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R26 in Berlin enthüllt: Audi zeigt seinen ersten Rennwagen für die Formel 1

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In Berlin hat Audi am Dienstagabend sein Formel-1-Auto für die erste Saison des Autobauers in der Königsklasse des Motorsports enthüllt. Ab Montag stehen dann bereits die ersten offiziellen Testfahrten mit dem R26 in Spanien an.


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Gernot Döllner ist ein eher rationaler, analytischer Mensch. Aber die Weltpremiere des ersten Formel-1-Autos der Marke mit den vier Ringen war dann doch ein sehr emotionaler Moment für den Audi-Chef. „Heute fügen sich viele Puzzleteile zusammen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die intensive Vorbereitung auszahlt und die Leistung der Beteiligten sichtbar wird“, sagte Döllner vor rund 400 Gästen aus der ganzen Welt in der Eventlocation Kraftwerk Berlin. Erstmals zeigte sich der R26 in seiner endgültigen Lackierung und mit allen Sponsorenlogos.

In der kurzweiligen Show spielte auch ein Straßenmodell des Autobauers aus Heilbronn eine tragende Rolle. Neben historischen Rennwagen hatte der Audi RS E-Tron GT Performance einen Auftritt. Mit 680 kW/980 PS ist das E-Auto fast genau so stark wie die Antriebseinheit des R26 für die Formel 1. Als Neuling unter vielen erfahrenen Teams und Herstellern werde man sich erst einmal etablieren müssen. Aber das Ziel sei klar, so Döllner: „Wir wollen im Jahr 2030 um die Weltmeisterschaft kämpfen.“

Audi: Erster Motorstart, erste Runden für Filmaufnahmen absolviert

Knapp dreieinhalb Jahre sind vergangen, als Audi im August 2022 an der Rennstrecke von Spa (Belgien) verkündet hat, ab 2026 in die Formel 1 einzusteigen. Nun rückt der erste Rennstart am 8. März im australischen Melbourne immer näher. Wenige Tage vor Weihnachten hat die VW-Tochter zum ersten Mal ihren selbst entwickelten Motor im fertigen Monocoque angelassen. „Das war Gänsehaut pur“, sagt Audi-CEO Döllner rückblickend.


Das Jahr 2026 war gerade erst neun Tage alt, da drehte ein Audi in schwarzer Tarnfarbe für Filmaufnahmen seine Runden auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Kein anderes Team ging derart früh aus der Garage, und es war auch davon abgesehen ein ziemlich besonderer Moment: Erstmals überhaupt bewegte sich ein Formel-1-Bolide mit den vier Ringen auf einer Rennstrecke.

Audi: Erste offizielle Testfahrten mit den anderen Teams nächste Woche in Barcelona

Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto strahlen in Berlin die Kameras der Fotografen und Filmteams. Gedanklich sind die beiden Audi-Piloten aber schon in der nächsten Woche. Von 26. bis 30. Januar finden auf der Rennstrecke in Barcelona die ersten offiziellen Testfahrten mit den anderen Teams für die neue Saison statt. „Das ist eine erste Standortbestimmung, aber in Spanien wird niemand seine Karten offen legen“, sagt Mattia Binotto. „Aber für uns ist es die erste Gelegenheit, das neue Auto auf der Rennstrecke auf Herz und Nieren zu prüfen.“

Der Italiener ist ein alter Hase in der Formel. Früher hat er unter anderem das Traditionsteam Ferrari geführt, nun leitet er bei Audi das Projekt Formel 1. Er weiß nur zu gut, wie hoch die Trauben in der Formel 1 hängen. „Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon.“

Audis Formel-1-Chef: „Idealer Zeitpunkt für den Einstieg“

Nach dem ersten Test in Spanien wird Mitte Februar noch einmal insgesamt sechs Tage in Bahrain gefahren. Die letzte Möglichkeit, um das, was seither am Reißbrett, am Computer, im Windkanal und auf dem Prüfstand erprobt wurde, in der Realität zu testen, zu erfühlen, zu verbessern. Die Zeit sei stets der limitierende Faktor, stellt Audis Formel-1-Chef Binotto klar. Dennoch: „Nie gab es in den vergangenen Jahrzehnten einen besseren Zeitpunkt, um in die Formel 1 einzusteigen als 2026“, sagt der Italiener. Grund dafür ist das neue Reglement. So verfügen die Rennwagen zum Beispiel über eine aktive Aerodynamik mit Front- und Heckflügeln, die sich während der Fahrt verstellen lassen.

Herzstück ist aber die neue Antriebseinheit. Die Leistung des bisherigen V6-Verbrennungsmotors ist von 750 PS auf 540 PS gesunken – dafür erzeugt die Batterie künftig das Dreifache, die Leistung stieg von 160 PS auf 480 PS. Zudem muss ab dieser Saison 100 Prozent nachhaltiger Kraftstoff verwendet werden. Als einziges Team hat Audi seine Antriebseinheit in Deutschland entwickelt, in Neuburg an der Donau, unweit des Audi-Stammsitzes Ingolstadt. Zahlreiche Spezialisten aus anderen Teams sind zur VW-Tochter gewechselt. Aber auch Ingenieure des Audi-Standorts Neckarsulm, die früher die Motoren für die DTM- und die Le-Mans-Sportwagen entwickelt haben, sind nun in der Formel 1 dabei.

Von der Entscheidung bis zum ersten Rennstart in nicht mal vier Jahren

Ob bei den Antriebsspezialisten in Neuburg an der Donau, beim Team in Hinwil (Schweiz) oder im Technikbüro im englischen Bicester: Beim Formel-1-Team von Audi ist die Aufbruchstimmung förmlich zu spüren. Am Dienstagabend ist sie in Berlin zum Greifen nahe. Und doch weiß jeder in der Mannschaft, wie kurz die Reise war. Von der Entscheidung bis zum ersten Rennstart sind keine vier Jahre vergangen. „Challenger, Competitor, Champion“, wie es Audi formuliert. Vom Herausforderer über den Wettbewerber zum Weltmeister also. Möglichst bereits 2030, wenn es nach Audi-Chef Gernot Döllner geht.

Am 8. März springt für die Marke mit den vier Ringen in der Formel 1 zum ersten Mal die Startampel auf Grün. Es wird sicher nicht der letzte emotionale Moment bleiben.

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