„Können im Großen und Ganzen zufrieden sein“: Stolz überwiegt bei der Sport-Union Neckarsulm nach Niederlage beim BVB
Trotz der Niederlage bei Borussia Dortmund geht Handball-Bundesligist Sport-Union Neckarsulm mit gestärktem Selbstvertrauen in die Länderspielpause. Döll und Zeitz monieren jedoch weiterhin fehlendes Cleverness.

Ganz vorsichtig tapsten Thomas Zeitz und Antje Döll am Freitagabend auf Zehenspitzen durch den Fragen-Dschungel – im übertragenen Sinne natürlich. Denn nach der 29:32 (12:16)-Niederlage ihrer Sport-Union Neckarsulm bei Borussia Dortmund trieb den Trainer und seine Vize-Spielführerin die ungefragte Frage um: Wie stolz darf man auf eine Niederlage sein?
Das war nach dem Spiel gegen den Bundesliga-Tabellenführer und Champions-League-Teilnehmer gar nicht so einfach zu beantworten gewesen, weil die Gäste in der Sporthalle Wellinghofen phasenweise guten Handball gezeigt und nach 14 Spielminuten mit vier Toren geführt hatten. Allerdings hatten sie diesen Vier-Tore-Vorsprung anschließend auch wieder verspielt und bis zur Halbzeit selbst mit vier Toren zurückgelegen.
Stolz überwiegt trotz 18. Niederlage im 18. Bundesliga-Duell mit dem BVB
Minus acht in 15 Minuten? „Das ist einfach zu viel. Da ist uns das Ding ein bisschen zu schnell weggelaufen“, sagte Thomas Zeitz später und monierte für diese Phase zu laxes Abwehrspiel. Nach einer Aufholjagd in Hälfte zwei hatte seine nun giftig und aggressiv auftretende Mannschaft trotzdem mehrfach die Chance zum erneuten Ausgleich gehabt und dem BVB das Leben im eigenen Wohnzimmer noch bemerkenswert schwer gemacht.
Daher überwog im Lager der Sport-Union letztlich, wenn auch vorsichtig formuliert, der Stolz, einem Top-Team in der Fremde bis zum Schluss die Stirn geboten zu haben – der 18. Niederlage im 18. Bundesliga-Kräftemessen mit der Dortmunder Borussia zum Trotz. Schließlich waren in Wellinghofen in dieser Saison schon weitaus höher gehandelte Mannschaften böse unter die Räder gekommen.
„Das ist dumm“: Zeitz wütet nach Gegentor vor der Halbzeit
„Wir sind natürlich enttäuscht, nichts mitgenommen zu haben, aber können im Großen und Ganzen mit unserer Leistung zufrieden sein, denke ich“, sagte Antje Döll und fand in ihrem Trainer einen Fürsprecher: „Wenn man am Ende so in Schlagdistanz ist, kannst du dich natürlich ein bisschen ärgern“, sagte Thomas Zeitz. Der 52-Jährige verblieb mit der Erkenntnis, „dass wir es können und draufhaben, auch gegen solch einen Gegner“.
Der BVB hatte seiner Mannschaft „die Cleverness und Smartness voraus, die wir uns noch erarbeiten“, wie Zeitz betonte. Exemplarisch dafür standen die Sekunden kurz vor der Halbzeit, in denen es die Sport-Union aufgrund eines Ballverlustes von Angunn Gudmestad verpasste, auf 13:15 zu verkürzen und sich stattdessen noch ein einfaches Gegentor zum 16:12-Halbzeitstand einhandelte. Zeitz („Das ist dumm!“) tobte an der Seitenauslinie. „In Ballbesitz werfen wir den Ball auch mal ins Aus. Das sind immer so Kleinigkeiten, die in einem engen Spiel den Unterschied ausmachen“, bemängelte Antje Döll.
Antje Döll sieht Mehrwert in lehrreichen Spiele ohne Sieg
Die sieben Tore der Nationalspielerin waren der Neckarsulmer Top-Wert am Freitagabend, obwohl Dortmunds bärenstarke Torhüterin Melinda Szikora auch die 37-Jährige mehrfach verzweifeln ließ.
„Unsere Saison hatte schon viel Licht, aber eben auch ein bisschen Schatten. Wir sind in einer Entwicklungsphase und solche Spiele wie heute oder gegen den VfL Oldenburg geben einem Mut und Motivation, weiter hart zu arbeiten, um bis zum Saisonende auf einem guten Level zu sein“, bilanzierte Döll und gab damit dann doch noch eine Antwort auf die ungefragte Frage: Mehr Stolz als Enttäuschung, mehr Licht als Schatten.
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