SG Schozach-Bottwartal schrammt knapp am Debakel vorbei
Gegen den HSV Solingen-Gräfrath droht Zweitligist Schozach-Bottwartal in der Anfangsphase eine komplette Demontage. Weil der neue Tabellenführer aus dem Bergischen Land nach 20 Minuten jedoch einige Gänge zurückschaltet, verliert die SGSB zum Jahresabschluss "nur" mit 23:36.

Man durfte, nein, man musste sich durchaus Sorgen machen, wenn man es am Samstagabend in der Beilsteiner Langhanshalle als Zuschauer mit der SG Schozach-Bottwartal hielt. Denn dem Zweitliga-Aufsteiger drohte vor heimischem Publikum gegen den HSV Solingen-Gräfrath eine komplette Demontage. Als Trainer Jürgen Krause nach etwas mehr als zwölf Minuten seine zweite Auszeit nahm, stand es 0:9 aus Sicht der Gastgeberinnen. Die ursprüngliche Spielidee, die Gäste aus der Klingenstadt möglichst lange zu ärgern, war bereits ad acta gelegt worden und die leise Hoffnung, nach dem ESV Regensburg vielleicht dem nächsten Favoriten ein Bein stellen zu können, längst illusorisch. Das einzige, worum es in den restlichen 48 Spielminuten noch gehen konnte, war Schadensbegrenzung.
"Wir brauchen da gar nicht drumherum zu reden: Sie waren uns klar überlegen. Das ist eine richtig gute Mannschaft, die nicht umsonst da oben steht", fasste Krause die Kräfteverhältnisse zusammen. Ja, der SG Schozach-Bottwartal fehlten mit den langzeitverletzten Lotta Gerstweiler und Julia Schraml wichtige Alternativen. Ja, die immer noch erst 16-jährige Lara Däuble wurde nicht nur auf Rechtsaußen an allen Ecken und Enden vermisst. Und ja, dass Sina Klenk und Sophie Räuchle als zwei von insgesamt nur neun verfügbaren Feldspielerinnen angeschlagen durchhalten mussten, war dem großen Ganzen auch nicht zuträglich. Doch was die Solingerinnen in den ersten 20 Minuten auf die Platte brachten, war − ungeachtet aller Beilsteiner Ausfälle − ganz großer Handball.
Solingerinnen lassen SGSB keine Chance
"Wir haben das überragend gespielt", befand auch Gästetrainerin Kerstin Reckenthäler. "Dieser Start hat Schozach-Bottwartal natürlich gebrochen." Versuchten die Gastgeberinnen zu Beginn noch, mit einem ruhigen Spielaufbau dem HSV den Wind aus den Segeln zu nehmen, blies ihnen kurz darauf ein regelrechter Orkan entgegen: 0:3 nach fünf Minuten, 0:6 nach zehn Minuten, 0:10 nach 13 Minuten. "Sie konnten manchen, was sie wollten", ordnete Jürgen Krause die Anfangsphase ein.
Er war bereits nach etwas mehr als fünf Minuten auf dem Weg gewesen, seine erste grüne Karte auf den Zeitnehmertisch zu legen, als er innehielt, weil Lisa Loehnig aus dem Rückraum zum Wurf ansetzte. Doch der Ball landete im Solinger Block und lag kurze Zeit später bereits auf der anderen Seite im Tor. Wenig später befand dann Krauses grüne Karte doch auf dem Tisch. Einen Unterschied machte die Auszeit allerdings nicht.
Überhaupt ging für die SG Schozach-Bottwartal vieles viel zu schnell. Anspiele ins Zentrum fanden überhaupt keine Abnehmer, weil Lara Karathanassis, Mandy Reinarz und Pia Adams am Kreis wirklich alles und jede mit der nötigen Robustheit aus dem Spiel nahmen. Die Außen waren verwaist und aus dem Rückraum konnte lange Zeit einzig Natascha Weber in der Zentrale für so etwas wie Gefahr sorgen. Im athletischen Bereich und im Umschaltspiel waren die Solingerinnen schlicht und einfach auf einem anderen Niveau.

Oft dauerte es keine zehn Sekunden, bis das Spielgerät hinter Jana Brausch oder Rena Keller einschlug. "Wir waren in den letzten Wochen gut gefordert, hatten auch einige Probleme, aber wir haben uns da ganz gut herausgearbeitet. Die Mannschaft ist einfach eine verschworene Einheit", sagte Reckenthäler über ihr Team, das durch den Erfolg am Samstagabend zumindest vorübergehend die Tabellenführung übernahm.
Hoffnungsschimmer: SG entscheidet zweite Hälfte für sich
Es dauerte bis zur 15. Minute, ehe Elena Fabritz zum 1:10 traf, zur Pause stand es schließlich 7:22. Und trotzdem konnte man den Beilsteinerinnen kaum einen Vorwurf machen. Sie waren bemüht, machten in ihren Bemühungen dann auch Fehler. Doch sie versuchten, die Anweisungen ihres zwischenzeitlich sichtlich leidenden Trainers umzusetzen und sich irgendwie ins Spiel zu arbeiten.
"Wir haben dann in der Pause besprochen, dass das Spiel jetzt wieder bei null losgeht", verriet Jürgen Krause nach Spielschluss. Dass die SG die zweite Hälfte dann tatsächlich mit 16:14 für sich entscheiden konnte, linderte die schmerzlichen Erinnerungen an die Anfangsphase. "Andersherum wäre es schlechter gewesen", scherzte Krause, "ein guter Schluss ziert alles". Zunächst gut zu spielen und in der Folge die Grenzen aufgezeigt zu bekommen, wäre vor der Weihnachtspause fraglos deprimierender gewesen.
Loehnig und Fabritz personifizieren Aufbäumen der SGSB
Dem Willen seiner Spielerinnen, sich nach dem 7:22-Pausenrückstand nicht hilf- und kampflos zu ergeben, zollte Krause Respekt, auch wenn das Ergebnis unter dem Strich immer noch "ein bisschen hoch" gewesen sei. Lisa Loehnig und Elena Fabritz etwa personifizierten diesen Willen und das Aufbäumen in den zweiten 30 Minuten. Vor der Halbzeit gelang beiden wenig, in Hälfte zwei dann doch ein wenig mehr. Vor allem aber lag der SG-Aufschwung daran, dass die Solingerinnen gleich mehrere Gänge zurückschalteten und munter durchrotierten.

Linksaußen Lucy Jörgens etwa, die gemeinsam mit Lotta Gerstweiler im Sommer bei der U20-WM in Slowenien im Einsatz gewesen war, sich dann dort aber schwer an der Schulter verletzt hatte, sammelte viele Minuten. Auch Vanessa Brandt, in der Vorsaison zur besten Spielerin der zweiten Liga gekürt, entpuppte sich auf links trotz einer längeren Verletzung offensiv wie defensiv als unangenehme Gegenspielerin.
Trainer erwarten harten Abstiegskampf − Bilanz sollen andere ziehen
Ein Resümee seiner bisherigen Amtszeit wollte Jürgen Krause zum Jahresabschluss nur ungern ziehen. "Wir müssen unsere Punkte nicht gegen Solingen holen, sondern gegen andere Gegner − und das wird schwer genug", bilanzierte er. Auch seine Gegenüber Kerstin Reckenthäler prognostizierte einen harten Kampf bis zum Schluss: "Das wird bis zum letzten Spieltag eine ganz heiße Kiste da unten." Die beiden Mainzer Teams, die Kurpfalz Bären und die SG Herrenberg stehen derzeit gemeinsam mit der SG Schozach-Bottwartal am unerfreulichen Ende des Tableaus. Der 12. Spieltag beim 1. FSV Mainz 05 wird für die SGSB am 7. Januar (19 Uhr) daher womöglich direkt richtungsweisend.
"Ich würde sagen, die Mannschaft hat sich verbessert", sagte Krause angesprochen auf die zwei Monate seit seiner Amtsübernahme, "aber das muss jemand anders beurteilen, ich bin als Trainer zu parteiisch". Noch ist im engen Tabellenkeller tatsächlich nichts verloren, doch speziell am Samstagabend musste man sich um die SG Schozach-Bottwartal zeitweise Sorgen machen.
SG Schozach-Bottwartal: Brausch; Keller − Räuchle, Fabritz (7/1), Weber (5), Hees (3), Loehnig (7/2), Hanak (1); Schrembs, Klenk, Amor.
Erfolgreichste Werferinnen HSV Solingen-Gräfrath: Lucy Jörgens (7 Tore), Vanessa Brandt (7/2).
Schiedsrichter: Markus Hehn/Felix Mayer.
Siebenmeter: Schozach-Bottwartal: 3/5; Solingen-Gräfrath: 2/2.
Zeitstrafen: 2/0.
Zuschauer: 250.
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