Das Abenteuer geht zu Ende: SGSB will sich beim Tabellenführer teuer verkaufen
Die SG Schozach-Bottwartal könnte in Solingen den Titelkampf beeinflussen, doch Trainer Jürgen Krause ist angesichts der Beilsteiner Auswärtsschwäche und des scheinbar übermächtigen Gegners skeptisch. Der Klassenerhalt ist inzwischen so gut wie abgehakt.

Erster gegen Letzter, 38:12 gegen 12:38 Punkte, die drittbeste Heimmannschaft gegen das schwächste Auswärtsteam – Die Rollen zwischen Zweitliga-Tabellenführer HSV Solingen-Gräfrath und Schlusslicht SG Schozach-Bottwartal sind vor dem direkten Aufeinandertreffen am Samstagabend in der Solinger Klingenhalle (18.15 Uhr) auf dem Papier klar verteilt.
Angesichts solch großer Qualitätsunterschiede möchte Jürgen Krause erst gar keine falschen Hoffnungen schüren: „Wir werden in den Kampf um die Meisterschaft nicht entscheidend eingreifen“, sagt der Trainer, der mit seiner Mannschaft sonst nicht darum verlegen ist, einen favorisierten Gegner zumindest hart für die Punkte arbeiten zu lassen. Will heißen: Dass die SGSB den Solingerinnen wichtige Punkte im Aufstiegsrennen abnehmen kann, erscheint fast illusorisch – obwohl sie in ihrem theoretischen Kampf um den Klassenerhalt entsprechende Punkte selbst noch gut gebrauchen könnte.
Das Abenteuer geht zu Ende
„Die Mädels, der Verein und auch ich, wir haben uns damit abgefunden, dass das Abenteuer nach einem Jahr zu Ende geht“, sagt Krause. Auch wenn der jüngste Erfolg gegen Nürtingen Rückenwind gegeben hat – das rettende Ufer ist vor allem nach der Niederlage gegen Regensburg und den Erfolgen der direkten Konkurrenz zu weit entfernt, als dass sich Beilsteinerinnen, die noch komplizierte Auswärtsaufgaben lösen müssten, aber bislang erst einen Punkt in der Fremde geholt haben, noch ernsthafte Hoffnungen auf ein zweites Jahr Zweitliga-Handball machen könnten.
„So viele Wunder gibt es nicht“, bleibt der lange Zeit optimistische Trainer realistisch. Etwaige Rechenspiele, wann unter welchen Bedingungen und Ergebnissen der Konkurrenz ein Abstieg besiegelt sein könnte, gibt es im Bottwartal nicht (mehr).
Bessere Personalsituation als im Hinspiel
Aber, und das ist Jürgen Krause wichtig zu betonen: „Die Mädels wollen noch Spiele gewinnen und werden bis zum Schluss alles geben“ – auch in Solingen. Bis auf die verletzte Jana Brausch, für die erneut Alina Bauer auf der Bank Platz nehmen wird, kann der 66-Jährige dort auf seinen kompletten Kader zählen.
In der verrückten zweiten Bundesliga sprangen die Solingerinnen in der Vorwoche nach nur einem Spieltag eher unverhofft wieder an die Tabellenspitze, weil die Füchse Berlin und FrischAuf Göppingen jeweils Punkte liegengelassen hatten. Lange wollten die Vereinsverantwortlichen in Solingen um Trainerin Kerstin Reckenthäler von Meisterschaft und Aufstieg nichts wissen, doch längst ist man sich in der Klingenstadt der großen Chance bewusst. Denn anders als der VfL Waiblingen im Vorjahr, gibt es heuer kein übermächtiges Team, an dem im Tableau kein Weg vorbeiführt.
Viel Lob für Solingen-Gräfrath
Diese Erkenntnis führte sodann auch bei den Solingerinnen dazu, dass in den vergangenen Wochen nicht jede Hürde souverän übersprungen wurde und etwa gegen Berlin, Göppingen oder auch den TuS Lintfort Punkte auf der Strecke blieben. „Für uns geht es aber trotzdem ganz klar um Schadensbegrenzung“, gibt Krause zu, erinnert an das Hinspiel, als der HSV in der Langhanshalle gegen personell arg dezimierte Gastgeberinnen bereits nach einer Viertelstunde mit 10:0 führte, und erklärt: „Solingen ist schon gerechtfertigt Erster. Es ist die beste Mannschaft, die sich in dieser Saison bei uns vorgestellt hat und Kerstin Reckenthäler macht dort hervorragende Arbeit.“
Schadensbegrenzung als oberstes Ziel
Neben Torhüterin Natascha Krückemeier ist das Rückraum-Quartett um Pia Adams, Vanessa Brandt, Lara Karathanassis und Mandy Reinarz das Herz des Solinger Spiels. Trainerin Kerstin Reckenthäler profitiert darüber hinaus – anders als Jürgen Krause – von einem extrem breiten Kader, so dass die SG Schozach-Bottwartal mit Lara Däuble und Natascha Weber zwar die individuell treffsichereren Werferinnen besitzt, Vanessa Brandt – 2021 und 2022 jeweils erfolgreichste Torjägerin der gesamten Liga – und die Teamkolleginnen im Schnitt jedoch über vier Tore pro Spiel mehr erzielen als die SGSB.
Daher geht es am Samstagabend für die Gäste aus Beilstein einzig und allein darum, sich im Westen Nordrhein-Westfalens ordentlich zu verkaufen. „Es wäre utopisch zu sagen: ‚Wir gewinnen‘“, sagt Jürgen Krause und schiebt etwas verhalten hinterher: „Wenn wir mit weniger als zehn verlieren, ist das schon okay.“
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare