Aggressoren im Wahlkampf festzuhalten, schadet dem Dialog
Um den sachlichen Austausch im Wahlkampf zu fördern, wäre mehr deeskalierendes Vorgehen zwischen Bürgern und Politikern wünschenswert.

Beim Vorbeigehen an einem Wahlkampfstand ist eine Beleidigung rasch gebellt. Wer aber Politiker, die andere Meinungen vertreten als man selbst, beschimpft, macht es sich viel zu einfach. Viel spannender ist es doch, wenn Menschen mit völlig konträren Ansichten ins Gespräch kommen. Dabei geht es nicht darum, die Gegenseite zu überzeugen, sondern vielmehr die Positionen zu verstehen und die Argumente kennenzulernen. Auch und gerade, wenn diese dringender Überprüfung bedürfen.
Überhaupt: Was sollen Beleidigungen und Schmähgesänge, wie sie beispielsweise am vergangenen Samstag, 14. Februar, wieder in Nordheim und Heilbronn vorgekommen sein sollen, bringen? Wohl kaum mehr als das Zurschaustellen der eigenen, vermeintlich richtigen Position. Durch Beschimpfen oder gar Bespucken wird wohl kaum ein Politiker einen vom Aggressor bevorzugten Kurswechsel einschlagen. Im Gegenteil: Die Fronten verhärten sich, und die Zugänglichkeit für sachlichen Austausch schwindet.
Wahlkampf 2026: Juristisch legitime Mittel sind nicht immer zielführend
Dass sich Wahlkämpfer und Lokalpolitiker im Rahmen ihres Engagements Widerlichkeiten anhören müssen, ist nicht in Ordnung. Schon jetzt ist es nicht einfach, politische Posten zu besetzen. Da mag die Zündschnur nach der x-ten Beschimpfung durch denselben Aggressor durchaus kurz sein.
Dann wäre es aber gerade zielführend, deeskalierend vorzugehen und nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen: Die Möglichkeiten des Rechtsstaats auszuschöpfen und Menschen eigenmächtig festzuhalten, bis die Polizei eintrifft, wie es AfD-Politiker Maximilian Decker mehrfach getan hat, mag juristisch legitim sein. Allerdings hat diese übertriebene Reaktion dieselbe Wirkung beim Gegenüber wie die vorangegangenen Beleidigungen: Zum Umdenken dürfte sie kaum bewegen. Stattdessen verhärten die Fronten nur noch mehr.
Ebenso ist die Zerstörung von Wahlplakaten kein sinnvolles Vorgehen, um seiner Abneigung gegenüber bestimmten politischen Strömungen Ausdruck zu verleihen.
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