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Investor Carsten Maschmeyer: "Enorme unternehmerische Lebensleistung von Dieter Schwarz"

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Investor Carsten Maschmeyer über die Lage in der Gründerszene, seine Bilanz von "Höhle der Löwen" und seine Verbindungen zu Heilbronn, die über die Start-up-Konferenz Slush'd hinausgehen.

Die Heilbronn Slush'D: Dieses Jahr mit Investor Carsten Maschmeyer.
Die Heilbronn Slush'D: Dieses Jahr mit Investor Carsten Maschmeyer.  Foto: Mario Berger

Er ist Star-Investor und Fernseh-Star, er ist mit einer Prominenten verheiratet, nicht unumstrittener Unternehmer, Buchautor und wird auf ein Milliardenvermögen geschätzt. Auf der Startup-Konferenz Slush'd war Carsten Maschmeyer folglich einer der begehrtesten Teilnehmer. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Jeder kennt Sie aus dem Fernsehen mit der Sendung "Höhle der Löwen". Was treibt seinen solchen Star-Investor nach Heilbronn?

Carsten Maschmeyer: Vielen Dank für die Lorbeeren. Aber Heilbronn hat auch Lorbeeren verdient. Was hier entsteht – der Campus, das KI-Zentrum, die 42 Heilbronn und natürlich Slush'd –, das ist toll. Ein riesen Event, super Speaker. Und da gehören wir Investoren hin.



Was haben Sie bislang mit Heilbronn verbunden?

Maschmeyer: Natürlich die enorme unternehmerische, weltweit beachtete Lebensleistung von Dieter Schwarz. Seine ganzen Aktivitäten mit der Stiftung. Und für mich ist es vor allem die 42 Heilbronn, wo ich auch im Beirat bin.

 

Nun ist hier ja auch eine eigene Investorenszene aktiv, mit dem Zukunftsfonds, den Campus Founders und einigen mehr. Haben solche regionalen Netzwerke nicht Vorteile gegenüber Externen?

Maschmeyer: In der Frühphasigkeit ist dies für Gründer gut – kurze Wege, gute Kommunikation zu Verwaltung, Politik, Investoren, Gründern, Hochschule. In einer späteren Phase braucht man vielleicht internationale Investoren, so dass wir gar nicht Wettbewerber sind, sondern uns komplementär ergänzen, vor allem in der Phasigkeit.


Welche Branchen sind für Sie besonders interessant?

Maschmeyer: Fintech, Insure Tech – es wurde in der Finanzwelt so viel verschlafen-, Klima, dann die ganze Verfolgung der Daten. Ich liebe davon alles, auch die Techniken Big Data, Data Analytics, KI.


Was waren am Anfang die Branchen, für die Sie sich interessierten? War das immer schon Tech gewesen?

Maschmeyer: Ja, aber eher E-Commerce. Das war ja die Welle, als ich vor 13, 14 Jahren anfing, quasi die Geschäfte ins Internet zu bringen. Und heute ist es eher B2B-Software. Ich liebe es, wenn Unternehmen Software nutzen und diese wiederkehrenden Umsätze generieren. Dann weiß ich im Januar schon, dass sehr viel Umsatz auch in diesem Jahr kommt.


Hat "Die Höhe der Löwen" das Interesse am Gründen und die Praxis des Venture Capital befördert?

Maschmeyer: Ja, enorm. Wir haben immer mehr junge Menschen, die die Sendung schauen, die sich selbstständig machen wollen und die sagen: Ich will Erfinder werden, ich will mal irgendwann zu den Löwen. Wir bringen Betriebswirtschaft und Gründungskunde ins Wohnzimmer. Kleine Kinder lernen auf einmal Prozentrechnung. Und das ist Zukunftsunterricht. Es ist ja ein Zukunftsupgrade, was die Menschen jeden Montag sehen können.

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Lohnt sich dieses Engagement?

Maschmeyer: Wir sehen Dinge, an die wir vielleicht sonst gar nicht rangekommen wären. Und wenn wir dann investieren, ist das gleich vor einem Millionenpublikum. Das heißt: Die haben sofort riesige Nutzerzahlen. Bei Finanzguru zum Beispiel: Die hatten fünf- oder zehntausend User - und sie hatten eine Woche nach der Ausstrahlung 250.000 zahlende Kunden.


Welches Investment hat Sie am meisten erfreut?

Maschmeyer: Presize AI. Die Damen kennen das: Sie gehen in eine Boutique und dann heißt es, das ist ein italienischer Print, da müssen Sie 38 nehmen, und da müssen Sie das nehmen, das fällt kleiner aus. Und dann frage ich: Warum schreibt ihr das nicht drauf? Und diese Gründer sagten: Smartphone nehmen, einmal im Kreis drehen und dann schlägt die Software vor, welcher Print, welche Größe. Eines Tages bekamen die eine Spam-Nachricht von einer Firma Meta. Und dann wieder eine Spam-Nachricht. Und dann hat Meta Presize AI gekauft. Das war das erste Mal, dass ein Höhle-der-Löwen-Startup von einem Tech-Giganten gekauft wurde. Eine Riesenerfolgsgeschichte für das Geschäftsmodell, für die Gründer, aber auch für uns Investoren.


Und welches Investment haben Sie am meisten bereut?

Maschmeyer: Ich habe hinten keine Augen. Ich bereue wenig Investments. Ich führe auch kein Anti-Portfolio, wo ich jetzt sage: Den Deal habe ich nicht gemacht, der hat sich aber seitdem so gut entwickelt. Ich gucke nur nach vorne, kümmere mich um die Gewinner, um die besten Gründer, und versuche, ihnen zu helfen, erfolgreicher zu werden.


Welche Chancen geben Sie dieser Sendung noch?

Maschmeyer: Das ist eine Riesenerfolgsendung. Wir sind regelmäßig Quotensieger, Marktführer in der werberelevanten Zielgruppe, schlagen "Wer wird Millionär?" fast jeden Montag. Die Menschen sehen die Zukunftsprodukte, Techniken der Zukunft. Und die Zuschauer nehmen ja verschiedene Rollen ein. Am Anfang überlegen Sie: Würde ich der oder dem Geld geben? Dann: Wie würde ich die runterverhandeln? Und manchmal sind ja mehrere Löwen an einem Startup interessiert. Dann dreht das ja, dann sind die Zuschauer in der Rolle: Welchen Löwen würde ich jetzt aussuchen? Und ich habe, das können wir offen sagen, einen riesen Dealflow. Es gibt kein Gründungsteam in Deutschland, das nicht die Löwen kennt und die weiß: Für Youtube-Produkte schreibt man Judith Williams an oder wenn es ins Regal soll, dann sind es Ralf Dümmel oder Tillmann. Und wenn es um App Tech und Deep Tech geht, dann kommen die Dinge zu mir.


Das heißt, Ihr Erfolg reicht weit über die Sendung hinaus?

Maschmeyer: Wir bekommen viele, viele 1000 Deals pro Jahr vorgeschlagen. Wir haben im letzten Jahr 13 000 Startups gesichtet. Wir nutzen künstliche Intelligenz, damit uns keine Gründung, kein Handelsregistereintrag, nichts aus der Gründerszene oder aus Crunchbase verloren geht. Und so haben wir im letzten Jahr in Europa ungefähr 35 Deals gemacht.


Und worauf läuft es dieses Jahr hinaus?

Maschmeyer: Wir haben in diesem Jahr insgesamt weniger Deals gemacht. Es ist etwas Startup-Winter. Manche Gründer versuchen, keine Finanzierungsrunde zu machen mit neuen Investoren. Sie machen Bestands-Investments, mit den Alt-Investoren eine Bridge oder Wandeldarlehen oder sogar Venture Debt. Sie wollen nicht zu niedrigeren Bewertungen jetzt eine Runde machen. Aber es fängt an, dass der Startup-Winter zum Ende kommt. Und nach jedem Winter kommt ein Frühling und dann ein Sommer.


Und warum hatten wir diesen Startup-Winter?

Maschmeyer: Seit Lehman ging es nur aufwärts. 13 Jahre lang galt: Aktien teurer, Immobilien teurer, Gold teurer, Kunst, Oldtimer - alles wurde teurer, und auch Startups. Wir haben Privatinvestoren gehabt, die sich nie hätten vorstellen können, in winzige Startups zu investieren, die aber gesagt haben: Bevor ich ein halbes Prozent Strafzinsen zahle, investiere sogar in ein Startup. Und dann kam der Giftcocktail, begonnen mit dem Ukraine Krieg, Lieferkettenprobleme, die enorme Inflation mit einem Zinsanstieg - auf einmal sind die Refinanzierungskosten für die Investoren sehr hoch. Jetzt sagen sich einige: Ich habe doch bei der Bank sichere vier Prozent, was soll ich jetzt unsichere zehn Prozent nehmen? Große Investoren müssen reallokieren, weil ihre Immobilien oder Aktien weniger wert sind. Dann haben sie auf einmal ihr Startup-Portfolio übergewichtet, dürfen das aber laut ihren Satzungen nicht. Für uns Investoren sind das goldene Zeiten, denn wir kommen jetzt günstiger an Startups, und das zu investorenfreundlicheren Konditionen.


Was muss sich in Deutschland ändern, um ein Startup-freundlicheres Klima zu schaffen?

Maschmeyer: Wir müssen in Deutschland die Bürokratie abbauen. Ich habe Flüchtlinge aus der Ukraine unterstützt, die zwar enorm dankbar sind für die Hilfe in Deutschland, die aber sagen: Wie weit ihr mit den digitalen Prozessen seid... in der Ukraine kann man den Pass, den Führerschein, alles digital beantragen. Sie sagen, bei uns wird ja noch abgeheftet und gelocht, und dann geht einer mit dem Ordner woanders hin. Zweitens: Der Staat fällt als Kunde aus. Wir wollen den Standort Deutschland stärken, aber die Verwaltungsprozesse werden nicht Startups anvertraut, sondern wir machen das bürokratisch analog weiter. Und das Dritte ist: Die ganze steuerliche Attraktivität von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen ist nicht auf internationalem Standard. Jemand, der remote arbeitet und in Lissabon leben möchte und sich fragt: Arbeite ich für ein Startup in München oder in London? - Er wird aus steuerlichen Gründen London wählen...

Wie Carsten Maschmeyer KI einsetzt

Die Maschmeyer Group benutzt KI wir vor allem für die Suche in Datenquellen wie Handelsregister und Crunchbase. 15.000 Startups landen so pro Jahr in ihrem "System", berichtet ein Sprecher. Die KI filtert auch aus. Zum einen werden Standard-KI-Algorithmen unter anderem von Open AI eingesetzt, aber auch selbst entwickelte Deep-Learning-Modelle - letztere, um die Ergebnisse auf die Bedürfnisse der Maschmeyer Group zuzuschneiden. Nachdem die KI tätig war, landen noch etwa 2000 Fälle beim Team. Ab da sei keine künstliche Intelligenz tätig, sondern Menschen.

 
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