Ärzteverband ruft Mediziner dazu auf, ihre Kassenzulassung zurückzugeben
Der Verband Virchowbund hat sogar dazu aufgerufen, dass Ärzte ihre Kassenzulassung teilweise zurückgeben. Auch Sprechzeiten könnten reduziert werden. Die Bedarfsplanung für Arztsitze gibt den tatsächlichen Bedarf häufig gar nicht wider.

Der Ärzteverband Virchowbund hat die deutschen Praxisärzte aufgefordert, "ihr Leistungsangebot an die politischen und wirtschaftlichen Realitäten anzupassen", wie es in einer Mitteilung heißt. "Angesichts des wirtschaftlichen Drucks, der chronischen Unterfinanzierung des ambulanten Bereiches und des Fachkräftemangels stehen die Praxisärzte vor einer Zeitenwende. Unbegrenzte Leistungen bei budgetierten Mitteln kann es nicht weiter geben", wird der Bundesvorsitzende Dirk Heinrich zitiert.
Für Patienten drohen Leistungskürzungen und längere Wartezeiten
Für die Patienten werde das Leistungskürzungen und Wartezeiten zur Folge haben: "Die Politik von Gesundheitsminister Lauterbach zwingt uns dazu", so Heinrich weiter. Der Virchowbund hat angekündigt, seine Mitglieder in "unternehmerischen Handlungsoptionen zu schulen": Diese reichten von der Reduktion der Sprechzeiten bis zur teilweisen Rückgabe der Kassenzulassung.
Von der Kassenärztlichen Vereinigung im Land (KVBW) heißt es dazu, solch einen Aufruf könne man als Organisation der Kassenärzte natürlich nicht machen. Die Budgetierung fachärztlicher Leistungen sei jedoch "seit vielen Jahren ein Ärgernis". Diese führe unter Umständen dazu, dass Ärzte am Monatsende Behandlungen aus eigener Tasche bezahlen müssten, weil ihr Budget ausgeschöpft ist – oder dass sie nur noch Notfälle behandelten.
Budgetierung ist Ärztevertretern ein Dorn im Auge
Ärztliche Leistungen seien eben nicht "unbegrenzt verfügbar. Da wird von der Politik ein Zustand suggeriert, der so nicht da ist", sagt KVBW-Sprecher Kai Sonntag. Hausärzte in Baden-Württemberg sind von der Budgetierung ausgenommen, Kinderärzte seit diesem Jahr ebenfalls, ihnen würden alle Leistungen vergütet, erklärt er.
Aus Verbrauchersicht sei es zwar besser, wenn ein Arzt nur privat behandele, wenn er ansonsten halbherzig gegenüber Kassenpatienten handle, sagt Peter Grieble, Leiter des Bereichs Versicherung und Gesundheit bei der Verbraucherzentrale im Land. Das Problem sei der Ärztemangel: "Je mehr Wettbewerb es gibt, desto besser ist das für die Patienten." Auch an manchen Orten in der Region wird es immer schwieriger, die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten. Die sogenannte ärztliche Bedarfsplanung spiegelt dabei den tatsächlichen Bedarf nicht immer wider.
Die Planungszahlen passen oft nicht zum tatsächlichen Bedarf
Die Sitze für Hausärzte werden in Mittelgebieten geplant, diese Einheiten sind kleiner als Landkreise. In den Planungsgebieten Heilbronn, Öhringen und Neckarsulm gibt es weniger Ärzte als Sitze. Nur im Bezirk Künzelsau sind die vorgesehenen 35 Plätze erreicht – 38 Hausärzte sind dort niedergelassen. Allerdings werden auch in diesem Bereich noch Hausärzte gesucht. "Die Bedarfsplanung lässt rechnerisch einen Versorgungsgrad von 110 Prozent zu, bevor ein Bereich als überversorgt gilt und damit für Neuzulassungen gesperrt ist", schreibt Sonntag.
Die Versorgung mit Fachärzten wird für die Stadt- und Landkreise gemeinsam geplant. Auch wenn in der Stadt (12,5 Sitze bei vorgesehenen 11,5) und im Landkreis Heilbronn (23,5 Sitze bei geplanten 22,5) die Plätze für Kinder- und Jugendärzte formell über 100 Prozent besetzt sind, sind Stellen offen – wie im Hohenlohekreis (7 Sitze besetzt, vorgesehen 7,5). Und viele Eltern suchen verzweifelt nach einem Arzt für ihr Kind. Die Planungszahlen seien erst vor wenigen Tagen angepasst worden, so Sonntag. Die nächste Überarbeitung sei für das Frühjahr geplant.
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