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Fast 60 Prozent für AfD im Stadtteil: Auf Spurensuche in Plattenwald und Amorbach

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In Neckarsulm-Amorbach und noch mehr in Bad Friedrichshall-Plattenwald gibt es großen Zuspruch für die AfD – auch jetzt bei der Landtagswahl. Das sind mögliche Gründe. 

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Die Auszählungen sind gemacht. Bei der Landtagswahl holt die AfD in Baden-Württemberg 18,8 Prozent. Manche Umfragen vor dem Wahlsonntag sahen die Partei von Spitzenkandidat Markus Frohnmaier zwischenzeitlich gar bei jenseits der 20 Prozent. Wäre es nach den Wahlergebnissen in manchen Stadtteilen im Landkreis Heilbronn gegangen, hätte die AfD auch noch weitaus besser abschneiden können.

Im nördlichen Landkreis tun sich vor allem zwei AfD-Hochburgen hervor. In Neckarsulm-Amorbach holt die AfD 43,2 Prozent. Im Bad Friedrichshaller Stadtteil Plattenwald verbucht die Rechts-Außen-Partei sogar 59,8 Prozent der Zweitstimmen für sich. Bei den Erststimmen sprechen sich im Plattenwald 61,1 Prozent für Kandidatin Carola Wolle aus. Das Plattenwald-Ergebnis der AfD fällt ähnlich hoch wie im vergangenen Jahr bei der Bundestagswahl aus.

Amorbacherin ist von Alice Weidel begeistert – und wählt AfD

Von dem hohen Zuspruch für die AfD in Amorbach ist Lilia Reinson begeistert. Die Rentnerin hat selbst ihr Kreuz bei der rechtspopulistischen Partei gemacht. „Wenn es nach mir geht, hätte die AfD auch noch deutlich besser abschneiden können.“ Mit dem Wahlprogramm hat sich die Amorbacherin kaum befasst. Die Rentnerin habe die Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, im Fernsehen gesehen. „Sie hat so gut geredet. Daher habe ich bei der Landtagswahl die AfD gewählt.“

In Neckarsulm-Amorbach erreichte die AfD bei der Landtagswahl 43,2 Prozent der Zweitstimmen.
In Neckarsulm-Amorbach erreichte die AfD bei der Landtagswahl 43,2 Prozent der Zweitstimmen.  Foto: Daniel Hagmann

Ihr Nachbar Andreas Senning kann die Menschen schon verstehen, die sich bei Wahlen für die AfD aussprechen. „Wenn man sieht, dass Rentner bei uns Pfandflaschen sammeln müssen, um über die Runden zu kommen, und andererseits viel Geld für Einwanderer da ist, dann läuft bei der Politik der bisherigen Regierungsparteien schon einiges falsch. Den Ansatz: ’Erst wir, und dann die anderen’ – den finde ich nicht verkehrt“, erklärt der junge Mann.

Landtagswahl 2026: Treibt Hoffnungslosigkeit die Menschen zur AfD?

Ähnlich sieht es eine 70-Jährige aus Neckarsulm-Amorbach: „Was die Regierungsparteien in den vergangenen Jahren aus Baden-Württemberg gemacht haben – das ist einfach nur traurig. Wir waren mal so ein tolles, florierendes Land. Für unsere Kinder sehe ich schwarz.“

Sie ist von der Politik der Grünen und der CDU komplett enttäuscht: „Nach deren Regierungsarbeit finde ich es unbegreiflich, wie man diese Parteien wieder wählen kann – und dass sie zusammen jetzt auch noch auf etwa 60 Prozent kommen.“

In Bad Friedrichshall-Plattenwald erklärt sich eine 63-Jährige den enormen AfD-Zuspruch mit der Unzufriedenheit der Menschen. „Den Leuten fehlt einfach jede Hoffnung. In Baden-Württemberg waren alle großen Parteien schon in der Regierung – CDU, SPD, FDP und die Grünen. Gebracht hat es nichts. Da ist es schon nachvollziehbar, dass sich einige nun nach frischem Wind sehnen.“ Voraussichtlich wird allerdings der Grünen-Politiker Cem Özdemir der nächste Ministerpräsident in Baden-Württemberg.

Viele Russlanddeutsche im Plattenwald als Grund für AfD-Zuspruch?

Ein junger Mann, der anonym bleiben möchte, führt den Erfolg im Plattenwald auch auf die Bevölkerungsstruktur in dem Stadtteil zurück: „Hier leben viele ehemalige Gastarbeiter. Diese haben sich hier etwas aufgebaut. Einige Leute sind nun verärgert darüber, dass Migranten nun ohne eigene Leistung viel Unterstützung erhalten. Das schürt bei vielen Menschen die Wut – und treibt sie zur AfD.“ 

Ein 65-Jähriger aus Plattenwald, der seinen Namen ebenfalls nicht nennen möchte, sieht auch die Sozialstruktur im Viertel als entscheidend für den AfD-Erfolg an: „Viele Menschen hier im Plattenwald sind Russlanddeutsche. Und die AfD ist Russland zugetan. Daher ist das für viele Leute hier die einzig wählbare Partei.“

Ein weiterer Rentner sieht das Ende für den AfD-Zuspruch noch lange nicht gekommen: „Wenn die neue Landesregierung nun so erfolglos weitermacht wie die alte, fällt das Wahlergebnis für die AfD im Plattenwald noch deutlicher aus und liegt dann bei weit über 60 Prozent.“ Je höher die Preise sowie die Arbeitslosigkeit und je unbezahlbarer die Wohnungen sind, desto erfolgreicher werde die AfD in seinen Augen. „Mit ihrer schlechten Politik treibt die Regierung die Wähler ja geradezu in die Arme der AfD.“

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