Neckarsulmer Rechenspiele vor dem Bundesliga-Endspurt
Sport-Union Neckarsulm erwartet am Samstag Schlusslicht Bayer Leverkusen zum vorletzten Heimspiel der Hauptrunde. Ein Sieg ist Pflicht, sonst muss gar nicht erst gerechnet werden.

Es wird derzeit viel gerechnet in Neckarsulm. Bei den Fans von Handball-Bundesligist Sport-Union Neckarsulm ebenso wie bei Thomas Zeitz. Während der Anhang eifrig schaut, was wo und bei welchem Konkurrenten passieren muss, damit „seine“ Sport-Union nach dem Ende der Hauptrunde noch auf Playoff-Rang acht steht, rechnen der 51-jährige Chef-Trainer und seine Mannschaft am Samstag hingegen vor allem mit Leverkusener Gegenwehr.
Ab 18 Uhr wird das Tabellenschlusslicht auf seiner vermeintlichen Bundesliga-Abschiedstour noch einmal in der Ballei Station machen. „Und wir können nicht damit rechnen, dass die mit sich machen lassen, was wir wollen“, hebt Zeitz symbolisch den warnenden Zeigefinger: bloß nicht unterschätzen, bloß nicht halbherzig an die Aufgabe herangehen. Das knappe 21:20 im Hinspiel dürfte Warnung genug sein; sollte sich die eigene Chancenverwertung in unterdurchschnittlichen Sphären bewegen, wird es auch gegen die längst totgesagten Leverkusenerinnen nicht reichen.
Duell mit Bayer Leverkusen als mentale Herausforderung
Die unsichere Zukunft und Ligazugehörigkeit der „Werkselfen“ hat inzwischen zu zahlreichen Abgängen geführt, einzig Spielführerin Sophie Cormann hat bislang für ein weiteres Jahr bei Bayer 04 zugesagt. Die unklare Frage sei für seine Sport-Union daher die Tatsache, wie die Leverkusener Mannschaft mit der derzeitigen Situation umgeht, gibt Zeitz zu: „Haben sie keine Lust mehr oder spielen sie befreit auf, weil die persönliche Zukunft der Spielerinnen inzwischen geklärt ist?“ Zeitz tendiert zu Letzterem. Die beiden jüngsten Leverkusener Auswärtsauftritte (26:27 in Zwickau und 27:30 bei Borussia Dortmund) bestätigen ihn in dieser Annahme.
Doch anders als die Fans will sich der Übungsleiter gar nicht allzu viel mit den Mitkonkurrenten beschäftigen. „Wir sind jetzt in einer anderen Situation als im Hinspiel und müssen unser Spiel durchdrücken“, sagt Thomas Zeitz. Vor allem mental sei das Kräftemessen mit dem noch immer punktlosen Bayer-Team aber eine Herausforderung. „Es gibt allerdings keine Ausreden und kein Jammern: Wir müssen gewinnen.“
Keine Einsätze gegen den Ex-Club: Holste und Hinkelmann fallen aus
Die Trainingsbeteiligung war in den vergangenen Tagen stark schwankend; eine Erkältungswelle machte auch vor der Sport-Union nicht halt. Dazu waren Lena Ivancok (Österreich) und Alessia Riner (Schweiz) bei ihren Nationalmannschaften und erst am Mittwoch zurück. Außerdem sind Kim Hinkelmann (Patellasehne) und Veronika Andrysková (Mittelfußbruch) weiterhin nicht einsatzfähig, was neuerdings ebenso auf Lilli Holste zutrifft. Die 23-Jährige plagen Schmerzen in der Rückenmuskulatur, so dass Thomas Zeitz einmal mehr Rückraum-Akteurin Lynn Holtman vom Bergischen HC zurückbeordert hat. Das soll, das muss am Samstag reichen.
Sport-Union hat das anspruchsvollste Restprogramm
Dass es für den Einzug in die Playoffs allerdings mehr braucht als einen samstäglichen Erfolg gegen Bayer Leverkusen, verhehlt Zeitz nicht. „Mit einem Sieg wären wir aber vor den Spielen gegen Dortmund und Metzingen in einem richtig guten Rhythmus.“
Diesen dürfte es auch brauchen, denn beim Blick auf die Restprogramme der anderen Mannschaften wird klar, dass das Neckarsulmer Brett im Saisonendspurt das dickste ist, das gebohrt werden muss. Diverse Teams aus dem Tabellenkeller spielen in den nächsten Wochen noch gegeneinander – was aus Neckarsulmer Sicht schlecht für ein Erreichen des achten Platzes ist, aber nicht unbedingt ein Nachteil im Kampf um Rang neun und den damit verbundenen zwei möglichen Heimspielen in den Playdowns sein muss.
Es deutet sich ein Dreikampf um Platz acht an
Für den ambitioniert gestarteten BSV Sachsen Zwickau dürfte es trotz noch mehr zu absolvierenden Spielen nicht mehr für die Playoffs reichen. Und Bayer Leverkusen kann rechnerisch ohnehin nur noch zehn Punkte erreichen. Bleibt also ein Dreikampf zwischen Frisch Auf Göppingen, Sport-Union Neckarsulm und Buxtehuder SV.
Für das Zeitz-Team geht es am Samstag daher in einem ersten Schritt darum, mit einem Sieg die eigenen Chancen auf die Playoffs zu wahren. Für Bayer Leverkusen geht es um nichts mehr. Und genau das macht es für die Gastgeberinnen so gefährlich.
Doppelspieltag am Samstag
Wie üblich bei den Neckarsulmer Doppelspieltagen in der Ballei gilt auch am Samstag: Wer eine Eintrittskarte für das Bundesliga-Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen (18 Uhr) hat, darf auch beim nachfolgenden Regionalliga-Derby zwischen der Drittplatzierten Sport-Union Neckarsulm II und den formstarken Frauen des TSV Bönnigheim (20.30 Uhr) ohne zusätzliche Eintrittskarte einfach in der Halle bleiben.



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