Stimme+
Motorsport
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Ärzte und Körper entscheiden über Zukunft von „Team Weinmann“

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Sechs Wochen nach seinem schweren Unfall ist Seitenwagen-Pilot Joshua Weinmann aus Weißbach-Crispenhofen auf dem Wege der Besserung. Ob er mit Bruder Noah Weinmann noch einmal in den Sport zurückkehrt, ist allerdings ungewiss.

Ein Bild, das vorerst der Vergangenheit angehört: Fahrer Joshua (links) und sein Beifahrer wie Bruder Noah Weinmann im Juni beim Weltmeisterschaftslauf im französischen Brou.
Ein Bild, das vorerst der Vergangenheit angehört: Fahrer Joshua (links) und sein Beifahrer wie Bruder Noah Weinmann im Juni beim Weltmeisterschaftslauf im französischen Brou.  Foto: MARTIN HUSAR

Joshua Weinmann ist sich seines Glückes wohl bewusst. „Für die Schwere der Verletzungen geht’s mir schon wieder recht gut“, sagt der 23-Jährige Motorsportler aus dem hohenlohischen Weißbach-Crispenhofen. Selbst ein wenig Sport für Beine und Oberkörper sei mit wenig Gewicht inzwischen wieder möglich. Priorität habe allerdings noch immer die Genesung: „Ich muss mich weiterhin schonen und habe deswegen seit sechs Wochen nichts potenziell Gefährliches mehr gemacht.“

Vor sechs Wochen änderte sich viel im Leben von Joshua Weinmann, der bis dahin fast jedes Wochenende als Fahrer beim Seitenwagen-Motocross mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Noah auf den Strecken Europas unterwegs war. Zwischen den Deutschen-Meisterschafts- und Weltmeisterschaftsläufen blieb nach An- und Abreise meist gerade genug Zeit, um das Motorrad in Weißbach zu reinigen und wieder auf Vordermann zu bringen. Nun ist zu wenig Zeit Weinmanns geringstes Problem.

Unfall in der Qualifikation zum WM-Lauf in Lommel

Es ist der Alltag, der ihm hin und wieder noch zu schaffen macht. Das lange Zeit Selbstverständliche ist genau das inzwischen nicht mehr – weil das Qualifikationsrennen zum WM-Lauf im belgischen Lommel alles verändert hat: Auf der tiefen Sandstrecke kollidieren die Weinmann-Brüder nach zwei Sprunghügeln in einem harten Zweikampf mit einem Konkurrenten und kippen daraufhin mit ihrem Gespann um. Joshua Weinmann bleibt in der Landezone hinter den Sprunghügeln liegen und wird von nachfolgenden Motorrädern überrollt.


Mehr zum Thema


Wenig Schmerzen, aber große Gefahr: Untersuchung zeigt drei Brüche

„Ich habe es erst als gar nicht so schlimm empfunden“, erzählt er, „anfangs habe ich sogar ziemlich wenig gemerkt und keine extremen Schmerzen gehabt“. Als er anschließend aber trotz Gefühl in Armen und Beinen ein leichtes Kribbeln in seinen Extremitäten verspürt und im Krankenhaus durchgecheckt wird, werden dort Brüche des sechsten und siebten Halswirbels sowie des sechsten Brustwirbels festgestellt.

„Ganz schön gruselig“ nennt Weinmann die Diagnose in der Rückschau, weil auf einmal die Gefahr einer Rückenmarksverletzung und damit einer möglichen Querschnittslähmung ganz real ist – auch seine Arme wären dann möglicherweise von der Lähmung betroffen gewesen.

Ärzte-Teams machen in Belgien und Ludwigsburg einen guten Job

Doch die Ärzte in Belgien machen einen guten Job, erkennen die potenzielle Gefahr und stabilisieren Weinmanns Hals und Torso. Tags darauf geht es in einem gecharterten Privat-Jet aus dem niederländischen Eindhoven erst nach Stuttgart und dann ins RKH Klinikum Ludwigsburg. Dienstags wird ihm dort der siebte Halswirbel durch ein Titangeflecht ersetzt und beide Wirbel mit den Nachbarwirbeln verschraubt, sonntags ist Joshua Weinmann – eine Woche später als geplant – wieder in Hohenlohe.

Mit Halskrause und in der Horizontalen ging es für Joshua Weinmann im Charter-Jet zurück in die Heimat.
Mit Halskrause und in der Horizontalen ging es für Joshua Weinmann im Charter-Jet zurück in die Heimat.  Foto: privat

Seitdem dominieren Ruhe und Erholung die Tage des sportbegeisterten Studenten. Sein Fahrrad hat er inzwischen repariert, auch wenn das Fahren noch nicht wieder möglich ist. Auch drei Klausuren hat der Student der Mechatronik und Robotik inzwischen nachgeholt.


Mehr zum Thema

Die Brüder aus Weißbach wurden auf ihrer 199 Kilo schweren Maschine mit 650 Kubikzentimetern und rund 73 PS fünf Mal deutscher Meister und Vizeweltmeister.
Stimme+
Motorsport
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Zwei Brüder auf einem Motorrad


Motorsportliche Zukunft des Brüderpaars ist noch ungewiss

Der Heilungsprozess läuft ganz gut, aber ich muss auf den Arzt und meinen Körper hören“, sagt er. Dass der Traum vom Deutschen Meistertitel durch den Sturz ausgeträumt ist, war für ihn sehr schnell sehr nebensächlich. Ob er und sein Bruder überhaupt noch einmal gemeinsam auf das Motorrad-Gespann werden steigen (können), ist derzeit noch ungewiss. Ein Check im Ludwigsburger Klinikum soll in zweieinhalb Wochen mehr Aufschluss darüber geben.

„So richtig ist die Entscheidung noch nicht gefallen, aber ich fände es wirklich schade, wenn es nicht mehr ginge“, sagt Joshua Weinmann, erzählt aber auch von den Sorgen besonders seiner Mutter und seiner Freundin, die sich nicht für ein mögliches Comeback begeistern könnten. Denn allen sei bewusst, dass er beim nächsten Sturz womöglich weniger Glück hat.

Neuer Partner für Noah Weinmann

Während Joshua Weinmann bis auf weiteres zum Zuschauen gezwungen ist, ist sein Bruder Noah als Links-Beifahrer ein gefragter Gespann-Partner. Mit dem Briten Dan Foden ist der 20-Jährige bereits Läufe zur Weltmeisterschaft und Britischen Meisterschaft gefahren – eine Fortsetzung der Partnerschaft ist nicht ausgeschlossen.

Denn selbst falls Joshua Weinmann auf das Motorrad zurückkehrt, würde angesichts der fehlenden Vorbereitung auch die Saison 2026 eine Übergangssaison werden. Vorerst haben die Brüder, die für den MSC Wieslauftal starten, ihr VMC-KTM-Gespann daher zum Verkauf angeboten.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben