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Desinformation im Wahlkampf: Der Einfluss von Sozialen Medien

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Wie haben die Sozialen Medien den aktuellen Wahlkampf beeinflusst? Und welche Rolle haben Falschinformationen gespielt? Diese Fragen waren Thema eines Expertengesprächs.


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Wie in jedem Wahlkampf haben Inhalte in Sozialen Netzwerken eine Rolle gespielt, darunter Fake News und Desinformationen. Aber wie groß ist der Einfluss auf die Wahl wirklich? Das war Thema eines Expertengesprächs, das das Science Media Center organisiert hat.

Soziale Netzwerke seien für die Parteien wichtig, um direkt mit ihren Wählern in Kontakt zu kommen, betont Julia Metang, Kommunikationsforscherin an der Universität Münster. „Kanäle wie Instagram und Tiktok haben weiter an Bedeutung gewonnen.“

Bundestagswahl 2025: Welche Rolle Desinformation und Soziale Medien in diesem Wahlkampf spielen

Vor allem die AfD sei sehr aktiv auf Tiktok und hat dort die meisten Follower, die Grünen würden auf Instagram eine große Rolle spielen. Heraus stechen außerdem das BSW und Volt, andere Parteien dringen mit ihren Inhalten dagegen weniger durch. Meistens sind es die Spitzenkandidaten, denen die meisten Menschen folgen. Wenn deren Inhalte oft gelikt oder geteilt werden, erreichen sie auch andere Nutzer, die der Person nicht folgen. Am besten funktioniert das mit polarisierenden oder provozierenden Inhalten, erklärt Metang.

Wirkt sich der Wahlkampf bei Social Media auf die Wahlentscheidung aus? „Das ist sehr schwierig messbar und kaum nachvollziehbar“, sagt die Expertin. Der Stand der Forschung ist, dass der Einfluss eher gering ist, eine größere Rolle spielen Herkunft, Bildung, Erfahrungen und die eigene wirtschaftliche Situation.

Beeinflussen Desinformationen in Social Media die Bundestagswahl? 

Ähnlich ist es mit Desinformation. Das sind falsche Informationen wie Gerüchte, Verschwörungstheorien und Hetze, die bewusst verbreitet werden. Ob Menschen sich davon wirklich beeinflussen lassen und anders wählen, sei schwer zu messen, sagt Edda Humprecht, Professorin für Digitalisierung an der Universität in Jena. Einzelne Fake News reichen jedenfalls nicht aus, um jemanden umzustimmen. „Von dieser Vorstellung muss man sich verabschieden.“


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Es gehe eher um einen langfristigen Effekt, eine „schleichende Verzerrung des Meinungsklimas“, was zu einer gespaltenen Gesellschaft führt. Wer sich von Desinformationen beeinflussen lässt, vertraue Politikern und Medien weniger. „Wir können schon beobachten, dass es in Deutschland zunehmend schwieriger wird, Diskussionen zu bestimmten politischen Themen zu führen“, sagt Humprecht. Daran seien aber weder soziale Medien noch Desinformationen alleine Schuld, sie könnten nur dazu beitragen.

Forscherin: Spricht man zu viel über Desinformation, verunsichert das

Das Problem: Es gibt auch einen umgekehrten Effekt. Wird zu viel über Desinformationen geredet, sorgt das für eine gewisse Verunsicherung, sagt Humprecht. „Das soll nicht heißen, dass wir nicht mehr darüber sprechen sollten.“ Die Wirkung von Desinformation dürfe eben nicht überschätzt werden.  

Dass Desinformationen häufiger werden, können die Forscher seit langem beobachten. Sie seien „kein vorübergehendes Problem bei Wahlkämpfen“, betont Humprecht. Vor allem Russland und China hätten ein Interesse, einzelne Akteure anzugreifen, wie etwa die Grünen, sagt Humprecht. Die AfD soll dagegen gestärkt werden.

Themen wie Migration und Kriminalität seien gut geeignet, weil sie emotionalisieren. „Die Algorithmen belohnen das mit mehr Sichtbarkeit. Das setzen die Akteure gezielt ein.“ Allerdings bekommen Fake News und Desinformationen oft erst dann eine gewisse Reichweite, wenn sie von bekannten Accounts aufgegriffen werden.

Bundestagswahl 2025: Plattformen wie Facebook, X und Tiktok gewähren Forschern kaum Einblicke

Nur: Wer steckt hinter den gefälschten Inhalten, Hetze und immer gleichlautenden Bot-Kommentaren? „Es ist nicht einfach, das nachzuvollziehen“, sagt Humprecht.

Um das besser zu verstehen, bräuchten die Forscher Zugang zu den Daten der Plattformen. Die Tech-Konzerne würden sich jedoch oft weigern. „Wir haben keinen Einblick, wie die Algorithmen funktionieren“, bestätigt auch Julia Metang. Wenn Daten zur Verfügung gestellt werden, dauere das meist lange und die Datensammlung sei eingeschränkt.

Für die Parteien hat Tiktok eine wichtigere Rolle im Wahlkampf für die Bundestagswahl gespielt. Auf der Plattform wird aber auch Desinformation verbreitet.
Für die Parteien hat Tiktok eine wichtigere Rolle im Wahlkampf für die Bundestagswahl gespielt. Auf der Plattform wird aber auch Desinformation verbreitet.  Foto: Jens Kalaene

Was politischer Wahlkampf ist, lässt sich nicht immer sagen

Wie wenig gegen Desinformationen getan werden kann, weiß Ralf Müller-Terpitz, Professor für Öffentliches Recht, Wirtschaftsregulierung und Medien an der Universität in Mannheim. Vieles sei durch die Meinungsfreiheit geschützt. „Das gilt zunächst auch für Falschbehauptungen.“

Ebenso sind die Regeln für politische Werbung recht weit gefasst, betont Müller-Terpitz. Das Gespräch zwischen AfD-Chefin Alice Weidel und Elon Musk auf seiner Plattform X beispielsweise sei eher ein redaktioneller Inhalt, kein verdeckter Wahlkampf. Grundsätzlich sei politische Werbung vor der Wahl erwünscht und zulässig. „Mir sind keine Beispiele bewusst, bei denen es eine klare Rechtsverletzung gab.“

Tiktok, Facebook, X und Co. müssten durch das Digitale-Dienste-Gesetz der EU (DSA) lediglich bewerten, wie hoch das Risiko ist, dass eine Wahl durch Inhalte auf ihrer Plattform beeinflusst wird. Zudem werden Wahlkampf-Inhalte oder bezahlte Beiträge mit einem Hinweis versehen. Das Problem: Strafen bei Verstößen sieht der DSA nicht vor.

Kampf gegen Desinformation und Fake News: Eine einfache Lösung gibt es nicht

Was also tun? Eine einfache Lösung gibt es nicht, sagt Humprecht. Es sei wichtig, über Desinformation Bescheid zu wissen. Faktenchecks seien ebenfalls wichtig, wenn sie die Falschinformation nicht wiederholen. 

Kinder und Jugendliche, aber genauso Erwachsene müssten geschult werden, damit sie Desinformationen erkennen, ergänzt Metang. Forscher müssten einfacher an die Daten der Plattformen gelangen.

Außerdem sollte noch mehr gelöscht werden, findet Müller-Terpitz. Der Vorwurf, dass schon jetzt zu viel gelöscht wird, teilt er nicht. Die Meinungsfreiheit werde ausreichend geschützt, weil es für Betroffene genug Widerspruchsmöglichkeiten gibt. 

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