Immer hart, immer fair: SG Schozach-Bottwartal gewinnt das Derby beim TV Flein
Männer der SG Schozach-Bottwartal gewinnen das zweite Derby innerhalb von sieben Tagen. Warum der TV Flein eine Drei-Tore-Führung nicht ins Ziel gebracht hat.

So wird’s gemacht im Handball nach einem Derby: Die siegreiche Mannschaft bildet nach der Schlusssirene einen Kreis und skandiert hüpfend: „Derbysieger! Derbysieger! Hey! Hey!“ Es waren die Oberliga-Männer der SG Schozach-Bottwartal, die am Samstagabend ihrem Torhüter Thomas Fink um den Hals fielen und vor 650 Zuschauern in der ausverkauften Fleiner Sandberghalle lautstark das Derbysieger-Ritual pflegten.
Nur wenige Meter vom hüpfenden Jubelkreis entfernt saßen sprichwörtlich am Boden zerstört Sven Kroll und Timon Ströbel vom doch eher überraschend mit 27:28 (14:13) geschlagenen TV Flein. Ein im Handball eher seltenes Szenario wäre auch in Ordnung gewesen: ein Derby ohne Derbysieger – ein Unentschieden.
650 Zuschauer sehen 28:27-Derbysieg des SGSB beim TV Flein
„Ein Remis ist nie wünschenswert, wir wollen möglichst jedes Spiel gewinnen“, sagte Thomas Fink, nachdem er das Adrenalin weggeduscht hatte. „Aber ja, ein Unentschieden hätten wir vor dem Spiel natürlich unterschrieben.“ Denn die ambitionierten Fleiner waren Tabellenvierter hatten das Hinspiel mit so etwas wie Einbahnstraßen-Handball 32:25 gewonnen.
„Ein Unentschieden wäre das beste Ergebnis gewesen.“
Martin Kienzle, SG Schozach-Bottwartal
„Ein Unentschieden wäre das beste Ergebnis gewesen“, sagte SG-Stratege Martin Kienzle, der mit neun Toren an der Seite vom zehnfach erfolgreichen Max Schulze eine der prägenden Personen eines umkämpften Spiels war: „Es war immer hart, blieb aber immer fair.“
Dann zeigt Thomas Fink vier Paraden
Kienzle hatte per Siebenmeter für das 1:0 gesorgt – diesem Rückstand liefen die Fleiner bis zum von Felix Reichert verwandelten Siebenmeter, der in der 27. Minute die 14:13-Führung bedeutete, hinterher. Die Minuten um den Seitenwechsel gehörten den Gastgebern, sie zogen mit zwei Treffern von Lukas Stellmacher auf 16:13 (33.) davon. Dann zeigte Thomas Fink vier Paraden – 17:17 (38.).

„In dieser Phase ist Thomas Fink besser geworden. Und wir haben zu viele Fehler gemacht, das Tor nicht mehr getroffen“, analysierte Fleins Trainer Daniel Heidecker. Der hatte nach Spielschluss lange mit Schlüsselspieler Cedric Ziegler neben sich auf der Bank gesessen.
Cedric Ziegler ist erstmals seit Mitte Dezember zurück
„Wir saßen einfach da, regten uns auf, suchten nach Fehlern“, erzählte der Rückraumlinke später, der erstmals seit Mitte Dezember wieder auflief. Tape-Streifen auf dem Rücken verdeutlichten die Problemzone, wenn nach einem seiner wuchtigen Würfe das Trikot hochrutschte. „Vorstufe eines Bandscheibenvorfalls“, sagte Cedric Ziegler, gab aber nicht den schlechten Verlierer, der nach Ausreden suchte.
„Gratulation, die SG hat sich das verdient.“
Cedric Ziegler, FV Flein
„Gratulation, die SG hat sich das verdient. Was Thomas Fink gespielt hat - jetzt dürfen die hier auch mal feiern“, sagte Cedric Ziegler. Der hatte traumhaft per Kempa-Trick das erste Tor der Fleiner erzielt, bis zum 8:8 (17.) vier Mal getroffen. Dann war tortechnisch Schluss: „In der zweiten Hälfte war ich ein Totalausfall.“
SGSB-Torhüter Thomas Fink pariert kurz vor Schluss
Doch an ihm alleine lag es nicht. Die Grün-Weißen trafen kaum noch und bekamen in der Abwehr die Schwarzen einfach nicht richtig in den Griff. Max Schulze und zweimal Rico Reichert machten aus einem 25:26-Rückstand (53.) eine 28:26-Führung. Dann traf Mika Pavel (57.) zum Endstand. Den letzten Wurf der Fleiner parierte zehn Sekunden vor Schluss: Thomas Fink.

„Alles in allem war der Sieg vielleicht ein bisschen glücklich. Aber ich beschwere mich nicht“, sagte SGSB-Kreisläufer Rico Reichert, als er nach dem Spiel in der großen Reichert-Familientraube stand, wie auch sein Bruder Felix, Kreisläufer beim TV Flein. Gab es im Vorfeld Sticheleien unter Brüdern? „Nein, überhaupt nicht. Auch jetzt nicht“, versicherte nicht Felix der Unglückliche, sondern Rico der Glückliche.
Nach dem Derby ist für Flein vor dem Derby
„Die vier Punkte waren immens wichtig“, blickte Timo Stauch, Trainer des Tabellensiebten SG Schozach-Bottwartal (15:15 Punkte), auf die beiden Derbys gegen den TSV Bönnigheim und nun den TV Flein zurück. Für die auf Platz fünf abgerutschten Fleiner (18:12) steht am Samstag (20 Uhr) in Bönnigheim das nächste Derby an. Muss der TSV für die Derby-Niederlage der Fleiner gegen die SGSB büßen? „Ja“, sagte Cedric Ziegler, „ich hoffe, dass dann noch genug Wut da ist, um Bönnigheim aus der Halle zu schießen“. Und dann: „Derbysieger! Derbysieger! Hey! Hey!“
TV Flein: Brösch, Rizk – F. Reichert (5/3), Wahl (5), Ziegler (4), Kachelmuß (3), Stellmacher (3), Ströbel (3), Kroll (2/1), Pavel (2), Hamberger, Kloke, Lauer, Razmilic, Unizycki.
SG Schozach-Bottwartal: Fink, Ernst – Schulze (10), Kienzle (9/3), R. Reichert (5), Gries (1), Kornmann (1), Lehmann (1), Linder (1), Carpouzis, Hornung, Keller, Koch, Stahl.
Schiedsrichter: Magnus Hofmann/Julius Metzger.
Siebenmeter: TV Flein: 4/6; SGSB: 3/3.
Zeitstrafen: 2/4.
Disqualifikation: Jonas Keller (SGSG/31.).
Zuschauer: 650.
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