Sporthilfe schüttet 71.750 Euro aus
Der Beste zu sein, das ist der Hauptansporn für einen Sportler, viel von seiner Freizeit fürs Training zu opfern. In der Region kommt ein zusätzlicher Anreiz hinzu, und das ist die finanzielle Unterstützung der Sporthilfe Unterland Heilbronn-Hohenlohe.
Zufriedene Gesichter beim Öffnen der Förderbriefe und exakte Pläne, was mit der finanziellen Unterstützung der Sporthilfe Unterland Heilbronn-Hohenlohe passiert. Beim Fest des Sports am Donnerstagabend sind 71.750 Euro ausgeschüttet worden - Grund genug, um sich in der regionalen Sportfamilie umzuhören.

Talentförderung hat viele Facetten. Nicht nur in Form gut ausgebildeter Trainer oder großzügiger Sponsoren. Marco Haaf, Entdecker von Ruder-Olympiasiegerin Carina Bär, geht als Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums seinen eigenen Weg. "Wir schaffen am ASG die Rahmenbedingungen für eine duale Karriereplanung, zeigen auf, dass man Schule und Leistungssport erfolgreich unter einen Hut bekommen kann", sagt Haaf. Unter anderem mit Stundenplänen, die auf den Sport abgestimmt sind. Allein etwa 15 Toptalente der NSU-Schwimmabteilung und sechs Triathleten der Sport-Union lernen am ASG. Die Anzahl dürfte weiter steigen, vom nächsten Schuljahr an wird das Unterrichtsfach Sport ab der achten Klasse zu einem Hauptfach mit sechs Stunden pro Woche - wahlweise zu Spanisch oder Naturwissenschaft und Technik. Das ASG als Kaderschmiede, ein verlockendes Gedankenspiel.
Zeitig auf den Heimweg vom Fest des Sports begaben sich die Schwimmer der Neckarsulmer Sport-Union. Am Wochenende kämpfen die Frauen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga, die Männer planen den Sprung in Liga eins. Für Stefanie Härdtner heißt das Reisestrapazen. "Samstag fahre ich die Mädels als Fans nach Wiesbaden, um dort die Jungs anzufeuern", sagt die Technische Leiterin. Sonntags läuft es andersrum. "Da fahre ich die Jungs nach Schwäbisch Gmünd, um die Mädels zu unterstützen." So funktioniert es in einer großen Familie.
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"Das wird ein tolles Wochenende. Ich bin überzeugt, wir packen das", sagt Daniel Pinneker, der mit vier Starts zum Erfolg beitragen will. Vergangene Woche wäre es wohl nichts geworden, meint Stefanie Härdtner, "da waren beide Teams angeschlagen." Seit Dienstag ebbt die Erkältungswelle ab, die Zuversicht steigt. Pinnekers großes Ziel in seinem ersten Jahr in der offenen Klasse, ist die Qualifikation zur EM in Glasgow. "Die Zeiten sind ambitioniert", sagt der Kraulspezialist. Er müsste sich um fünf Sekunden steigern und schneller schwimmen als einst Michael Groß. "Schafft er das, wäre er unser kleiner Albatros", meint Härdtner. EM-Chancen haben auch Henning Mühlleitner, Clemens Rapp, Fabian Schwingenschlögl, Celine Rieder und Marlene Hüther. Beste Aussichten also.

Ihren Förderbrief der Sporthilfe Unterland hat Viktoria Krez gerne in Empfang genommen. Finanzielle Unterstützung ist wichtig auf dem Weg nach oben. Die 13-Jährige ist Eiskunstläuferin und damit in einer Randsportart aktiv. "Ich habe als Siebenjährige angefangen", sagt Krez, die Schwester Jessica nacheiferte. Die hat inzwischen aufgehört, Viktoria ist dabei geblieben. Doch die Eisfläche in der Kolbenschmidt Arena gibt es nur während der Eishockey-Saison.
"Im Sommer mache ich Inline-Artistik", sagt Krez - sozusagen Eiskunstlaufen mit Rollen auf Betonboden. In dieser Sportart hat es die Schülerin der Helmbund-Realschule in Neuenstadt immerhin schon auf Platz zwei bei den süddeutschen Meisterschaften geschafft. Dieses Jahr aber will Krez auch auf dem Eis durchstarten. Ihr Ziel: "Ein Platz unter den Top Ten in der Neulingsklasse bei der DM." Stets an ihrer Seite ist die Mutter. "Ich unterstütze Viktoria so gut es geht", sagt Mama Natalia.
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Wie wichtig die Förderung ist, hat Eleonora Tissen im Vorjahr gespürt. Denn da hat die Eppinger Rollkunstläuferin nichts bekommen. "Wir haben versäumt, den Antrag rechtzeitig einzureichen", sagte die 19-Jährige an der Ausgabestelle und fragt neugierig: . "Soll ich mal schnell aufmachen?" Flugs ist der Umschlag offen. "Wow, so viel habe ich noch nie bekommen", sagte Tissen strahlend und freut sich über 990 Euro. Wofür das Geld ist, steht schon fest: "Es fließt rückwirkend in die WM in China." Vor ein paar Wochen kam die große Rechnung - und damit die Erkenntnis, die Antragsfrist besser nicht mehr zu versäumen. "Ich habe aus meinem Fehler gelernt", sagt Eleonora Tissen einsichtig.
Deutlich höher als die Einnahmen sind die Kosten auch bei Annmarie Mütsch. An die 5000 Euro hat die Schachspielerin des SC Eppingen im vergangenen Jahr für ihren Sport ausgegeben. "Oft dauern die Turniere mehrere Tage, da fallen neben Flug- auch Übernachtungskosten an", sagt die 15-Jährige. Allein für die Jugend-EM in Rumänien seien mehr als 1500 Euro zusammengekommen. Und ein Einzeltrainer will auch noch bezahlt werden. "Zum Glück kommt über das Preisgeld ab und zu auch was rein", sagt Mütsch. Mit 100 bis 150 Euro seien die Summen aber gering.
Große Kasse lässt sich auch mit dem Kunstradfahren nicht machen. Selbst als amtierender Weltmeister im Zweier. Bei einer neu ins Leben gerufenen Weltcup-Serie fahren die beiden Hohenloher Serafin Scheffold und Max Hanselmann deshalb auch für öffentliche Aufmerksamkeit. Dabei steht unter anderem Hongkong auf dem Reiseplan. Die größten Konkurrenten, Bugner/Bugner, werden dort fehlen. Aus Kostengründen. "Für uns Sportler, die nichts verdienen, ist das schon ein großer finanzieller Aufwand und auch mit Urlaub verbunden", sagt Scheffold. Gezahlt wird oft aus eigner Kasse.
Für solche Fälle hat das Duo Scheffold/Hanselmann extra ein Konto angelegt, auf das Sponsorengelder, Erlöse von Showauftritten und natürlich auch die Födersumme der Sporthilfe fließen. Eine Abbuchung könnte es bald für eine Transportbox geben. Schließlich reist das eigene Rad als Sportgepäck immer mit. Und wurde bei einem Trip nach Kanada schon einmal empfindlich in Mitleidenschaft gezogen.
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Für sparsame Schwaben ist die Sparkasse ein Hort der Freude. "Das Geld kommt auf mein Konto und wird gespart", sagt Tischtennis-Jugendnationalspielerin Wenna Tu: "Ich bekomme sogar Zinsen." Ein Satz, den nicht jeder Kunde in der Kreissparkasse Heilbronn mit einem Lächeln ausspricht wie Wenna Tu das tut. "Sie ist halt eine echte Schwäbin", sagt Neckarsulms Trainer Alexander Mohr über die 15-Jährige mit malaysischen Wurzeln.
Oedheimer Wurzeln hat Felix Landes. Der Kanute ist Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Allerdings muss er dieses Jahr in die A-Nationalmannschaft kommen, um weiter von der Bundeswehr gefördert zu werden. "Für mich würden mehr als 80 Prozent meines monatlichen Verdienstes wegfallen. Ich schaffe dann noch meine Miete - mehr aber nicht", sagt der Zweitplatzierte bei der Wahl zum Unterländer Sportler des Jahres 2017. Da ist jeder Euro der regionalen Sporthilfe besonders willkommen.
Geförderte Athleten der Sporthilfe Unterland
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Boxen: Vjaceslaw Spomer, Kastriot Sopa (beide SV Heilbronn am Leinbach), Dawood Hosseini, Sotirios Ntinos, Vadim Heinrich, Andreas Sachno (alle TSG Öhringen)
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Eiskunstlaufen: Viktoria Krez, Simon Blattner (beide REV Heilbronn)
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Inline-Alpin: Ulrike Bertsch, Jan Vogt, Jörg Bertsch (alle TSV Degmarn)
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Inline Speedskating: Patrick Reuter, Luca Berti, Fabian Dieterle, Katharina Rumpus, Marvin Klotz, Lena Bender, Maren Merkle (alle SSF Heilbronn)
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Kanu: Lukas Erbe, Katja Marschall, Yannik Pflugfelder (alle TSG Heilbronn), Greta Köszeghy, Tim Müller, Zoe Köszeghy, Leander Köszeghy (alle SV Union Böckingen), Felix Landes, Pascal Löffelhardt, Thomas Klisin (alle Neckarsulmer Sport-Union)
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Klettern: Amelie Kühne, Helena Waltz, Stefan Schmieg, Luca Jung (alle DAV Heilbronn)
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Kunstradfahren: Jonas Mächtig, Simon Riedinger (beide RKV Ilsfeld), Anton Hanselmann, Max Hanselmann, Serafin Schefold (alle RV Öhringen)
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Leichtathletik: Katja Wölfl, Björn Friedel (beide Neckarsulmer Sport-Union), Ruven Renz, Olivia Tzschach, Paul Stumpf, Lara Böhm, Jannik Lang (alle TV Eppingen), Till Federolf (Tri-Team Heuchelberg), Katharina Schiele (TSV Biberach), Veronica-Clio Hähnle-Pohl, Benedikt Hoffmann, Matthias Moser, Jacob Heink, Jara Ellinger, Nick Rothenburger, Fabian Katz, Sarah Kreiser, Lionel Assick, Annegret Schneider (alle TSG Heilbronn)
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Radsport: Thomas Neuhäuser (VfL Brackenheim)
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Ringen: Cornel Predoiu, Daniel Lenz, Julian Meyer, André Timofeev, Eduard Popp, Valentin Lupu (VfL Neckargartach im SV Heilbronn a. L.)
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Rollkunstlaufen: Desiree Ciaravella, Robin Gerstenmaier, Romy Grauer, Markus Lell, Natalie Rothenbächer (alle REV Heilbronn), Adrian Zoller, Eleonora Tissen (RRV Eppingen)
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Rudern: Luise Münch, Luis Denzel (beide Heilbronner RG Schwaben)
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Schach: Annmarie Mütsch (SC Eppingen)
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Schwimmen: Felix Ziemann, Mattika Fischer, Bente Fischer, Mahia-Cara Härdtner, Lukas Kraft, Clemens Rapp, Daniel Pinneker, Soraya Ebrahimi, Bettina Merkle, Nikolaos Adamidis, Benedikt Sell (alle Neckarsulmer Sport-Union), Alexandra Ludwig (SV Heilbronn 98), Annika Klappenecker, Julia Schön (beide TSG Öhringen)
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Sportschießen: Christoph Lutz, Marius Hötzel (beide SSV Leingarten)
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Tanzen: Noel Alexander Wiegel, Lilli Baryshnik, Thomas Altergot, Juliane Aschenbrenner, Daniel Lepski (alle ATC Blau-Gold in der TSG Heilbronn)
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Tauchen: Janina Fabriz, Sebastian Bauer, Farah Schillmüller, Lars Baier, Tobias Fabriz (alle Tauchchlub Heilbronn)
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Tischtennis: Alexander Gerhold, Wenna Tu, Kathrin Hessenthaler, Jens Schabacker, Rebecca Matthes, Julian Mohr (alle Neckarsulmer Sport-Union)
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Triathlon: Dominik Sowieja, Hannes Wolpert (beide Neckarsulmer Sport-Union) Malte Plappert, Katharina Wolf (beide Tri-Team Heuchelberg), Stefan Lösler (Paratriathlon Neckarsulmer Sport-Union)
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Turnen: Milan Hosseini (TG Böckingen), Philipp Schmidt (TSG Öhringen)
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Voltigieren: Melanie Eger, Lara Häusermann, Mara Xander, Anne Schlumbohm (alle RV Nordheim), Stefanie Hägele (Pferdesport-Team Heilbronn), Kim Isabella Stahl, Lisa-Marie Gerritzen (beide RV Neuenstein)

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