Neuer Trainer der SGSB: Jürgen Krauses Rückfall in die Handballsucht
Im Zweitliga-Kellerduell am Samstag gegen die Kurpfalz-Bären aus Ketsch feiert Jürgen Krause auf der Bank der SG Schozach-Bottwartal seine Rückkehr aus dem Handball-Ruhestand.
Die große Trainerlaufbahn des Jürgen Krause war nach seinem Engagement bei der FSG Waiblingen/Korb 2018 eigentlich beendet. „Ich war im Handball-Ruhestand und hatte auch geplant, in selbigem zu bleiben“, sagt der 66-Jährige. Doch am Samstag (20 Uhr) wird der Waiblinger auf der Bank der SG Schozach-Bottwartal Platz nehmen (oder seinem Temperament entsprechend davor hin- und herlaufen). Im Zweitliga-Kellerduell empfängt der Tabellen-13. den -vorletzten aus Ketsch. „Keine Frage, ein Vier-Punkte-Spiel“, redet Krause nicht drumherum. Mit einem Sieg würde die SGSB einen der härtesten Konkurrenten im Abstiegskampf auf drei Zähler distanzieren.
Fragen zum Personal oder zur Taktik lässt der neue Trainer offen
Allzu tief will sich Krause vor seinem Comeback-Spiel nicht in die Karten schauen lassen. Der Überraschungseffekt eines neuen Verantwortlichen auf der Trainerbank soll nicht schon im Vorfeld verpuffen. Fragen zur personellen Situation oder zur taktischen Ausrichtung lässt Krause daher unbeantwortet. Seine Ansage vor dem wegweisenden Spiel lautet: „Wir müssen einen Fehler weniger machen als Ketsch.“ Einen Spielverlauf wie beim 31:30-Auftakterfolg der SGSB gegen Mainz-Bretzenheim würde der Trainer sofort nehmen: „Ein Tor Vorsprung am Ende genügt mir völlig.“

Lieber spricht Krause darüber, was ihn aus seiner Handball-Rente herausgeführt hat. Nach mehr als zehn Stationen im Frauen- wie Männerbereich in seiner langen Laufbahn hat er ja vermeintlich alles erlebt. „Denise hat mich erst überredet und dann überzeugt“, sagt Krause schmunzelnd. Die SGSB-Teammanagerin Denise Geier kennt Krause schon lange – allerdings nur als Gegnerin auf dem Feld. „Eine sehr gefürchtete Spielerin“, erinnert sich Krause, „sie hat man lieber auf seiner Seite“.
Angesprochen auf diese Aussage muss Geier lachen. "Wir waren von Anfang an auf einer Ebene", berichtet die Teammanagerin von der ersten Kontaktaufnahme, auch wenn Krause auf Geiers Frage, ob er den Handball vermisse, mit "Nein" geantwortet hatte. "Ich durfte trotzdem weiterreden", sagt Geier. Krause war ihr Wunschkandidat: "Ich hatte ihn zwar nie als Trainer, habe aber von guten Freunden immer nur Gutes über seine Arbeit gehört."
Ein Probetraining als Härtetest
Das Gespräch war aber nicht ausschlaggebend. „Die SG hat ein sehr junges Team mit einigen erfahrenen Spielerinnen und das Potenzial, die Klasse zu halten“, ist Krause überzeugt. Doch bevor er seine Entscheidung traf, wollte er ein Probetraining absolvieren. Denn das Potenzial ist das eine, die Bereitschaft für den Klassenerhalt etwas anderes. Also bestand Krause auf ein Probetraining. Und er stellte das Team im Wortsinne auf die Probe, ließ einen echten Härtetest absolvieren. „Hätten sie nicht mitgezogen, wäre ich sofort wieder in Rente gegangen“, sagt Krause. Die Mannschaft zog die Einheit jedoch bis zum Ende durch – wenn auch schwer keuchend. „Das hat mich beeindruckt und überzeugt.“
Ausgangspunkt seines erneuten Sturzes in die Handball-Sucht war das Bundesliga-Auftaktspiel des VfL Waiblingen gegen die Sport-Union Neckarsulm Anfang September. Vier Jahre lang hatte Krause – von zwei, drei Ausnahmen abgesehen – einen weiten Bogen um sämtliche Hallen in der Region gemacht. Mit Sarah Wachter auf Neckarsulmer Seite und Vanessa Nagler sowie Caren Hammer auf Seiten des VfL standen aber gleich drei seiner ehemaligen Schützlinge in diesem Spiel auf dem Feld. „Ich hatte versprochen, live dabei zu sein, wenn sie in der Bundesliga aufeinandertreffen.“
Spaß am Spiel der Waiblinger D-Juniorinnen
Ein erster Berührungspunkt war also geschaffen. Endgültig ausschlaggebend war dann aber der 9. Oktober. Zu dem Zeitpunkt lag ihm bereits die Anfrage der SGSB vor. Am späten Vormittag schaute sich Krause die Waiblinger D-Juniorinnen an. Das Spiel der Mädchen bereitete ihm derart viel Freude, dass er später nach Göppingen fuhr, um sich die SGSB-Frauen live in der Halle anzuschauen. Selbst die deutliche Niederlage ließ ihn nicht mehr zurückschrecken. Es folgte das Probetraining und die Zusage. „Ich habe bis zum Saisonende zugesagt, unabhängig davon, wie es sportlich läuft“, sagt Krause.
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