Ein Foto mit Symbolcharakter: Adam Schusser bringt seinen Goalie Conner McLeod zu Fall. Die Bayreuth Tigers werden keine Oberliga-Lizenz für die neue Saison beantragen.
Foto: Christiana Kunz
Der größte Vorwurf der Fans an die Verantwortlichen der Heilbronner Falken in dieser Saison: die fehlende Kommunikation. Die Anhänger fühlten sich immer wieder vor den Kopf gestoßen und vor allem ausgeschlossen. Der geschäftsführende Gesellschafter Franz Böllinger hat allerdings auch nichts dafür getan, das Verhältnis zu verbessern. Er verfuhr vielmehr nach dem Vogel-Strauß-Prinzip – er duckte sich weg und hoffte, dass alles Unheil an ihm vorbeigehen würde.
Großer Aufschrei im Netz, gute Kommunikation der Tigers-Verantwortlichen
Wie man Krisenmanagement besser angeht, zeigen die Bayreuth Tigers. Am Samstagvormittag ließen sie die Bombe platzen, dass sie für die neue Saison 2026/27 keine Lizenz für die Oberliga beantragen werden. Es gebe aus Sicht der Geschäftsführung und Gesellschafter keine Möglichkeit mehr, die Erwartungshaltung der Bayreuther Fans zu erfüllen, heißt es in der Mitteilung auf der Tigers-Internetseite.
Der Aufschrei im Netz war daraufhin groß. Unter dem Facebook-Post finden sich 333 Kommentare, 90 Mal wurde er geteilt. Auf die Resonanz reagierten die Tigers-Verantwortlichen, riefen die Fans ausdrücklich dazu auf, Fragen direkt an die Geschäftsführung zu senden. Und nur einen Tag darauf wurden die Fragen, die den Anhängern am meisten unter den Fingern brannten, auf der Homepage des Eishockey-Drittligisten beantwortet.
Parallelen zwischen Heilbronner Falken und Bayreuth Tigers
Besonders interessant ist der Fall der Bayreuth Tigers, weil es einige Parallelen zu den Heilbronner Falken gibt. Die Oberfranken hatten fast genau vor zwei Jahren Insolvenz anmelden müssen. In Bayreuth übernahm damals Peter Roeger als Insolvenzverwalter das Kommando, weshalb er der Wunschkandidat für die Verantwortlichen der Heilbronner Falken für das Insolvenzverfahren der Unterländer war. Bei den Tigers fand Roeger über die Investorensuche, die er vor Kurzem auch in Heilbronn angestoßen hat, Onesto. Das bayerische Softwareunternehmen übernahm die Spielbetriebsgesellschaft und „hat aus dem in der Insolvenz vorgefundenen Scherbenhaufen eine schuldenfreie, liquide und geordnete GmbH aufgebaut, die allen finanziellen Verpflichtungen stets pünktlich und vollständig nachgekommen ist“, wie es in einer Mitteilung heißt. Doch die hohen Investitionen von knapp einer Million Euro in den vergangenen beiden Jahren kann oder will Onesto in Zukunft nicht mehr tragen. Kleinere Brötchen zu backen würden aber wohl die Fans nicht mittragen, sind die Tigers-Verantwortlichen überzeugt. nac
Was zunächst als Schuldzuweisung an die Fans interpretiert werden konnte, wurde relativiert. „Den Fans wird und wurde keine Schuld gegeben“, heißt es. Allerdings sei die Erwartungshaltung in Bayreuth hoch. Ein Team, das wie aktuell nur um die Qualifikation für die Pre-Playoffs kämpft, sei nicht wirklich akzeptiert, so die Einschätzung der Tigers-Verantwortlichen. Und da Investor und Namenssponsor Onesto sein Engagement nicht im bisherigen Ausmaß fortsetzen könne, müssten Saisonziele zukünftig deutlich niedriger angesetzt werden.
Investor Onesto will Engagement zumindest zurückfahren
„Im Wesentlichen müssen die Einnahmen langfristig in der Region erwirtschaftet werden. Das ist auch möglich, jedoch wären mit diesem Geld (Sponsoring plus Zuschauereinnahmen) in den kommenden Jahren mehr Niederlagen zu erwarten, gegen die Top-Teams auch mehr deutliche Niederlagen“, heißt es in dem Statement. „Wir sehen in Bayreuth hierfür aber aus den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahren keine Akzeptanz.“
In der ursprünglichen Mitteilung ist auch von persönlichen Anfeindungen und Beleidigungen die Rede, die ein Ausmaß angenommen hätten, „das wir nicht länger bereit sind auszuhalten“. In den Antworten wird das noch mal etwas konkretisiert: „Jeder Mitarbeiter der Onesto-Gruppe ist zunächst einmal ein Mensch, der respektvoll und fair behandelt werden muss.“
Persönliche Fehler der Tigers-Verantwortlichen werden eingestanden
Auf die angedeuteten eigenen Fehler gehen die Bayreuther Verantwortlichen auch ein. „Sicherlich hätten wir noch mehr kommunizieren können. Denn offensichtlich sind unsere Maßnahmen und Entscheidungen nicht alle richtig bei den Fans angekommen“, heißt es in dem Fragen-Antwort-Text. „Ein weiterer Punkt ist die Zusammenstellung der Mannschaft für diese Saison. Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, einen breiteren Kader aufzustellen und dafür auf den ein oder anderen teuren Spieler zu verzichten, damit die Saison insgesamt ausgeglichener abgelaufen wäre.“
Die Zukunft ist ungewiss. Das Angebot, dem EHC Bayreuth alles für einen symbolischen Euro zu übergeben, hat der Stammverein der Tigers bisher abgelehnt. Dabei hat „Onesto aus dem in der Insolvenz vorgefundenen Scherbenhaufen eine schuldenfreie, liquide und geordnete GmbH aufgebaut“.
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