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Schozach-Bottwartal schnuppert an der Derby-Überraschung

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Durch ihren bislang besten Zweitliga-Auftritt führen die Handballerinnen aus Beilstein bei der TG Nürtingen zeitweise mit sechs Toren − die Überraschung ist greifbar. Doch nach dem Seitenwechsel setzt sich die Erfahrung der TGN durch.

Julia Bauer wäre mit der SG Schozach-Bottwartal bei ihrem Ex-Club in Nürtingen beinahe eine Überraschung gelungen.
Julia Bauer wäre mit der SG Schozach-Bottwartal bei ihrem Ex-Club in Nürtingen beinahe eine Überraschung gelungen.  Foto: Herbert Schmerbeck

Am Ende hatte Jürgen Krause fast nur lobende Worte für seine Mannschaft übrig. Von Enttäuschung war keine Spur, von Ärger oder gar Verzweiflung auch nicht. "Wir sind einen Schritt weiter als gegen Regensburg, denn wir waren heute sogar noch einen Tick besser", bilanzierte der Trainer von Handball-Zweitligist SG Schozach-Bottwartal nach der 30:32 (17:15)-Niederlage bei der TG Nürtingen.

Und das wollte etwas heißen, denn bei Spitzenreiter ESV Regensburg hatte die SG Ende November durch ein 21:21 ihren ersten und bislang einzigen Auswärtspunkt eingesammelt, nachdem sie an der Dechbettener Brücke zur Halbzeit mit 14:9 geführt hatte. Ein ähnliches Spiel erlebte der Aufsteiger nun in Nürtingen − mit der Ausnahme, dass das eigene Punktekonto diesmal unverändert blieb. Krause hatte dennoch einen Fortschritt erkannt: "Die Findungsphase ist jetzt mehr oder weniger vorbei. Mannschaft und Trainer kennen sich jetzt und wissen, was man voneinander erwartet."

Beilsteiner Nonchalance imponiert den Gastgeberinnen

Der Grund für Krauses Zuversicht lag zweifellos in der tollen ersten Hälfte begründet, die seine Spielerinnen am Samstagabend beim Tabellenneunten zeigten. Seit langem, wenn nicht sogar zum allerersten Mal in der zweithöchsten Spielklasse, sorgten die Beilsteinerinnen für so etwas wie ein Offensiv-Feuerwerk. Es hatte etwas von verkehrter Welt, was Schozach-Bottwartal zu Beginn auf die Platte brachte: 3:1, 10:7, 15:9 − vor allem die 16-jährige Lara Däuble und Natascha Weber aus der Mitte des Rückraums sorgten in den ersten 20 Minuten für bislang ungekannte Angriffsqualitäten. Seit Jürgen Krause Mitte Oktober die Verantwortung von Vorgänger Rouven Korreik übernommen hatte, stand bei der Spielgemeinschaft vor allem die Abwehr solide. Es war die erste Baustelle, an die Krause im Training Hand angelegt hatte und die sich seit dem 23:34 gegen die Kurpfalz Bären auch stetig verbessert zeigte.

Die TG Nürtingen stand vor 485 Zuschauern hingegen völlig neben sich und hatte der unbekümmerten Nonchalance der Gäste kaum etwas entgegenzusetzen. Exemplarisch dafür war eine Szene nach 19 Minuten als Schozach-Bottwartal zunächst in Unterzahl Lücken in Nürtingens 5:1-Deckung riss und Lisa Loehnig mit einem Geschoss in den Winkel zum 13:9 traf. 15 Sekunden später lag der Ball dann erneut im Nürtinger Tor, weil die SG nach einem technischen Fehler von Vivien Natalello schnell umgeschaltet und sich Lara Däuble kompromisslos ihren Weg durch die völlig offene TG-Deckung gebahnt hatte: 14:9.

Auszeiten sorgen für die Wende

In Nürtingen gelang nun auf einmal auch offensiv all das, was zuvor mühsam hatte erarbeitet werden müssen. "Wir haben es relativ gut im Angriff gespielt", befand Krause in der Rückschau, um hinterherzuschieben: "Dafür waren wir heute etwas schwächer in der Abwehr." Es ist ebendiese Balance, die dem Aufsteiger bislang über 60 Minuten noch fehlt. Doch die 30 in der Theodor-Eisenlohr-Sporthalle erzielten Tore waren der zweitbeste Wert der laufenden Saison, worauf sich aufbauen lässt. "Was uns ein wenig stolz macht", sagte Jürgen Krause: "Nach 15 und 20 Minuten mussten sie schon ihre Auszeiten nehmen."

Hesel hält nach dem Seitenwechsel fast alles

Doch genau darin lag der Wendepunkt, der das Spiel kippen ließ. Denn Nürtingens Trainer Simon Hablizel stellte nach seiner zweiten Auszeit taktisch um, ließ ab der 26. Minute in Ballbesitz sieben gegen sechs spielen. "Und das spielen sie gut", musste Jürgen Krause neidlos anerkennen. "Ohne die Leistung meiner Mannschaft zu schmälern − aber wir haben kein Mittel gefunden, das zu unterbinden." Zu siebt arbeiteten sich die Gastgeberinnen schrittweise wieder heran und ließen den Vorsprung bis zur Pause auf zwei Tore schmilzen. 

Nach dem Seitenwechsel sorgen schließlich drei Nürtinger Tore innerhalb von 69 Sekunden für die Wende. Natascha Weber glich zwar noch einmal zum 19:19 aus, doch ausgerechnet Hannah Hönig brachte Nürtingen gegen ihren Ex-Club wieder in Front. Eine Führung, die die TG danach nicht mehr abgeben sollte. Was auch an Christine Hesel lag, die sich nach der Pause deutlich steigerte und im Nürtinger Tor insgesamt 16 Paraden zeigte. "Ihr Kader ist einfach auch gut besetzt", sagte Krause. Verena Breidert etwa streute 43-jährig ihre gesamte Erfahrung ein und auch die zuletzt angeschlagene, erstligaerfahrene Lea Schuhknecht trug mit drei Treffern in der Schlussphase noch ihren Teil zum Sieg der Gäste bei.

Solingen gastiert zum Jahresabschluss in der Langhanshalle

"Durch die Nürtinger Überzahl im Angriff mussten wir in der Abwehr noch mehr arbeiten. Das kostet einfach Kraft, die uns in der zweiten Hälfte dann vorne gefehlt hat", resümierte Krause sachlich. Auch ohne weiteren Auswärtspunkt hat sich sein Team mehr als teuer verkauft und einen weiteren Entwicklungsschritt gemacht. Noch lässt die Tabelle solche Spiele mit Lerneffekt und Erfahrungsgewinn zu. Am Samstag (20 Uhr) kommt mit dem HSV Solingen-Gräfrath der neue Tabellenzweite in die Langhanshalle, bevor es in eine kurze Weihnachtspause geht. Im neuen Jahr, das ist auch Jürgen Krause klar, muss in Partien mit einem Spielverlauf wie gegen Nürtingen dann gepunktet werden. Die Findungsphase ist dann vorbei.


SG Schozach-Bottwartal: Keller (7 Paraden); Brausch (4 Paraden) − Däuble (7/2 Tore), Bauer (1), Klenk, Hees (5), Fabritz (2), Loehnig (4/1); Weber (7/3), Hanak (4), Räuchle.

Erfolgreichste Werferinnen TG Nürtingen: Carolin Henze (6 Tore), Hannah Hönig (5/1), Kerstin Foth (5/1).

Schiedsrichter: Markus Kauth/André Kolb.

Siebenmeter: TG Nürtingen: 2/3; SG Schozach-Bottwartal: 6/7.

Zeitstrafen: 3/3.

Zuschauer: 485.

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