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Medizinische Grundversorgung: So wird die Verteilung der Ärzte geplant

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Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) bestimmt über Arztsitze. "Die Zahlen werden wahrscheinlich sinken", sagt dessen Sprecher zur nächsten Bedarfsplanung für die Region.

Volle Wartezimmer in den Arztpraxen im Land sind keine Seltenheit: In fast allen Planungsbezirken werden die Quoten für die Hausarzt-Versorgung nicht erfüllt.
Volle Wartezimmer in den Arztpraxen im Land sind keine Seltenheit: In fast allen Planungsbezirken werden die Quoten für die Hausarzt-Versorgung nicht erfüllt.  Foto: Patrick Pleul

"Die Zahlen werden wahrscheinlich sinken", sagt Kai Sonntag von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) zur nächsten Überarbeitung der Bedarfsplanung für die Arztsitze in der Region. Die sei für das Frühjahr geplant. Wo bereits Ärzte gesucht werden, wird die Situation deswegen wohl noch prekärer werden.

In vielen Regionen sind die Sitze der kassenärztlichen Bedarfsplanung jetzt schon nicht voll besetzt. Auch in den Regionen, in denen nach der Bedarfsplanung, die hierzulande die KVBW übernimmt, die Plätze voll sind, klagen die Menschen darüber, dass sie keinen behandelnden Arzt finden oder zu lange auf Termine warten müssen – nicht nur in ländlichen Gebieten, auch in städtischen.

 


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Bezirksgröße je nach Spezialisierung

Doch wie werden die Sitze geplant? Die Bereiche, in denen die kassenärztlichen Sitze verteilt werden, hängen von den Fachgebieten ab: Sitze für Hausärzte werden im Land in Mittelbereichen vergeben, das sind kleinere Einheiten als Landkreise: Zum Bezirk Künzelsau gehört beispielsweise der Norden des Hohenlohekreises, zum Bezirk Heilbronn gehört die Stadt, der Westen und der Süden des Kreises.

Die Bedarfsplanung der Fachärzte bezieht sich auf größere Einheiten: Stadt- und Landkreise für allgemeine Fachärzte, wie Hautärzte, Augenärzte oder Kinder- und Jugendärzte. Die "spezialisierte fachärztliche Versorgung", etwa mit Anästhesisten, Radiologen und Jugend- und Kinderpsychiatern wird auf regionaler Ebene geplant. Heilbronn-Franken ist zum Beispiel laut KVBW mit Anästhesisten überversorgt. Die "gesonderte fachärztliche Versorgung", zu der zum Beispiel Nuklearmediziner und Humangenetiker gehören, wird für das ganze Land geplant.

 


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Patientenvertreter sehen keine Alternative

Für die Planung gibt der sogenannte Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die Grundlagen. Dabei werden Alter, Geschlecht und Krankheitslast berücksichtigt, sagt Ann Marini, Sprecherin des GBA: Es fließe mit ein, wenn Einwohner bestimmter Gegenden kränker sind als der Bundesdurchschnitt. Die regionale Planung übernimmt in Baden-Württemberg die KVBW. Diese Gremien haben "maximale Flexibilität, um auf lokale oder regionale Besonderheiten zu reagieren", betont Marini.

Der Bundesverband der Verbraucherzentrale darf als Patientenvertretung Mitglieder in den GBA entsenden. Auf die Frage, ob eine Änderung oder Ablösung des Verfahrens gefordert werde, will eine Sprecherin keine Aussage treffen. Auch Ann Marini sagt, derzeit seien keine derartigen Äußerungen bekannt. "Sie würden jedoch in die Beratungen des GBA mit einfließen, denn die Patientenvertretung hat sowohl Antrags- als auch Mitberatungsrecht."

Die Form der Planung sei aus Sicht der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vertretbar, sagt Peter Grieble, Leiter der Abteilung Versicherung, Pflege und Gesundheit. "Es ist nicht nötig, dass ich jeden Facharzt fußläufig erreichen muss." Das Problem sei der allgemeine Ärztemangel, der die Ursache für viele Beschwerden der Verbraucher sei.

Er spiegelt sich auch auf der Seite der KVBW wieder. Dort werden aktuelle Stellenanzeigen für Ärzte eingetragen: Demnach suchten am 18. Oktober im Bereich Künzelsau (mit 35 geplanten Plätzen) fünf Hausärzte, in Heilbronn (mit 221 geplanten Sitzen) zwölf Hausärzte Nachfolger oder Partner für ihre Praxen.

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