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AfD liegt in Siegelsbach, Kirchardt und Eppingen vor CDU

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Bei der Landtagswahl am Sonntag hat die AfD in mehreren Orten im nordwestlichen Kraichgau die CDU als Zweitstimmensieger abgelöst. Die Grünen dagegen schneiden hier schlechter ab als im Landesschnitt.

Von aho, jök
Im Wahlkreis 19 (Eppingen) der Landtagswahl Baden-Württemberg am 8. März 2026 werfen Jochen Holzmann, Carina Menakker und Horst Rothenöfer ihren Hut in den Ring. Ferner treten im Wahlkreis Eppingen an: Erwin Köhler (Bündnis 90/Die Grünen). Dr. Michael Pr
Im Wahlkreis 19 (Eppingen) der Landtagswahl Baden-Württemberg am 8. März 2026 werfen Jochen Holzmann, Carina Menakker und Horst Rothenöfer ihren Hut in den Ring. Ferner treten im Wahlkreis Eppingen an: Erwin Köhler (Bündnis 90/Die Grünen). Dr. Michael Pr  Foto: Hauke-Christian Dittrich

Im nordöstlichen Kraichgau von Bad Rappenau bis Eppingen und den umliegenden Gemeinden fällt am Ergebnis der Landtagswahl vor allem eines auf: Die AfD schneidet im Verhältnis zum Landesdurchschnitt um einige Prozent besser ab und liegt in einigen Orten sogar noch vor der CDU. Die Grünen liegen deutlich schlechter als im Landesschnitt. Wenn die CDU in Bad Rappenau bei den Zweitstimmen nicht um 5,3 Prozentpunkte zugelegt hätte im Vergleich zur letzten Landtagswahl auf 30,1 Prozent, wäre die AfD selbst dort Spitzenreiter. Sie kommt auf 28,5 Prozent.

„Das Ergebnis zeigt eine zunehmende Entkopplung zweier Wahlrealitäten, urban und rural“, sagt Gordan Pendelic (54), der politisch Interessierten in seiner Bad Rappenauer Facebookgruppe „Nachbarschaftshilfe, Aufmerksamkeit, Prävention“ eine Plattform zur Analyse bietet. Der Stadtrat der Freien Wähler aus Bad Rappenau-Zimmerhof ist der Ansicht, dass „wir uns strukturell in Richtung eines Zwei-Lager-Systems entwickeln, wie man es aus den USA kennt“. Die als progressiv geltende Wählerschicht der Ballungszentren entkoppelt sich nach seiner Beobachtung zunehmend vom ländlichen Raum, in dem die Bevölkerung eine andere Lebensrealität hat – und anders wählt.

In Bad Rappenau weniger Zweitstimmen für die CDU, dafür aber mehr für die Grünen: Indiz für Personenwahl

Auffällig ist auch der mitunter erhebliche Unterschied zwischen den Ergebnissen der Erst- und Zweitstimmen. CDU-Kandidat Michael Preusch erhielt in Bad Rappenau beispielsweise 35,2 Prozent. Bei den Zweitstimmen bekam die CDU dort 30,1 Prozent, die Grünen aber 21,2 Prozent und im Vergleich zu ihren Erststimmen 4,4 Prozent mehr – ein Indiz für eine Personenwahl.

Bei einer differenzierten Analyse der Ergebnisse in den Bad Rappenauer Ortsteilen zeigt sich ein Muster: In Zimmerhof erhielt die AfD 44,3 Prozent, in Treschklingen 40,3, in Wollenberg 39,7. AfD-Kandidat Dennis Klecker übertraf in diesen Ortsteilen die AfD-Zweitstimmen sogar noch. Die sublokale Verankerung von Stadträten scheint eine Rolle zu spielen. In Bonfeld erhielt der Grünen-Kandidat Erwin Köhler 24,5 Prozent der Erststimmen – in Bonfeld ist auch die grüne Stadtratsfraktion stark verwurzelt.

SPD-Gemeinderatsmitglied Jochen Hartmann aus Kirchardt: SPD-Stammwähler wählten mit Zweitstimme grün, „um Hagel zu verhindern“

In Siegelsbach und Kirchardt bekam die AfD, wie in Eppingen (29,7 Prozent), die meisten Zweitstimmen. In Siegelsbach sind es 31,6 Prozent und 0,8 Prozentpunkte mehr als bei der CDU. In Kirchardt sind es 33,5 Prozent und 3,2 Prozentpunkte mehr. Allerdings setzt sich Preusch von der CDU sowohl in Siegelsbach als auch in Kirchardt bei den Erststimmen durch.

Jochen Hartmann, SPD-Gemeinderatsmitglied in Kirchardt und wohnhaft in Berwangen, bedauert das schlechte Ergebnis für die SPD. Dass die AfD in Bockschaft und Berwangen nochmals stärker gewählt wird als in Kirchardt selbst, „ist im Prinzip nichts Neues“. Hinzu sei gekommen, dass wohl einige SPD-Stammwähler mit der Zweitstimme grün gewählt haben, „um den Hagel zu verhindern“.

In Eppingen ist die AfD mit 29,7 Prozent stärkste Kraft. Die Partei, die ihr Ergebnis gegenüber der vorigen Landtagswahl verdoppeln konnte, übertrifft die CDU knapp um ein Prozent. Die konnte auch zulegen, wenn auch in kleinerem Maßstab: um 3,9 Prozentpunkte. Bei den Erststimmen wurde Preusch auch in Eppingen Stimmenkönig – mit 35,8 Prozent. FDP-Kandidat Georg Heitlinger erzielte entgegen dem schwachen Ergebnis seiner Partei auf Landesebene mit 10,1 Prozent ein achtbares Ergebnis.

AfD-Gemeinderatsmitglied Maximilian Decker zeigt sich nicht verwundert über AfD-Stärke in Ortsteilen

AfD-Gemeinderatsmitglied Maximilian Decker aus Kirchardt zeigt sich nicht verwundert über hohe AfD-Werte in Ortsteilen. Menschen in ländlichen Gebieten seien auf das Auto angewiesen und sähen ein Verbrenner-Verbot kritisch. Über sein eigenes Ergebnis im Wahlkreis Heilbronn freue er sich, sagt Decker – wenngleich es am Ende nicht gereicht habe für den Landtag.

Ittlingen und Gemmingen bleiben Hochburgen der CDU. In Ittlingen entfielen auf die Partei 32,1 Prozent der Zweitstimmen und damit 7,1 Prozentpunkte mehr als auf die AfD. In Gemmingen haben sich die Christdemokraten mit 28,5 Prozent gegen die Grünen durchgesetzt, die auf 21,5 Prozent kamen. Dieser CDU-Erfolg lässt sich noch deutlicher zeigen, wenn man die Ergebnisse mit der vorherigen Landtagswahl vergleicht. Während die Grünen ein Minus von 3,8 Prozentpunkten verkraften mussten, legte die CDU um 5,7 Prozentpunkte zu.

Die Burg Ravensburg bei Sulzfeld: In der Hügellandschaft des nordwestlichen Kraichgaus wählten die Menschen mitunter deutlich anders als im Landesschnitt.
Marcel Hechler/stock.adobe.com
Die Burg Ravensburg bei Sulzfeld: In der Hügellandschaft des nordwestlichen Kraichgaus wählten die Menschen mitunter deutlich anders als im Landesschnitt. Marcel Hechler/stock.adobe.com  Foto: Marcel Hechler/stock.adobe.com
Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel in die Urne. Die Wahlbeteiligung lag auch im Kraichgau wieder höher als bei der Landtagswahl 2021.
Foto: Hauke-Christian Dittrich
Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel in die Urne. Die Wahlbeteiligung lag auch im Kraichgau wieder höher als bei der Landtagswahl 2021. Foto: Hauke-Christian Dittrich  Foto: Hauke-Christian Dittrich
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