CDU gehen eine halbe Million Stimmen verloren – Politologe ordnet Ergebnis ein
Der Hohenheimer Politologe Frank Brettschneider ordnet das knappe Wahlergebnis ein – und erklärt, wer in einer grün-schwarzen Koalition das Sagen hat.
Professor Frank Brettschneider hat im Stimme-Interview ein „Foto-Finish“ bei der Landtagswahl prophezeit. Nun ist das Ergebnis wirklich denkbar knapp: Nur wenige Zehntel trennen die CDU und die Grünen, bei der Zahl der Mandate herrscht sogar Gleichstand.
Stimmen aus der CDU – zuerst hatte der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper die „Rotation des Ministerpräsidenten aufs Tapet gebracht – pochen nun auf die Gleichwertigkeit der zukünftigen Koalitionspartner. Auch in Heilbronn wird das „Patt im Landtag“ intensiv diskutiert. Dass Cem Özdemir das Amt aber nach der Hälfte der Legislatur an Manuel Hagel (CDU) abgeben soll, dem hat der Grüne aber gleich eine Absage erteilt.
Der Vorsprung der Grünen bei den Zweitstimmen ist nur hauchdünn
Frank Brettschneider hat sich das Wahlergebnis nun ganz genau angeschaut: Bei den über die Sitzverteilung im Landtag entscheidenden Zweitstimmen haben die Grünen 27.312 Stimmen mehr als die CDU, in Prozenten sind das 30,2 zu 29,7. Darauf begründet sich der Anspruch von Özdemir und den Grünen, künftig das Land zu regieren – auch wenn die CDU von der Anzahl der Mandate gleichauf liegt.

Aber, und hier wird es spannend: Bei den Erststimmen gehen der CDU eine Menge verloren. Genau 469.471 Stimmen hat die CDU mehr als die Grünen bekommen. Fast eine halbe Million Stimmen, die keine Bedeutung haben?
Hohenheimer Politikprofessor betont: Erststimmen entscheiden nicht über die Sitzverteilung
Brettschneider stellt aber fest: „Die Erststimmen entscheiden nicht über die Verteilung der Sitze, sondern „nur“ über die Frage, welche Personen die 70 Wahlkreise im Landtag vertreten.“ Die Grünen haben nur 13 Direktmandate gewonnen, die CDU hingegen 56. In den Wahlkreisen Heilbronn, Eppingen, Neckarsulm und Hohenlohe waren jeweils die Kandidaten der CDU erfolgreich.
Mit anderen Worten: Alle 56 Mandate der CDU sind Direktmandate. Die „überzähligen“ Stimmen haben keine weitere Auswirkung – gewonnen ist gewonnen, egal wie hoch.
Stimmen-Splittung bei der Landtagswahl entscheidet über den Erfolg
Brettschneider erklärt sich den großen Unterschied von fast fünf Prozent zwischen Erst- und Zweitstimme bei der CDU mit dem „Splitting“: „Mit der Erststimme wurde die CDU, mit der Zweitstimme überwiegend die Grünen gewählt.“ Oder anders formuliert: „Mit der Erststimme wurde die Person vor Ort gewählt, die man kennt und von der man möchte, dass sie den Wahlkreis im Landtag vertritt. Mit der Zweitstimme wollten offenbar aber einige Wähler entweder nicht für die CDU oder für Cem Özdemir stimmen.“
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