Erst Schreckmoment, dann Triumphfahrt: Heimsieg beim 2. HWRT-Rallye-Sprint
Jörg Dörre und Robin Zaiß lassen der Konkurrenz beim 2. Rallye-Sprint des HWRT Wohlmuthausen keine Chance. Dass sie sich am Ende über den Sieg freuen können, liegt auch daran, dass ein früher Unfall ohne schwere Konsequenzen bleibt.

Robin Zaiß musste kurz lachen, winkte dann aber unmissverständlich ab. Nein, nein, mit einer Gleichmäßigkeitsprüfung habe das alles nichts zu tun gehabt, versicherte der 30-jährige Beifahrer im Ziel, als sich bereits abzeichnete, dass er und Jörg Dörre (46) den 2. Rallye-Sprint des HWRT Wohlmuthausen für sich entscheiden würden.
Das Gespann des Ausrichters fuhr am vergangenen Samstag auf der dreimal zu befahrenden Fünf-Kilometer-Wertungsprüfung zwischen Forchtenberg und dem Neuensteiner Stadtteil Kirchensall in einer eigenen Liga. „Bei uns hat einfach alles funktioniert. Das Auto lief einwandfrei und wir sind sauber durchgefahren“, resümierte Zaiß, nachdem er Jörg Dörre zu drei nahezu identischen WP-Bestzeiten (3:19,0 Minuten/3:19,5 Minuten/3:19,8 Minuten) navigiert hatte.
2024 UHW, 2025 Rallye-Sprint: Dörre/Zaiß jubeln erneut
Umso bemerkenswerter war der Erfolg des Duos, weil sein BMW M3 E36 über ein Jahr ungenutzt in der Garage gestanden hatte und nicht bewegt worden war. „Diese acht bis zehn Jahre alten Reifen haben uns jetzt zweimal zum Gesamtsieg getragen“, sagte Zaiß grinsend und erinnerte damit an den Sieg der beiden bei der Unterland-Hohenlohe-Wertungsfahrt (UHW) im Vorjahr.
„Diese alten Reifen haben uns jetzt zweimal zum Gesamtsieg getragen.“
Robin Zaiß
Wie schon bei der Premiere im vergangenen Jahr, erwies sich der für die Württembergische Meisterschaft und den BWF-Rallyepokal gewertete Sprint bei heißen Temperaturen als Erfolg. Das lag auch daran, dass Kai Otterbach und Tobias Glatzel mit dem Schrecken und einigen Schmerzen, aber ohne lebensbedrohliche Verletzungen davonkamen.
Nach rund drei gefahrenen Kilometern der ersten WP war das Gespann nach einer Kuppe von der Fahrbahn abgekommen und in einen Graben gefahren. Dort hatte sich die Front seines BMW in den Boden gerammt von wo sich dieser mehrfach überschlug, bevor das Fahrzeug auf einem Feld kopfüber zum Stillstand kam.
„Wenn du dort zu schnell bist, dann hebelt’s dich aus.“
Leon Simon
Otterbach-Unfall lässt Zuschauer die Luft anhalten
Ein Schreckmoment – auch bei den Rallye-Fans, die den Unfall unweit entfernt am Zuschauerpunkt live miterlebten. Zuvor hatte schon Routinier und Lokalmatador Rainer Noller an derselben Stelle mit seinem geliehenen Mitsubishi Lancer Evolution VIII zu kämpfen gehabt. „Ich habe das Auto aber zum Glück noch retten können“, sagte der 54-Jährige später.

Auch der aus dem bayrischen Kronach angereiste Leon Simon, der mit Bruder und Fahrer Maximilian erstmals beim HWRT-Sprint startete, attestierte der Strecke einen anspruchsvollen Charakter: „Wenn du dann dort an dieser einen Stelle vom Schotter auf den Asphalt kommst – und der Asphalt ist dort nicht unbedingt der beste – und zu schnell bist, dann hebelt’s dich aus.“

Genauso widerfuhr es Otterbach und Glatzel, die aber nicht zuletzt dank der gedankenschnellen Streckenposten sowie der kurz darauf eintreffenden Streckensicherung und der Sanitäter das Wrack ihres Fahrzeugs eigenständig verlassen konnten und später nur zu Routinezwecken im Klinikum in Schwäbisch Hall durchgecheckt wurden. Die Sicherheitszelle ihres BMW hatte Schlimmeres verhindert.
Stütz/Stütz können nicht starten, Noller/Schlicht geben auf
Ebenso wie Mitfavorit Otterbach kamen auch die Simon-Brüder aus Bayern nicht ins Ziel. Ihren Subaru Impreza GT musste Co-Pilot Leon auf der zweiten WP mit Hilfe der Zuschauer in eine Auslaufzone schieben – Getriebeschaden.

Probleme hatten auch andere Gesamtsieg-Aspiranten: Bei Ralf und Leon Stütz verhinderten Getriebeprobleme ihres Lancer IX gar den Start. Rainer Noller und Tanja Schlicht (Abstatt/Öhringen) zogen vor der dritten WP zurück, weil ihr Mitsubishi kein Gas mehr annahm. „Wahrscheinlich der Ladeluftschlauch“, mutmaßte der Vorjahressieger. „Es war aber nach vier Jahren mal wieder ein Versuch mit dem ,Evo VIII’ wert und hat Spaß gemacht.“
Erst auf WP3 läuft es für René Noller richtig rund
Sein Sohn René entschied dadurch das familieninterne Duell für sich. Der 23-Jährige haderte auf WP1 mit dem aufgewirbelten Staub durch den langsameren Vordermann und die dadurch eingeschränkte Sicht.
„Auf der zweiten Prüfung habe ich mich dann vor einer Rechtskurve verbremst und bin durch den Acker gefahren“, gab der Peugeot-Pilot einen Fahrfehler zu. Erst auf WP3 lief dann alles glatt und Noller fuhr als Zweiter hinter Dörre/Zaiß eine Top-Zeit, so dass es noch für Gesamtrang vier reichte.
Trotz am Ende 8,7 Sekunden Rückstand war auch der zweite Platz von Ulrich Kübler und Armin Seeger vom HMC Öhringen mehr als beachtlich. Am Abend vor der Veranstaltung hatte die Wasserpumpe ihres Peugeot 207 S2000 noch Sorgen bereitet. Der Start stand auf der Kippe. Doch nach drei Ausfällen in Folge wurde das Duo für seine Nachtschicht mit der ersten Zielankunft im 207 seit Mai 2022 belohnt.
Ergebnisse des 2. HWRT Rallye-Sprints
1. Jörg Dörre/Robin Zaiß (BMW M3 E36), HWRT Wohlmuthausen, 9:58,3 Minuten.
2. Ulrich Kübler/Armin Seeger (Peugeot 207 S2000), HMC Öhringen, + 8,7 Sekunden.
3. Christian Sier/Franziska Kraft (BMW M3 E36), AMSC Pohlheim, +12,1 Sekunden.
4. René Noller/Alina Bader (Peugeot 208 Rally4), MC Heilbronn & RKV Ilsfeld/Adelmannsfelden, +15,2 Sekunden.
5. Daniel Hammel/Matthias Klotz (Honda Civic Type-R FN2), HMC Öhringen, +21,2 Sekunden.
Retro-Wertung (Gleichmäßigkeitsprüfung; 14 Starter)
1. Bernd Lutz/Christoph Steiert (Volkswagen Golf I GTI), ADAC Südbaden, 0:00,19 Minuten.
2. Andreas Link/Emil Müller (BMW E36 Compact), ADAC OC Winnenden, 0:00,20 Minuten.
2. Wolfgang Michalsky/Fabian Michalsky (Alfa Romeo Giulia ), ADAC Südbaden, 0:00,20 Minuten.



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