Stimme+
Bad Wimpfen/Berlin
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Lidl und der Kampf um das richtige Flaschensystem

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Auf die Kampagne des Discounters für die eigene Einwegflasche folgt die Antwort der Mehrweg-Allianz. Und bei der EU geht es an neue Verordnungen.

In der Lidl-Deutschland-Zentrale in Bad Wimpfen versucht man Einfluss zu nehmen auf die Diskussion.
In der Lidl-Deutschland-Zentrale in Bad Wimpfen versucht man Einfluss zu nehmen auf die Diskussion.  Foto: Ralf Seidel

Zwischen dem Discounter Lidl und Umweltverbänden ist ein heftiger Zwist entbrannt. Auslöser ist die Lidl-Kampagne für das eigene Einwegflaschensystem mit dem prominenten Botschafter Günther Jauch. Im deutschen Fernsehen war der Spot im April mehr als 1000 Mal zu sehen. "Das hinterlässt auch bei Politikern Eindruck - und zwar den falschen", sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Mit seiner Kampagne macht Lidl Werbung für seine Einweg-PET-Flasche. Die schneide in der Ökobilanz besser ab als Mehrwegsysteme, erklärt Lidl und führt dazu auch eine eigens in Auftrag gegebene Studie an. Zudem komme das eigene System vollständig ohne den Einsatz von Neuplastik aus, es sei also ein 100-Prozent-Kreislauf.

Respekt für das System, Kritik an der Kommunikation

Lidl-Eigenmarke "Saskia"
Lidl-Eigenmarke "Saskia"  Foto: obs/Lidl

"Wir respektieren, dass Lidl das Recycling-Material einsetzt", sagt DUH-Experte Fischer. "Aber welcher Verbraucher liest, worauf sich die Aussagen genau beziehen?" Es bleibe der Eindruck: Einweg ist ökologisch. Und das sei falsch. Richtig ist laut Mehrweg-Allianz, zu der neben der DUH auch Getränkehändler und Brauereien gehören: "Mehrweg ist Klimaschutz."

Unter diesem Motto wurde in dieser Woche ebenfalls eine Kampagne gestartet - allerdings keine gegen Lidl, wie Fischer betont. In der Kampagne heißt es: "Der anhaltende Mehrweg-Boykott von Discountern wie Aldi oder Lidl ist nicht länger hinnehmbar." 20 Cent Einwegabgabe fordert die Allianz deshalb - was auch Lidl treffen würde.


Mehr zum Thema


Mehrweg galt als der Königsweg

In Bad Wimpfen versucht man deshalb ebenfalls Einfluss zu nehmen auf die Diskussion. Schon vor Monaten war bekannt geworden, dass Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) prüft, wie der Mehrweganteil wieder auf die angepeilte Quote von 72 Prozent gehoben werden kann. Auch über eine Mehrweg-Angebotspflicht für den Handel wird offenbar nachgedacht. Die EU plant, ab 2030 eine Mehrwegquote für den Handel von zehn Prozent einzuführen.

Für den Discounter mit Sitz in Bad Wimpfen wären solche Vorgaben ein harter Schlag. 200 Millionen Euro hat Lidl in den Aufbau seines Recycling-Systems investiert und vieles optimiert - etwa das Gewicht der PET-Flasche von 38 auf 24,5 Gramm gesenkt.


Mehr zum Thema

Geht oft nicht mehr ganz ab: der Verschluss von Einweg-PET-Flaschen.
Stimme+
Mehrweg
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Lidl und die Kritik an der "100-Prozent-Kreislaufflasche"


Der Discounter betont deshalb, ausschlaggebend für alle politischen Vorgaben müsse die Ökobilanz sein. Bei einer Mehrweg-Pflicht müsste schließlich parallel ein zweites System unterhalten werden. Für DUH-Experte Fischer ist das kein Argument. "Lidl hätte in ein Mehrweg-System investieren können, hat sich aber dagegen entschieden."

Diskussion bei der EU

Im EU-Parlament wird derzeit die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle verhandelt. "Dabei steht für uns außer Frage, dass die Wiederverwendung von Produkten immer höher einzustufen ist als ein Recycling", erklärt der grüne EU-Abgeordnete Malte Gallée gegenüber unserer Redaktion. Dazu komme: "Mehrwegsysteme sind in der Regel regional." Lidl dagegen schaffe ein System für weite Transportwege. Da könnten kleinere Händler nicht mithalten.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben