Einigkeit unter Experten: Der Arbeitsmarkt verändert sich in drastischer Geschwindigkeit
Wie Unternehmen mit dem Arbeitskräftemangel umgehen war Thema beim TUM Talk auf dem Bildungscampus. Es diskutierten unter anderem Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf und SAP-Personalchefin Angela Todisco. Was bleibt, ist ein frommer Wunsch.

Es gibt derzeit kaum eine Branche, die nicht über fehlende Fachkräfte klagt. Beim diesjährigen TUM Talk in Heilbronn diskutierten Personalverantwortliche und der Gesamtmetall-Präsident über Lösungsmöglichkeiten.
Zum vierten Mal veranstaltete die TUM-Dependance in Heilbronn den Netzwerkabend für Wirtschaft und Wissenschaft. Trotz des drängenden Themas blieben allerdings viele Plätze in der Aula des Bildungscampus leer.
Der Arbeitsmarkt verändert sich in drastischer Geschwindigkeit
Einigkeit herrschte darüber, dass Unternehmen attraktivere Arbeitgeber werden müssen. Mit flexiblen Arbeitsmodellen, flachen Hierarchien und neuen Anreizsystemen wollen sie Fachkräfte finden und an sich binden.
Doch wie geht man mit den schnell voranschreitenden Veränderungen um? Die SAP-Personalverantwortliche für Süd- und Zentraleuropa, Angela Todisco, erklärte, es sei "eine Mär", dass die Sicherheit größer sei, wenn alles gleich bleibt. "Wer fährt denn ein 30 Jahre altes Auto oder nutzt ein Nicht-Smartphone?" Der Wandel sei derzeit nur etwas drastischer als zuvor.
Höhere Anforderungen an die Mitarbeiter

Unternehmen wie auch Mitarbeiter müssen damit umgehen. "Veränderungsbereitschaft ist nichts, was wir in eine Stellenanzeige schreiben", sagte Jutta Balletshofer von Organon, einem Spin-off des US-Pharmaunternehmens Merck. Doch klar sei auch, dass die Weiterbildung der Mitarbeiter ein zentrales Thema ist.
Das betonte auch Roland Hehn, der die Personalstrategie für die Schwarz-Gruppe mitentwickelt hat. Künstliche Intelligenz könne auch hier eine wichtige Rolle spielen, etwa um die Stärken und Talente von Bewerbern und Mitarbeitern herauszufinden und weiterzuentwickeln.
Das Potenzial von KI und insbesondere von ChatGPT im Bewerbungsprozess hatte zuvor bereits Johannes Gölz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Center for Digital Transformation der TUM in Heilbronn, in einem Impulsvortrag illustriert.
Er zeigte, wie das Diagramm eines Bewerbungsprozesses von ChatGPT visuell erkannt und verarbeitet werden kann, anschließend analysiert und optimiert wird. Zudem könne das Sprachmodell helfen, Kommunikation zielgerichtet für bestimmte Gruppen im Unternehmen formulieren zu lassen.
All diese Ansätze werden allerdings nicht dazu führen, dass sich die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte insgesamt erhöht. Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf betonte zudem, dass Flexibilität im produzierenden Gewerbe nicht in ähnlichem Maße möglich sei wie bei vielen anderen Berufen. Zudem forderte er von der Politik mehr Geld, um die Veränderungsprozesse zu ermöglichen. Und man brauche mehr Frauen in der Arbeitswelt.
KI sollte man richtig einschätzen
Etwas kaltes Wasser auf den überhitzten KI-Hype gießen wollte Chris Russel, Dieter Schwarz Associate Professor an der Universität Oxford. "Viele Menschen verstehen noch nicht, was für eine KI schwer und was für sie leicht ist." Er wie auch weitere Redner an diesem Abend betonten, dass KI nicht einfach die Lücken füllen werde, die durch den Arbeitskräftemangel entstehen.
Das Thema sei verzwickt - "daher etwas Wunderbares für Wissenschaftler, weil wir so gerne ganz differenziert hinschauen", fasste Moderator Helmut Kcrmar, Wirtschaftsinformatiker und Standortchef des TUM Campus Heilbronn, zusammen. Er wünschte sich aber, "dass alles, was wir in der Fachkräftestrategie der Bundesregierung lesen, wahr wird und wir darüber so glücklich sind, dass sich die Geburtenrate erhöht und wir in 20 Jahren keine Probleme mehr haben."
Die Heilbronner Uni präsentiert sich
Der TUM Talk hat sich in den vergangenen Jahren zum jährlichen Empfang der TU München in Heilbronn entwickelt. Hier kommen Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter aus der Region in Kontakt, hier präsentiert die bayerische Uni ihre Entwicklung. So wurden an dem Abend alle Heilbronner TUM-Professoren begrüßt. 14 sind es bereits, weitere drei folgen demnächst. Die Zahl der Studierenden am Standort liegt inzwischen bei 650. Finanziert wird der TUM Campus Heilbronn zum Großteil durch die Dieter-Schwarz-Stiftung, die seit 2018 32 Professuren in Heilbronn gestiftet hat.
Kommentare öffnen




Stimme.de
Kommentare