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Trumpf mit Rekordzahlen – Chefin sieht sich dennoch von Habeck-Politik ausgebremst

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Lasermaschinen-Spezialist setzt 100 Jahre nach Gründung mehr als fünf Milliarden Euro um. Eine klare Meinung hat Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller zur Vier-Tage-Woche.

Mit diesem spektakulären Laser sorgte Trumpf zum 100. Firmengeburtstag nicht nur in Ditzingen für große Aufmerksamkeit, sondern auch weit darüber hinaus.
Mit diesem spektakulären Laser sorgte Trumpf zum 100. Firmengeburtstag nicht nur in Ditzingen für große Aufmerksamkeit, sondern auch weit darüber hinaus.  Foto: Trumpf

Der Lasertechnikspezialist Trumpf hat im 100. Jahr seines Bestehens ein Rekordjahr eingefahren. Der Ausblick auf das nächste Geschäftsjahr fällt allerdings verhalten aus.

Das Ditzinger Hightech-Unternehmen steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2022/23 (30. Juni) um 27 Prozent auf 5,37 Milliarden Euro. Damit knackte Trumpf erstmals die Umsatzmarke von fünf Milliarden Euro. Vorstandsvorsitzende Nicola Leibinger-Kammüller begründete diesen starken Zuwachs mit dem Aufschwung nach der Corona-Pandemie sowie dem Abarbeiten des prall gefüllten Auftragsbuches.

 


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Trumpf geht mit Rekordzahlen aus dem Jubiläumsjahr

Der Auftragseingang lag mit 5,1 Milliarden Euro allerdings deutlich hinter den 5,6 Milliarden Euro aus dem Vorjahr. "Seit dem Frühjahr spüren wir einen Auftragsrückgang", sagte Leibinger-Kammüller bei der hybriden Bilanzpressekonferenz in Ditzingen.

Einen Rekordwert verbucht Trumpf auch beim Gewinn. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 31,4 Prozent auf 615 Millionen Euro, die Rendite stieg von 11,1 auf 11,5 Prozent. "Das ist ein hervorragendes Ergebnis" betonte die Trumpf-Chefin. Das Familienunternehmen beschäftigte Ende Juni 18.352 Mitarbeiter, das sind 2000 mehr als im Vorjahr.

In Deutschland arbeiten 9124 Männer und Frauen für Trumpf, davon 5767 am Stammsitz in Ditzingen sowie in Gerlingen und Hettingen. Die Mitarbeiter profitieren vom Unternehmenserfolg in Form einer Prämie in Höhe von 3750 Euro.

 


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USA nun klar stärkster Einzelmarkt

Die USA waren mit einem Umsatz von 899 Millionen Euro der stärkste Einzelmarkt des Laserspezialisten, hier wuchs Trumpf um knapp 43 Prozent. Deutschland steuerte 779 Millionen Euro zu den Erlösen bei, Asien 1,16 Milliarden Euro, davon entfallen 602 Millionen Euro auf China. Auch in West- und Osteuropa habe man zugelegt, sagte Leibinger-Kammüller.

Von den Geschäftsfeldern hatte der Werkzeugmaschinenbereich mit drei Milliarden Euro (plus 32,8 Prozent) den größten Anteil am Umsatz, die Lasertechnik steuerte 2,1 Milliarden Euro (plus 28 Prozent) bei. Auf die EUV-Technologie, die bei der Herstellung von Mikrochips eine wichtige Rolle spielt, entfallen 971 Millionen Euro (plus 22,2 Prozent).

Investitionen in die Zukunftsfähigkeit

Im abgelaufenen Geschäftsjahr investierte das Unternehmen so viel wie nie zuvor in Forschung und Entwicklung. Die Aufwendungen stiegen von 448 auf 476 Millionen Euro. Die sonstigen Investitionen in Grundstücke, Gebäude, technische Anlagen und Betriebsausstattung stiegen um 44,7 Prozent auf 316 Millionen Euro.

 


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Fast die Hälfte dieser Summe floss in den Stammsitz in Ditzingen. Die Rekordjagd wird sich Leibinger-Kammüller zufolge aber nicht fortsetzen. "Ich blicke sehr verhalten auf die kommenden Monate", sagte die Unternehmenschefin. Sie erwartet angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen im laufenden Geschäftsjahr "maximal" ein Umsatzwachstum im einstelligen Bereich.

Unverständnis für die Wirtschaftspolitik im Hause Habeck

Gebremst wird die Entwicklung von Trumpf auch von der Politik. Dem Bundeswirtschaftsministerium warf Leibinger-Kammüller vor, dringend benötigte Exportgenehmigungen nach China gar nicht oder nur sehr zögerlich zu erteilen.

"Das kann keine Antwort eines Ministeriums sein, dessen vornehmste Aufgabe es ist, deutsche Unternehmen in einer ohnehin schwierigen konjunkturellen Situation nach Kräften zu unterstützen", sagte die Trumpf-Chefin.

Kein Verständnis hat Leibinger-Kammüller für die Debatte über die Einführung einer Vier-Tage-Woche. "Wir arbeiten jetzt schon im internationalen Vergleich sehr wenig", daher wäre die Vier-Tage-Woche ein falsches Signal. "Wir brauchen stattdessen mehr Fantasie für die Gestaltung flexibler Arbeitszeiten", sagte die Trumpf-Chefin.

Was bietet das Unternehmen

Trumpf bietet Fertigungslösungen in den Bereichen Werkzeugmaschinen und Lasertechnik. Die digitale Vernetzung der Industrie treibt das Unternehmen durch Beratung, Plattform- und Softwareangebote voran. Mit mehr als 80 Gesellschaften ist Trumpf in fast allen europäischen Ländern, in Nord- und Südamerika sowie in Asien vertreten. Produktionsstandorte befinden sich in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und der Schweiz, in Polen, Tschechien, den USA, Mexiko und China.

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