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Hohe AfD-Zustimmung in Kraichgau und Zabergäu: So reagieren Bürger vor Ort

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In Eppingen, Kirchardt-Berwangen, Pfaffenhofen und in Zaberfeld holt die AfD bei der Landtagswahl überdurchschnittliche Ergebnisse. Wie kommt’s?

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Am Morgen nach der Landtagswahl stehen Heiderose Uhlschmied sowie Kornelia und Rudi Obereicher in Sichtweite zur Evangelischen Kirche im Ortskern von Kirchardt-Berwangen in gemütlicher Runde beisammen. Als das Gespräch in Richtung Politik geht, ist Uhlschmied geschockt. „Wie viel? 41,5 Prozent der Zweitstimmen für die AfD? Hier bei uns in Berwangen? Um Gottes Willen!“    

Auch Rudi Obereicher ist entsetzt, dass die Rechtsaußen-Partei im knapp 1500-Einwohner-Ort einen derartigen Zuspruch hat: „Das ist furchtbar. Ich schäme mich für meinen Heimatort. Mir ist es mittlerweile peinlich, wenn ich sage: ’Ich komme aus Berwangen.’ Dann kommt als Antwort: ’Ah, von dort, wo die AfD gewählt wird.’“ Aus Gesprächen kenne er viele Berwanger, die mit der AfD sympathisieren.

Gutes AfD-Abschneiden im Kraichgau: „Partei hat kein Programm“

Rudi Obereicher: „Die Leute sind mit der Politik nicht zufrieden. Ich sage dann immer, dass doch nicht die CDU oder die Grünen schuld seien, wenn einem fünf Euro im Geldbeutel fehlen. Aber aus Verdruss ein Kreuz bei der AfD machen – das geht gar nicht.“ Seiner Meinung nach seien die AfD-Wähler vor allem unzufrieden mit sich selbst, lassen ihren Frust aber an anderen aus.

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Der Berwanger erklärt weiter: „Die AfD hat doch gar kein eigenes Programm. Die kommen nur hervorgekrochen, wenn die anderen Parteien Fehler machen – und zeigen dann mit dem Finger darauf.“ AfD-Wähler findet er inkonsequent: „Die schimpfen über Türken – fahren aber gerne in die Türkei in den Urlaub. Das passt nicht.“

Seiner Meinung nach müsste doch jeder bei den anderen etablierten Parteien wie CDU, SPD und Grüne im Wahlprogramm genügend Positionen finden, die einem zusagen.

Weltfremde Politik als Erklärung für AfD-Zuspruch im Kraichgau?

Keine zehn Kilometer weiter, ebenfalls im Kraichgau, wundert man sich gleichermaßen über den hohen AfD-Zuspruch. In Eppingen ist die AfD mit 29,7 Prozent bei den Zweitstimmen die Nummer eins – mit einem Prozentpunkt Vorsprung vor der CDU.

„Das ist krass – und einfach furchtbar“, sagt die Eppingerin Teresa Gleichauf. Sie kenne niemanden, der die AfD wählt. Die Wahlsprüche der AfD regen sie auf. „Mit logischem Denken ist eine Wahlentscheidung für die AfD nicht vereinbar“, sagt Gleichauf.

Auch in Pfaffenhofen erhält die AfD bei der Landtagswahl 2026 mehr Zweitstimmen als jede andere Partei.
Auch in Pfaffenhofen erhält die AfD bei der Landtagswahl 2026 mehr Zweitstimmen als jede andere Partei.  Foto: Erwin Weigend

Ähnlich sieht es die Eppingerin Isolde Kranz: „Die AfD hat Ansichten von Vor-Vorgestern. Dazu kommt beispielsweise noch die Diskussion zur Vetternwirtschaft in der Partei. Für mich ist es unerklärlich, wie man so eine Partei wählen kann.“

Dirk Harms ist kein AfD-Sympathisant, hat aber Erklärungsansätze. „Wenn man sich unsere Politik anschaut, bin ich von den vielen Stimmen für die AfD nicht überrascht. Die Politiker reden nur noch, anstatt Probleme wirklich anzugehen. Damit entfernen sie sich immer mehr von den Bürgern“, sagt der Eppinger. 

Zaberfelder Bürger graut es vor noch mehr AfD-Zuspruch

Im Zabergäu haben Parteien des rechten Spektrums seit Jahrzehnten überdurchschnittlichen Zuspruch. Mit 33,2 Prozent der Zweitstimmen ist die Partei von Spitzenkandidat Markus Frohnmaier nach der Landtagswahl 2026 die Nummer eins in Zaberfeld.

Vor der Bäckerei Keppler stehen zwei 66-Järhige aus der 2100 Einwohner großen Kerngemeinde. „Dieses Wahlergebnis bei uns ist deprimierend“, sagt einer der beiden Männer. Er kann es sich nur dahingehend erklären, dass die AfD-Wähler unzufrieden sind. „Dabei wären doch mindestens 90 Prozent der Weltbevölkerung froh, wenn sie so leben könnten, wie wir es tun.“

Sein gleichaltriger Bekannter sagt: „Manche Menschen wählen die AfD, weil diese Partei noch keine Regierungsverantwortung gehabt hat. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass dann alles besser wird. Wenn die AfD aber die Mehrheit hätte, würden sich viele wundern, weil dann wahrscheinlich alles den Bach runtergehen würde. Aber dann ist es bereits zu spät.“

Der Erste ergänzt: „Heute Morgen habe ich gehört wie jemand gesagt hat: ’Jetzt haben wir einen Türken als Ministerpräsidenten. So weit ist es mit uns schon gekommen.’ Solche Aussagen gehen gar nicht.“

AfD-Haltung zum Klimawandel: „Weiß nicht, was Leute an dieser Partei finden“

Waldemar Mayer fegt am späten Montagvormittag den Platz neben der Kirche in Pfaffenhofen. Auch in der Gemeinde mit ihren rund 2600 Einwohnern haben die Wähler die AfD mit 30,4 Prozent der Zweitstimmen zur Nummer eins gemacht. „Das finde ich nicht gut“, sagt Mayer. Er kenne Leute, die sich vorgenommen hatten, bei der Partei ihr Kreuz zu setzen. Großen Zuspruch im Landkreis Heilbronn hatte die AfD bei der Landtagswahl 2026 auch in Bad Friedrichshall-Plattenwald und in Neckarsulm-Amorbach.

Mayer vermutet: „Diese Leute sind sicher allgemein sehr unzufrieden. Wer sich aber das Programm anschaut, kann die AfD nicht ernsthaft wählen. Diese Partei leugnet den Klimawandel. Wenn man nur ein bisschen über die Gesinnung der AfD nachdenkt, ist für mich klar: Die kann man auf keinen Fall wählen. Ich weiß nicht, was die Leute an dieser Partei finden.“

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