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Kolumne: Nicht nur Touristen reizt die dörfliche Idylle

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Das Landleben ist in Baden-Württemberg nicht auf dem Rückzug. Sogar kleinste Gemeinden pochen auf ihr Selbstbestimmungsrecht. Tradition wird da hochgehalten. Das lässt sich sogar verkaufen.

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Der Bollenhut zieht: Brauchtum und Tradition werden in Baden-Württemberg noch vielerorts gelebt. Der ländliche Raum hat aber auch zu kämpfen. 
Foto: Archiv/dpa
Der Bollenhut zieht: Brauchtum und Tradition werden in Baden-Württemberg noch vielerorts gelebt. Der ländliche Raum hat aber auch zu kämpfen. Foto: Archiv/dpa  Foto: Patrick Seeger

Dem Tourismus wurde jahrelang eine goldene Zukunft vorausgesagt. Dann kam Corona. Inzwischen sind die Übernachtungszahlen zwar wieder kräftig angestiegen, wie aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamts zeigen. Doch es fehlt zugleich noch einiges, um an die Hochzeiten aus dem vergangenen Jahrzehnt anzuknüpfen.

Das betrifft insbesondere die großen Destinationen im Südwesten, etwa den Schwarzwald. Im Landkreis Freudenstadt lag man 2022 gegenüber 2016 noch um fast ein Viertel hinten, im Breisgau-Hochschwarzwald sind es 27 Prozent weniger als 2016, in Baden-Baden ist man gegenüber 2019 noch um knapp 20 Prozent im Minus.

Heilbronn ist fast wieder auf dem Buga-Niveau

Dass man in der Stadt Heilbronn fast das Niveau des Buga-Jahrs 2019 erreicht hat, ist da durchaus eine gute Nachricht. Die Rückgänge im Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis sind mit 19 und 14 Prozent doch einiges größer. Die Bäume wachsen also auch hier nicht in den Himmel. Umso mehr muss man sich nun positionieren. Denn der Tourismus ist eine Branche, bei der die Wertschöpfung zum großen Teil in der jeweiligen Region verbleibt.


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Vor allem gelten beim Tourismus zum Teil andere Gesetze als in anderen Wirtschaftszweigen. Hier darf es auch mal ländlich sein, das nennt man dann idyllisch. Wer dem Großstadtgewimmel entkommen mag, der ist bei einem Kurzausflug durchaus nachsichtig, was Infrastruktur und Angebotsvielfalt angeht. Eine funktionierende Vernetzung ist der Schlüssel zum Erfolg. Den Rest kann man mit Freundlichkeit und gutem Willen wettmachen.

Diese Art der Kleinstaaterei kommt an

Die Sehnsucht nach dem Dorfleben gibt es jedenfalls noch, und zwar nicht nur im Urlaub. In Baden-Württemberg existieren 31 selbstständige Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern. Auch die hat das Statistische Landesamt aufgelistet. Und es hat einen interessanten Vergleich gebracht: Alle 31 zusammen haben mit 10 400 Einwohnern so viele wie Neuenstadt am Kocher.

Diese Zahl ist sogar ziemlich stabil geblieben in den vergangenen zehn Jahren. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Die Statistikbehörde hat allerdings einen bemerkenswerten Satz in ihrer Pressemitteilung platziert: "Auffällig ist der geringe Ausländeranteil in diesen kleinen Gemeinden."


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Stabilität heißt für diese kleinen Orte aber auch: Das Wachstum, das andernorts zu beobachten ist, findet hier nicht statt. Die Gefahr einer alternden Gesellschaft ist in solchen Kommunen besonders groß. Und ohne besonders kleinen Orten wie Böllen, Tunau oder Guggenhausen zu nahe treten zu wollen: Die Frage, ob es sinnvoll ist, für weniger als 200 Bewohner einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin zu beschäftigen - selbst wenn sie ihr Amt ehrenamtlich ausüben -, muss erlaubt sein.

Doch den Bürgern ist ihr Selbstbestimmungsrecht offenbar viel wert , selbst wenn am Ende das Geld fehlen sollte, Notwendiges und Wünschenswertes auch umzusetzen.

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