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Befreiungsschlag im Abstiegskampf: Sport-Union gewinnt gegen Buxtehuder SV und gibt Rote Laterne ab

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Mit starker Mentalität und guter Abwehrarbeit bezwingt die Sport-Union Neckarsulm den Buxtehuder SV in der Ballei. Für Neuzugang Sinah Hagen ist es ein Abend mit gemischten Gefühlen.

Alessia Riner überzeugte als Linksaußen mit "wichtigen, wichtigen Buden" (Thomas Zeitz) und einer hundertprozentigen Trefferquote.
Alessia Riner überzeugte als Linksaußen mit "wichtigen, wichtigen Buden" (Thomas Zeitz) und einer hundertprozentigen Trefferquote.  Foto: Ralf Seidel

Nach rund 45 Spielminuten drohte sich am Samstagabend der 27. Dezember 2023 zu wiederholen. Im Bundesliga-Duell zwischen der Sport-Union Neckarsulm und dem Buxtehuder SV stand es in der Ballei zwar 21:19 für die Gastgeberinnen, doch zehn Minuten zuvor hatte der Vorsprung der Sport-Union beim 19:13 noch sechs Tore betragen.

Auch im Hinspiel am Ende des vergangenen Jahres führte die damals personell arg dezimierte Neckarsulmer Mannschaft von Trainer Thomas Zeitz in Hälfte zwei - zwischenzeitlich mit vier Toren -, brachte den Vorsprung damals allerdings nicht ins Ziel. Auch am Samstag wackelte das Team kurzzeitig, fiel diesmal aber nicht um. Im Gegenteil: Dank einer Leistungssteigerung zog der Tabellenletzte wieder davon und fuhr am Ende durch einen 29:24 (16:11)-Erfolg seinen vierten Saisonsieg ein.

Trainer Thomas Zeitz nennt die Mentalität als Schlüssel zum Sieg

"Das sind keine Punkte, die du einplanen kannst, sondern das sind Punkte, die du dir erkämpfen musst", sagte Thomas Zeitz nach Spielschluss. "Der Schlüssel war, dass wir von der Mentalität her stabil geblieben sind und den Sieg weiter wollten, als es kritisch wurde."

Nina Engel (links) traf zehn Mal und jubelte mit Amber Verbraeken, die sich nach einer schwierigen Anfangsphase immer besser zurecht fand.
Nina Engel (links) traf zehn Mal und jubelte mit Amber Verbraeken, die sich nach einer schwierigen Anfangsphase immer besser zurecht fand.  Foto: Ralf Seidel

Durch den Erfolg hat sich die Sport-Union im Abstiegskampf nicht nur in eine gute Ausgangslage für den Saisonendspurt gebracht, sondern auch die Rote Laterne des Tabellenletzten an die HSG Bad Wildungen um Ex-Trainer Mart Aalderink übergeben. Statt das Tun der Konkurrenz vom Tabellenende aus zu verfolgen, ist der Bundesligist nun wieder mittendrin im Rennen um den Klassenerhalt.

Stimmungsumschwung ist seit Halle-Spiel zu spüren

Seit dem gewonnenen Nachholspiel gegen den SV Union Halle-Neustadt vor zwei Wochen ist trotz der weiterhin angespannten sportlichen Situation ein Stimmungsumschwung rund um die Mannschaft zu spüren. "Halle war unsere letzte Ausfahrt. Die haben wir mit dem Sieg gekriegt und ihn dazu genutzt, dass wir jetzt sagen können, dass wir angesichts unseres Restprogramms den Klassenerhalt schaffen können", erklärte Zeitz. Zum VfL Oldenburg und der HSG Blomberg-Lippe reist seine Mannschaft noch, Bad Wildungen und Solingen-Gräfrath gastieren noch im Unterland.

Torhüterin Lena Ivancok zeigte zwölf Paraden und sorgte in der kritischen Spielphase dafür, dass die Sport-Union nicht von der Siegerstraße abkam.
Torhüterin Lena Ivancok zeigte zwölf Paraden und sorgte in der kritischen Spielphase dafür, dass die Sport-Union nicht von der Siegerstraße abkam.  Foto: Ralf Seidel

"Wir haben das Spiel nicht als ein Muss, sondern als eine wirklich große Chance tituliert. Wir wollten das positiv beschreiben, weil uns alles andere mit noch mehr Druck eher hemmen könnte", sagte Kim Hinkelmann, die im Abwehrzentrum eine starke Partie zeigte und neben Torhüterin Lena Ivancok, Nina Engel und Alessia Riner zu den Müttern des Erfolgs gehörte.

Zeitz: Im Sport findet auf dem Niveau so viel im Kopf statt

Daran, dass die Sport-Union nun im April nicht mehr so auftritt wie noch im vergangenen Dezember, sondern nach dem nervösen Beginn des zweiten Durchgangs an die über weite Strecken souveräne erste Hälfte anknüpfen konnte, lässt sich die Entwicklung der Mannschaft ablesen. "Man spürt diesen Erfolgsdruck, der uns die ganze Saison begleitet, natürlich irgendwann und das ist unfassbar anstrengend. Deswegen bin ich so froh, dass wir das Spiel gewonnen haben", sagte Hinkelmann, während ihr Trainer verriet: "Für uns war auch das Spiel gegen Bietigheim ganz wichtig: dass wir da nicht mit 20 Toren untergegangen sind, sondern die Mannschaft gemerkt hat, dass es auch gegen ein Top-Team geht. Im Sport findet auf dem Niveau so viel im Kopf statt, das ist brutal."

Im mentalen Bereich ist die positive Entwicklung des Tabellenvorletzten in den vergangenen Wochen am deutlichsten zu spüren, doch auch im Abwehrspiel hat er einen Schritt nach vorne gemacht. "Der Glaube hat uns im Spiel gehalten. Der Glaube daran, dass wir gewinnen können, dass es auch noch weitergehen kann und dass wir nicht zusammenfallen", sagte Thomas Zeitz. Spätestens seit Samstagabend glauben in Neckarsulm wieder alle an den Klassenerhalt.


Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (12 Paraden); Salamakha – Verbraeken (5/2), Engel (10), Hinkelmann, Nooitmeer (1), Smits (2), Riner (6); Bruggeman (2), Gorb (1), Hoitzing (2), Pollakowski, Andrysková.

Erfolgreichste Werferinnen Buxtehuder SV: Isabelle Dölle (6), Maxi Mühlner (4).

Schiedsrichterinnen: Sophia Janz/Rosana Sug.

Siebenmeter: Sport-Union Neckarsulm: 2/2; Buxtehuder SV: 2/2.

Zeitstrafen: 1/4.

Zuschauer: 957.


Sinah Hagens Gemütszustand schwankt zwischen Freude und Enttäuschung

Weit nach Spielschluss gab es noch liebevolle Umarmungen zwischen Neckarsulms Trainer Thomas Zeitz, Rabea Pollakowski und Buxtehudes Spielmacherin Sinah Hagen. Das Trio, das sich aus gemeinsamen Erst- und Zweitliga-Zeiten beim VfL Waiblingen kennt, wird durch Hagens Sommer-Wechsel in der nächsten Saison in Neckarsulm wieder vereint sein.

Neckarsulms Sommer-Neuzugang Sinah Hagen (rechts) zog die Fäden im Buxtehuder Angriffsspiel, ärgerte sich aber über die Niederlage.
Neckarsulms Sommer-Neuzugang Sinah Hagen (rechts) zog die Fäden im Buxtehuder Angriffsspiel, ärgerte sich aber über die Niederlage.  Foto: Ralf Seidel

„Thomas war natürlich ein Grund für meinen Wechsel. Aber auch die Nähe zu meiner Familie in Göppingen hat eine Rolle gespielt. Dazu ist Neckarsulm ein professioneller Verein und Rabea, mit der ich gut befreundet bin, hat mir viel Positives erzählt“, sagte Hagen.

Die 27-Jährige zog beim BSV in der Rückraum-Zentrale flink, agil und mit gutem Tempo im (Pass-)Spiel die Fäden und erzielte drei Treffer selbst. „Es war für mich natürlich ein besonderes Spiel und ich habe mich darauf gefreut, hier die Fans zu erleben. Aber noch spiele ich für Buxtehude und bin natürlich über die Niederlage enttäuscht – auch wenn die zwei Punkte für Neckarsulm verdient waren.“

 
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