Rudolf Wagner macht’s zum dritten Mal: Aufstiegstrainer folgt beim TV Flein auf Daniel Heidecker
Handball-Oberligist TV Flein zieht im Leistungs- und Stimmungstief die Reißleine: Aufstiegstrainer Rudolf Wagner ersetzt Daniel Heidecker und wird damit zum Nachfolger seines Nachfolgers. Bei den Handball Wölfen Plankstadt gilt am Samstag: Verlieren verboten.

Eigentlich wollte er ja kürzertreten, mehr Zeit für Hobbys und die Familie haben. So hatte es Rudolf Wagner jedenfalls im vergangenen Winter kundgetan, als der Trainer seinen Abschied von Oberligist TV Flein zum Saisonende angekündigt hatte. 14 Monate und ein siegloses Jahr 2026 später ist der Aufstiegstrainer zurück an seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Als Feuerwehrmann soll er die im freien Fall befindlichen Fleiner in seinem inzwischen dritten Engagement am Sandberg (nach 2003-2008 und 2023-2025) vor dem Sturz in die Verbandsliga retten.
Mitte der Woche hatte sich der TV Flein, wie berichtet, von seinem bisherigen Cheftrainer Daniel Heidecker sowie dessen Assistenten Tobias Deuring getrennt – trotz deren großen Engagements, wie die Grün-Weißen mitteilten. „Umso schwerer fällt uns dieser Schritt. Wir hätten das Ruder gerne gemeinsam mit den beiden noch herumgerissen“, sagt Benjamin Blind, 1. Vorsitzender des Fördervereins des Fleiner Handballsports. Doch beim TVF sah man sich zu weit hinter den eigenen Ansprüchen und traute Heidecker die Kehrtwende beim Oberligisten nicht mehr zu.
Von 18:8 zu 20:20 Punkten: Winterpause bringt Bruch in Saison des TV Flein
Rudolf Wagner, der bei seiner Rettungsmission von Ex-Spieler Marco Schilpp und dem derzeit langzeitverletzten Marius Braun als Co-Trainer unterstützt werden wird, ist damit Nachfolger seines eigenen Nachfolgers. Denn der aus Korntal stammende Informatiker Heidecker war erst zu Saisonbeginn vom Landesligisten TV Mundelsheim gekommen, mit dem er zuvor über die Aufstiegsspiele in die Verbandsliga aufgestiegen war. Das Team Neckar als einer der Fusionsnachfolger kämpft derzeit unter Ex-Flein-Trainer Patrice Payer gegen den direkten Wiederabstieg.
Doch nach einem vielversprechenden Saisonstart ließ die Winterpause seine Mannschaft in ein Leistungsloch fallen. Seit dem 34:28 Mitte Dezember bei der HSG Langenau/Elchingen hat der TVF, der zum Jahreswechsel bei 18:8 Punkten noch Tabellenvierter und in Schlagdistanz zu Spitzenreiter SKV Unterensingen (21:5) und dessen Verfolger SG BBM Bietigheim (18:6) war, nicht mehr gewonnen. Inzwischen steht das Fleiner Punktekonto bei 20:20, während der SKV mit 32:8 Punkten einsam an der Tabellenspitze seine Kreise zieht.
Derby-Niederlagen drücken auf die angespannte Stimmung
Die Gründe für den Negativlauf sind vielfältig. Durchwachsene Trainingsleistungen und eine ausbaufähige Einstellung bemängelten die Akteure mehrfach selbst, dazu verschlief der TV Flein (zu) häufig die ersten Spielminuten und lief infolgedessen immer wieder nicht mehr aufzuholenden Rückständen hinterher.
Derby-Niederlagen gegen die SG Schozach-Bottwartal (27:28) und den TSV Bönnigheim (25:29) trübten die Stimmung ebenfalls und die zum Teil langwierigen Ausfälle von Stützen wie Marius Braun, Cedric Ziegler oder Schlussmann Tim Schniering ließen sich nicht immer kompensieren. Kein Sieg, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen waren in der Folge die Bilanz seit dem Jahreswechsel, die die Verantwortlichen beim TV Flein veranlasste, die Notbremse zu ziehen.

Ex-Trainer Daniel Heidecker versichert: „Kein böses Blut“
„Wir haben uns zu der Situation ausgetauscht und es gibt kein böses Blut“, versichert Daniel Heidecker, der sich darüber hinaus jedoch nicht detaillierter zu seinem Aus äußern möchte. Lose Anfragen, die ihn bereits erreicht hätten, habe er vorerst abgelehnt. „In Planung ist erst einmal noch nichts. Wir haben eine gerade sieben Wochen alte Tochter zu Hause, von daher genieße ich jetzt erst einmal die Zeit mit der Familie.“
Zeit zum Genießen bleibt seinem Ex-Team hingegen nicht. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf den zwölften Tabellenplatz, der den Abstieg bedeuten würde, vor dem Kräftemessen mit dem Tabellenvorletzten Handball Wölfe Plankstadt am Samstagabend (18 Uhr). Der Raum für Fehler ist daher beinahe ausgereizt. Rudolf Wagner weiß das.
Oberliga-Konkurrenten in unterschiedlichen Rollen
Die Rolle als Oberliga-Top-Team aus der Region hat in der Rückrunde die SG Schozach-Bottwartal übernommen, deren Formkurve seit dem Jahreswechsel genau entgegengesetzt zu jener des TV Flein verläuft: nach oben. Mit 11:15 Punkten auf Tabellenplatz sieben ins Jahr 2026 gestartet, steht die Mannschaft von Trainer Timo Stauch sieben Partien und sechs Siege später inzwischen mit 23:17 Zählern auf Rang drei.
Gegen die TSG Söflingen hat die SGSB am Sonntagabend (18 Uhr, Sportzentrum Kuhberg) nach ihrer 24:27-Niederlage im Hinspiel noch etwas gutzumachen. Zugleich wäre Ligakonkurrent TSV Bönnigheim im Abstiegskampf über eine Söflinger Niederlage nicht unglücklich. Nach den jüngsten Vertragsverlängerungen von Jan Fuhrmann, Manuel Koch, David Schneider und Eric Stahl sind die Kaderplanungen in Beilstein zudem weit gediehen. „Aber wir halten weiterhin die Augen offen. Und natürlich haben wir auch unsere Jugendspieler immer im Blick, da kommen in den nächsten Jahren ein paar vielversprechende Talente ins Aktivenalter“, prophezeit Ressortleiter Christoph Hauser.
Als Tabellenschlusslicht mit dem Rücken zur Wand steht der TSV Bönnigheim. Sechs Punkte beträgt der Rückstand der Blauen, die es am Samstag (20 Uhr) in Esslingen mit der kriselnden SG Hegensberg-Liebersbronn zu tun bekommen werden, auf den rettenden elften Rang. Seit Mitte Dezember warten die Gastgeber (9./19:21 Punkte) auf ein Erfolgserlebnis. Mit einem Auswärtssieg könnte die Mannschaft von Interimstrainer Philipp Dröse allerdings nicht nur sich selbst einen Gefallen tun, sondern ihrerseits auch Druck vom TV Flein nehmen, der im Klassement lediglich einen Punkt vor der SG steht.
Will der TSV darüber hinaus noch eine weitere Saison in der fünfthöchsten Spielklasse verbringen, müssen angesichts des anspruchsvollen Restprogramms ab Mitte April mit drei Teams aus den aktuellen Top Fünf wohl vorher drei Siege her. Auf das Gastspiel bei der SG Hegensberg-Liebersbronn folgen ein Heimspiel gegen die TSG Söflingen (10./17:21) und ein Duell mit der HSG Langenau/Elchingen (11./17:25).
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