Region bereitet sich auf den großen Umbruch vor
Wofür wird die Region Heilbronn künftig stehen? Das ist eine Frage, mit der sich derzeit viele Unternehmen, Politiker, Interessensgruppen, sonstige Akteure und auch ganz normale Bürger beschäftigen. Unternehmen können die Zukunft gestalten, wenn sie die Herausforderungen jetzt angehen.

Wird sie noch zu großen Teilen durch die Automobilindustrie geprägt sein? Wird der KI-Innovationspark zusammen mit der Ecole 42 die IT ganz nach vorn bringen? Werden die Weltmarktführer in Hohenlohe und drumherum die Transformation erfolgreich bestehen? Einfache Antworten gibt es auf diese Fragen nicht.
Wir leben in Zeiten des Umbruchs, und Heilbronn-Franken ist davon in ganz besonderer Weise betroffen. Da ist die über mehr als ein Jahrhundert gewachsene Automobilindustrie, die Herausforderungen auf mehreren Ebenen gegenübersteht. Technologisch durch die Umstellung auf die Elektroantriebe, grundsätzlich durch die veränderte Wahrnehmung von Mobilität und letztlich - genau wie fast alle anderen Branchen auch - durch die Digitalisierung und die Anforderungen an klimaneutrales Wirtschaften.
Aus einer Schwäche wurde eine Stärke
Betroffen ist die Region aber auch, weil sie ein Spätzünder ist, was die akademische Ausbildung angeht. Die Hochschule Heilbronn liefert zwar seit Jahrzehnten Nachschub an Ingenieuren, Informatik und Wirtschaftswissenschaften zogen nach. Doch zahlreiche andere Felder blieben unbesetzt.
Der Mangel war immerhin so offensichtlich, dass auch Lokalpatrioten vor Jahren schon keine Hemmungen hatten, den Finger in die Wunde zu legen. So wurden die Weichen rechtzeitig gestellt. Mit der Dualen Hochschule und der Technischen Universität München (TUM) wurden am Standort Heilbronn einige der Lücken geschlossen. Lücken, die den anstehenden Strukturwandel sonst spürbar gebremst hätten.
Neue Biotope entstehen
Dem Weitblick und der Finanzkraft des Unternehmers Dieter Schwarz ist es zu verdanken, dass diese Rahmenbedingungen so schnell und so konsequent verbessert werden konnten. Die Dieter-Schwarz-Stiftung und der von Schwarz ebenfalls großzügig ausgestattete Zukunftsfonds sorgen dafür, dass hier neue Biotope entstehen - für Gründer, für Tech- und Medizintechnikunternehmen, für Forschung und Wissenschaft.
Künstliche Intelligenz ist ein neuer zentraler Baustein
Und jetzt kommt dazu auch noch der KI-Innovationspark. Stuttgart setzt dafür so viel Geld wie seit Jahrzehnten nicht für eine einzelne Innovationsfördermaßnahme. Die Chancen, die dieses Zentrum bieten wird, sind riesig. Andreas Schumm, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken (WHF), sieht in der Künstlichen Intelligenz einen potenziellen Nutzen für fast jedes Industrieunternehmen. "Dazu kommt, dass aus Teileproduzenten hier Systemlieferanten werden", sagt Schumm. "Und so ist eins plus eins mehr als zwei, wenn man das zusammenbringt."
Künftig sind es mindestens drei Themen, für die die Region steht
Im bundesweiten Wettbewerb um Fachkräfte und Unternehmensansiedlung, um Sichtbarkeit haben es Regionen, die von traditioneller Industrie geprägt sind, schwer. Das habe sich nun in der Region Heilbronn geändert, ist Patrick Dufour von der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG) überzeugt.
Zunehmend bringe man Heilbronn und Heilbronn-Franken mit ganz anderen Begriffen in Verbindung als nur mit Automobilindustrie. "Technologisch wird man mit Heilbronn die KI verbinden", sagt Dufour. Das Familienunternehmen sei die vorherrschende Organisationsform, auf die sich auch die TUM spezialisiert hat. "Und was die Energie angeht, so bin ich noch immer überzeugt, dass der Wasserstoff hier eine große Rolle spielen wird."
Statt eines einzigen Alleinstellungsmerkmals wird es künftig also den Dreiklang geben, mit dem die Region für sich werben kann. Dazu gehöre allerdings, betonen die Wirtschaftsförderer, dass auch die Infrastruktur den neuen Anforderungen genügt. Was die Straßen angeht, ist da unter anderem mit der A6 Richtung Osten noch viel zu tun. Der Breitbandausbau hat Fahrt aufgenommen. Das Glasfaserkabel wird in wenigen Jahren die Grundvoraussetzung dafür sein, dass ein Unternehmen die Möglichkeiten, die womöglich vor der eigenen Haustür im KI-Innovationspark entwickelt werden, auch nutzen kann.
Die andere Seite
Auch wenn viele Regionen den Raum Heilbronn um seine dynamische Entwicklung beneiden: Das bedeutet nicht automatisch mehr Wohlstand für jeden einzelnen. Mit den hochqualifizierten Arbeitskräften, die in einem KI-Innovationspark arbeiten werden, steigen auch Mieten und Immobilienpreise. Mit jedem Zuzug wird es enger auf den Straßen. Wie viel Zu- und Ausbau ist möglich? Wie viel Landverbrauch kann sich die Region noch leisten? Auf solche Fragen müssen Politik und Wirtschaft gemeinsam Antworten finden.
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