Medizinische Versorgung: Der Virchowbund kippt Öl ins Feuer
Die Aufforderung des Ärztebundes, wirtschaftlicher zu Arbeiten, macht Medizin zur Sache für Reiche, meint unser Autor.
Der Ärztemangel ist offenkundig. Nicht nur, weil landauf, landab Patienten klagen, dass sie keine Termine bekommen – selbst wenn sie große Unsicherheit über ihren gesundheitlichen Zustand haben. Manchmal ist es noch schlimmer: Sie finden keinen Arzt, der sie aufnimmt. Ein Grund ist, dass Ärzte unter der Vielzahl an Patienten und Anfragen ächzen. Manche ziehen sich schon zurück: Sie sind nur über Anrufbeantworter oder in der Praxis erreichbar. Denn jeder Anruf und jede E-Mail kostet Zeit. Manche nehmen keine Patienten mehr auf, auch wenn die Arbeit dadurch nur auf andere Ärzte verschoben wird.
Medizinische Versorgung muss mehr wertgeschätzt werden
Der Bund hat das Feuer geschürt, als er die Neupatientenregelung gestrichen hat – eine Vergütung für Mehrarbeit, die durch die Aufnahme eines neuen Patienten entsteht. Sicher, medizinische und bürokratische Arbeit, die zum Arztberuf gehören, müssen in der Gesellschaft höher wertgeschätzt werden: Nicht wegen jedem Schnupfen muss man zum Doktor gehen, der einem auch nur sagt, dass Ruhe und Teetrinken die beste Medizin sind. Aber die Aufforderung, kassenärztliche Angebote zurückzuschrauben, kann keine Lösung sein. Das macht ärztliche Versorgung zu einer Sache der Reichen und bedeutet, Öl in das Feuer zu gießen: Die Situation wird nur schlimmer.
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