rom sind es sogar beide, denn nach dem Angriff auf die VfB-Fans erklärte ein Türsteher gegenüber der Heilbronner Stimme: „Das interessiert die Polizei nicht.“
VfB Stuttgart in der Europa League: Als Gäste nicht willkommen
Statt Restriktionen, Angst vor Fantourismus, Gewalt und Ausschluss-Androhung sollte der Fußball im Mittelpunkt stehen. Ein Miteinander gepflegt werden. An den richtigen Stellen kontrolliert werden. Ultras sind nicht per se böse und gewaltbereit. Sie sind auch für stimmungsvolle Choreografien, uneingeschränkten Support und mehr bekannt. Fans und Ultras müssen auch nochmal unterschieden werden, denn die „normalen“ Fans sind oft auch Touristen.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass es einfacher ist, gegen Menschen, die zu Besuch sind, durchzugreifen, als die Probleme im eigenen Revier zu bekämpfen. Klar, denn dann müssten Städte und Behörden in Deventer, Istanbul, Rom und anderen Städten Europas sich nahezu täglich damit auseinandersetzen und würden mehr Gegenwind bekommen. Der Gast ist schnell vor die Tür gesetzt. Auch wenn im Vorfeld meist von einem „guten Austausch“ und „Gastfreundschaft“ die Rede ist. Und so warnen viele Fans zurecht: Die Fankultur ist in Gefahr. Um es genauso zu pauschalisieren, wie manch eine Stadt: Das Miteinander in Fußball-Europa ist ebenfalls in Gefahr.
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