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Millionendeal mit gefälschter Versicherung: Oedheimer Unternehmer im Fokus

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Mit einer mutmaßlich gefälschten Versicherungspolice über 450 Millionen Euro strebt eine Schweizer Firma angeblich die Übernahme einer kanadisch-amerikanischen Ölfirma an der US-Börse an. Welche Rolle spielt dabei ein Unternehmer aus dem Raum Heilbronn?

Um eine mutmaßlich gefälschte Versicherungspolice kümmern sich derzeit Staatsanwaltschaften in Düsseldorf und Heilbronn. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC ist informiert.
Um eine mutmaßlich gefälschte Versicherungspolice kümmern sich derzeit Staatsanwaltschaften in Düsseldorf und Heilbronn. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC ist informiert.  Foto: dpa

Mutmaßlich gefälschte Unterlagen bringen einen Oedheimer Geschäftsmann in Erklärungsnot. Auf 450 Millionen Euro beläuft sich eine angebliche Versicherungspolice, mit der Zbigniew Roch die Übernahme der kanadisch-amerikanischen Aktiengesellschaft Petroteq Energy Inc. abgesichert haben will.

Allerdings: Die Police ist nach Angaben der ausgebenden Versicherung gefälscht. Damit könnte ein Konstrukt ins Wanken kommen, so dass möglicherweise Tausende Spekulanten und Kleinaktionäre zu Schaden kommen.

Ein vermeintlich attraktives Angebot

Der deutsch-polnische Unternehmer Zbigniew Roch ist ein angesehener Bürger in Oedheim. Er lebt dort seit Mitte der 1990er, als er das Bautzenschloss in der Ortsmitte kaufte. Im Herbst 2021 unterbreitete ein von ihm kontrolliertes Unternehmen aus der Schweiz, die Viston United Swiss AG, den Aktionären der Petroteq ein Übernahmeangebot.

74 Cent bot sie über eine Tochterfirma für jede Aktie. Der Kurs stand wenige Monate zuvor noch bei vier Cent.

Die Frage ist, ob die Viston United Swiss AG in der Lage ist, die für eine Übernahme notwendigen Summen aufzubringen. Auf unsere Anfrage, woher die finanziellen Mittel für die Transaktion stammen, verweist Roch auf seine "Einreichungen" bei den kanadischen und US-amerikanischen Aufsichtsbehörden.

Eine unbekannte Bank als Geldgeber

Als Kreditgeber wird dort eine Bank in London namens Uniexpress ausgewiesen. Sie war in der Vergangenheit in der Türkei im Zusammenhang mit gefälschten Versicherungsdokumenten aufgefallen.

Diesmal garantierte sie zuerst für 420 Millionen Euro, was den eingereichten Angaben zufolge von der Royal Bank of Scotland bestätigt wurde. Die Royal Bank of Scotland erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass sie sich in diesem Zusammenhang nicht äußere.

Ein zentrales Dokument im Übernahmepoker

Anfang Juli reichte Zbigniew Roch dann ein weiteres Dokument bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC ein, das die Kreditwürdigkeit seiner Viston United Swiss AG garantieren sollte: ein Versicherungsdokument der Ergo-Versicherung, das einen möglichen Ausfall von 450 Millionen Euro absichere.

Diese Police ist nach Darstellung der Ergo in Düsseldorf gefälscht. Auf Nachfrage unserer Zeitung verweist Roch lediglich auf zwei Dokumente bei der SEC, darunter exakt die fragliche Ergo-Police.

Ist ein so zentrales Dokument gefälscht, wäre auch ein Übernahmeangebot insgesamt infrage gestellt, wie auch die deutsche Börsenaufsicht Bafin allgemein gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Wenn kein Geld existieren sollte, mit dem die Übernahme finanziert werden kann, dann bestehe der Verdacht, dass von Beginn an keine Absicht bestanden haben könnte, die Übernahme zu vollziehen.

In solchen Fällen geht es dann häufig darum, den Aktienkurs von Firmen zu manipulieren.

Wie hoch der Schaden im Fall von Petroteq wäre, wie viele Geschädigte es gibt, das ist unklar. Auf den einschlägigen Internetforen diskutieren teils mehr als 1000 registrierte Nutzer über die Chancen und Risiken einer Anlage in Petroteq-Aktien, und viele sehen noch immer die Chance, die mit einer Übernahme durch Viston einhergehen würde.

Börsenaufsicht wurde bei Petroteq fündig

Die Petroteq selbst war zuletzt Ziel von Ermittlungen durch die SEC. Der ehemalige Chef wurde wegen Betrugs angeklagt und einigte sich mit den Behörden auf eine Zahlung von 450.000 Dollar. Eine Million Dollar musste Petroteq bezahlen.

Um die Versicherungspolice kümmern sich nun die Staatsanwaltschaften in Düsseldorf und Heilbronn. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC ist informiert. Die Frage ist, ob die Behörden das Dickicht lichten können.

 

 

Lexikon: Pump and Dump

Eine bekannte Art der Börsenmanipulation wird mit "Pump and Dump" umschrieben. Im Visier sind typischerweise gering kapitalisierte Titel, sogenannte Penny Stocks. Der Preis solcher Aktien lässt sich durch verschiedene Maßnahmen künstlich erhöhen, also aufpumpen. Dann trennen sich die Manipulateure von den überbewerteten Aktien, werfen sie weg (engl. dump). Vor allem Kleinaktionäre, die häufig seit langem an das Unternehmen geglaubt haben, bleiben auf der Strecke.

 

Berichterstattung (chronologisch)


17. August 2022 Millionendeal mit gefälschter Versicherung: Oedheimer Unternehmer im Fokus 

17. August 2022 Wirtschaftskrimi um Oedheimer Unternehmer: Die Hintergründe 

18. August 2022 Staatsanwaltschaft Heilbronn ermittelt gegen Unternehmer aus Oedheim

26. August 2022 Dämpfer für Oedheimer Unternehmer bei geplanter Übernahme von Ölfirma

29. August 2022 Geplante Übernahme kanadischer Ölfirma: Viston zieht Angebot für Petroteq zurück

29. November 2022 Die Spur des Geldes im Viston-Petroteq-Deal führt in die Türkei

29. November 2022 Viston und Uniexpress: Der merkwürdige Trick mit geklauten Unterschriften

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