Deutschlands Handballerinen tanzen in Stuttgart zum Gruppensieg
Antje Döll und Co. bezwingen Serbien mit 31:20 und reisen mit dem „Geist von Stuttgart“ nach Dortmund. Deutschlands Spielführerin von der Sport-Union Neckarsulm ist mit acht Treffern die prägende Figur und wird als „Spielerin des Spiels“ ausgezeichnet.

Mit mehr als einem Sieg ist die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Frauen am Sonntagabend in Stuttgart als Erster ihrer Vorrundengruppe in die Hauptrunde der Heim-Weltmeisterschaft eingezogen. Das 31:20 (17:10) gegen Serbien war ein echtes Statement und eine Ansage an die (Hauptrunden-)Konkurrenten mit der Botschaft: Mit uns ist zu rechnen.
Markus Gaugischs Mannschaft überrollte Serbien, das bereits in den ersten beiden Turnierspielen Defizite im Rückzugsverhalten und bei den Würfen aus der Distanz offenbart hatte, regelrecht. So wurde ihr erster Härtetest für die Mannschaft schon früh zu einem Schaulaufen. Zu der 9:3-Führung nach zwölf Minuten hatte allein Neckarsulms nach Spielschluss als „Spielerin des Spiels“ ausgezeichnete Antje Döll sechs Treffer beigesteuert.
„Es war sehr überraschend, dass es von Anfang an so deutlich war. Wir haben von der ersten Minute bis zum Schluss eine super Leistung gezeigt und vor allem die ersten 20 Minuten in der Abwehr schon wieder ein Bollwerk hingestellt“, sagte Sarah Wachter und hielt kurz und knapp fest: „So kann es weitergehen.“ Der Gruppensieg, gleichbedeutend mit vier Startpunkten in der Hauptrunde und damit bereits einem Grundstein für den anvisierten Viertelfinal-Einzug, war Motivation und Triebfeder zugleich.
Grundstein für das WM-Viertelfinale ist gelegt
Emily Vogel, nach ihrer erkältungsbedingten Pause gegen Uruguay wieder dabei, lieferte sich in der Abwehr gegen ihre Budapester Vereinskollegin Drgana Cvijic zunächst harte Duelle am Kreis, behielt im Zusammenspiel mit Aimée von Pereira aber meist die Oberhand, was den deutschen Offensivwirbel erst richtig begünstigte.
„Wir hatten Serbien natürlich analysiert, uns ihre Auftakthandlungen angeguckt und einige Dinge überlegt, wie wir in der Deckung stehen wollen, damit wir das von Anfang an aggressiv und stark lösen können“, verriet Emily Vogel. „Und das gibt dann natürlich auch ein gutes Gefühl, um nach vorne weg zu spielen. Das war die Basis, um gut ins Spiel zu kommen.“
Cvijic und Skrobic schwächen die serbische Mannschaft
Cvijic war dann nach einer doppelten Zeitstrafe in Minute 15 weitgehend nur noch Zuschauerin. Spätestens als dann Jovana Skrobic nach einem harten Einsteigen gegen Nieke Kühne die Rote Karte sah (20.) und die Turnier-Gastgeber kurz danach mit 16:6 in Führung gingen, war das Duell um den Gruppensieg bereits entschieden.
Phasenweise ging es bei den deutschen Akteurinnen auf dem blauen Hallenboden der Stuttgarter Porsche-Arena – trotz eines 1:4-Laufs unmittelbar vor der Halbzeit – leichtfüßiger zu als auf dem Parkett der benachbarten Schleyer-Halle, in der parallel die „Let’s Dance“-Live-Tour Station gemacht hatte.
Eine individuelle Qualität, wie sie die ehemalige Welthandballerin Andrea Lekic einst ausgestrahlt hatte, die inzwischen als Teil des serbischen Trainerteams nur noch von außen Einfluss nehmen kann, wäre an diesem Abend für den Vize-Weltmeister von 2013 Gold wert gewesen.
Abermals war in der mit 5527 Zuschauern ausverkauften Halle auch kein freier Platz mehr zu bekommen gewesen, was Dr. Clemens Maier, Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport der Stadt Stuttgart, prophezeien ließ: „Ich bin mir sicher, dass dieser ‚Geist von Stuttgart‘ die Mannschaft bis ins Viertelfinale oder noch weiterträgt.“
Spielzeit für die zweite Reihe
Zunächst trug jedoch ein 3:0-Start die deutsche Mannschaft in die zweite Spielhälfte. Mit Körpersprache und Robustheit erwiderte sie die raue Gangart der Serbinnen und stellte so ihren Zehn-Tore-Vorsprung wieder her; auch Xenia Smits traf nun in ihrem 150. Länderspiel erstmals.
Anschließend bot der Spielstand Markus Gaugisch einmal mehr die Gelegenheit, Spielzeiten zu verteilen und durchzuwechseln. Einzig bei den Siebenmetern hakte es ein wenig. Viel mehr gab es allerdings nicht zu beanstanden, so dass die DHB-Auswahl zum dritten Mal mit dem Stuttgarter Publikum feiern durfte.
„Durch den Sieg heute können wir richtig viel Selbstbewusstsein mit nach Dortmund nehmen, weil es super war. Wir sind im Kopf cool geblieben, auch wenn es mal zwei Minuten gegen uns gab“, sagte Aimée von Pereira freudestrahlend. „Es freut mich auch, dass wir ein paar Tore für die Tordifferenz mit nach Dortmund nehmen können“, ergänzte Emily Vogel.
Die Nacht auf Montag verbrachte sie anschließend noch in Ludwigsburg, bevor es am Morgen mit dem Zug nach Dortmund geht, wo die Mannschaft im Steigenberger Hotel absteigen wird. „Wir tun alles, um ganz schnell regenerativ arbeiten zu können“, kündigte Markus Gaugisch an. Damit die Hauptrunde am Dienstag so erfolgreich weitergeht, wie die Vorrunde am Sonntag aufgehört hat.
Deutschland: Filter (8 Paraden); Wachter (1 Parade) – Behrend (1), Leuchter (3), Grijseels (1), Antl (1), Vogel (3), Döll (8); Engel (1), Thomaier, X. Smits (2), Kühne (1), Lott (3), Maidhof (2), Hauf (4), von Pereira (1).
Erfolgreichste Werferinnen Serbien: Dragana Cvijic (5), Aleksandra Vukajlovic (4/1).
Schiedsrichter: Mads Hansen/Jesper Madsen (Dänemark).
Siebenmeter: Deutschland: 0/2; Serbien: 1/3.
Zeitstrafen: 4/5.
Disqualifikation: Jovana Skrobic (Serbien/20.).
Zuschauer: 5527 (ausverkauft).




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