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Lidl verkauft Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern bald tütenweise

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Obst und Gemüse mit kleinen Mängeln soll nicht mehr in der Mülltonne, sondern im Einkaufswagen landen. Ab April führt der Neckarsulmer Discounter Lidl dafür schrittweise die "Rettertüte" ein. Sie soll Lebensmittel retten und gleichzeitig einen Rabatt bieten.

In "Rettertüten" verkauft Lidl ab April nicht ganz perfektes Obst und Gemüse. Elisabeth Koep, Leiterin Nachhaltigkeit, stellte sie vor.
In "Rettertüten" verkauft Lidl ab April nicht ganz perfektes Obst und Gemüse. Elisabeth Koep, Leiterin Nachhaltigkeit, stellte sie vor.  Foto: Berger, Mario

Zu Hause würde wohl niemand einen Apfel wegen einer kleinen Delle wegwerfen. Im Handel erwarten Kunden aber meist formschöne Früchte ohne jeden Makel. Damit auch nicht ganz perfektes Obst und Gemüse im Einkaufswagen landet, bietet Lidl bald eine sogenannte "Rettertüte" an. Sie enthält drei bis fünf Kilo Obst und Gemüse, das wegen kleiner optischer Mängel aussortiert wurde. "Die Produkte haben immer noch eine sehr gute Qualität, sind aber optisch nicht immer perfekt", sagt Elisabeth Koep, Leiterin des Bereichs Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit bei Lidl Deutschland, die das Konzept bei einem Filialrundgang vorstellt.

Was das bedeutet, zeigt sie an einer Fenchelknolle, die in eine der Tüten gepackt wurde: Die Blätter hängen etwas herab, die weiße Haut ist stellenweise leicht schrumpelig. "Zum Kochen zu Hause würde ich sie natürlich benutzen", sagt Koep.

 


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Weil mehrmals täglich aussortiert wird, gleicht keine Tüte der anderen

Mehrmals täglich wird beim Obst und Gemüse aussortiert. Alles, was nicht den Qualitätskriterien entspricht, kann in der Tüte landen: Bananen mit braunen Stellen, schrumpelige Gurken, Obst mit Druckstellen. Der Inhalte der Tüte variiert demnach. Koep vermutet, dass das Angebot ankommt. "Immer mehr unserer Kunden haben ein starkes Bewusstsein für Nachhaltigkeit." Der Preis von drei Euro sei für die Waren gerechtfertigt und dennoch ein guter Rabatt. Zu finden sind die "Rettertüten" in einem gesonderten Aufsteller am Rande der Obst- und Gemüse-Abteilung.

Im mittleren Fach des Aufstellers liegen Tüten mit Brot und Brötchen vom Vortag, sie werden zum halben Preis verkauft. Damit es gar nicht erst dort landet, gebe es Pläne, wann wie viel gebacken werden soll, damit möglichst wenig übrig bleibt. Ganz unten wartet nicht mehr einwandfreies verpacktes Obst und Gemüse auf Käufer, wie etwa ein Paprika-Mix oder eine Tüte mit Möhren.

 


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Hunderte Tonnen Lebensmittel könnten gerettet werden

Durch das Angebot will der Discounter weniger Lebensmittel wegwerfen. Um 30 Prozent sollen die Lebensmittelabfälle von Lidl bis 2025 sinken. "Wir sind auf halber Strecke", sagt Koep. Der Fokus liege vor allem auf Obst und Gemüse, weil es am schnellsten verdirbt und damit am ehesten Gefahr läuft, weggeworfen zu werden, erklärt Koep. Los geht es mit der "Rettertüte" in Waldenburg, ab April wird sie dann nach und nach in allen deutschen Lidl-Märkten verfügbar sein.

Wie viele Lebensmittel durch die Tüten künftig vor der Mülltonne bewahrt werden können, stehe erst in ein paar Monaten fest. "Wir wollen abwarten, wie die Einführung läuft", sagt Koep. Man könne grob mit fünf Tüten täglich an sechs Tagen rechnen, für alle 3200 Lidl-Filialen in Deutschland - demnach könnten bis zu 480 Tonnen Lebensmittel pro Woche gerettet werden, wenn alle Tüten fünf Kilo enthalten und verkauft werden. Der Handel ist mit 500.000 Tonnen jährlich für vier Prozent der Lebensmittelabfälle in Deutschland verantwortlich.


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Kunden achten auf Fächer, in denen es Ware mit Rabatt gibt

Seit längerem prangen auf Fleisch rote Rabatt-Aufkleber. Anfangs wurde um 30 Prozent reduziert, inzwischen sind es 50 Prozent. Auch in der Tiefkühltheke gibt es jetzt ein Fach für reduzierte Lebensmittel, über dem "Rette mich" steht. "Viele Kunden achten beim Einkaufen auf solche Möglichkeiten." Ein weiteres Fach befindet sich zwischen Milch und Joghurt.

Die meisten Molkereiprodukte tragen zudem einen Aufdruck, der darauf hinweist, dass das Produkt über das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) hinaus gut ist. Aus rechtlichen Gründen sei für den Discounter aber Schluss, sobald das MHD überschritten ist: Dann wandern die Produkte an gemeinnützige Organisationen, die eine Haftungserklärung unterschreiben oder schlussendlich in die Biogas-Anlage.


Ware, die per Tüte verkauft wird, kann nicht mehr bei den Tafeln landen. Man arbeite aber an anderer Stelle mit den Tafeln zusammen, sagt Elisabeth Koep. So können Kunden einmal im Jahr lang haltbare Produkte wie Mehl und Nudeln beim Einkauf spenden. Über Spenden an Pfandautomaten seien 24 Millionen Euro zusammengekommen. Gespendet würde etwa auch Ware, bei der nur die Umpackung beschädigt ist, wie Cornflakes.

 
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