Mehr Keuchhusten-Fälle: Was Eltern wissen sollten
Die Zahl der Keuchhusten-Erkrankungen steigt an – in Baden-Württemberg, der Region Heilbronn und Hohenlohe. Was Eltern über die Krankheit wissen müssen.

Mehr Menschen sind in diesem Jahr an Keuchhusten erkrankt. Die Zahl ist in ganz Baden-Württemberg angestiegen – in Hohenlohe scheint derzeit eine Keuchhusten-Epidemiein einigen Gemeinden auszubrechen.
Besonders Neugeborene und Kleinkinder sind von der Atemwegserkrankung, die per Tröpfcheninfektion übertragen wird, gefährdet. Warum das so ist und wie Eltern ihr Kinder schützen können.
Keuchhusten breitet sich in Baden-Württemberg aus: Das sind die Symptome der Kinder-Krankheit
In den ersten beiden Wochen zeigt sich Keuchhusten laut dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg mit leichten Erkältungsbeschwerden wie Schnupfen, Husten und Schwächegefühl, selten auch Fieber. Danach beginne die Hustenphase: Vor allem Kleinkinder werden überwiegend nachts von langwierigen, trockenen, teils krampfartigen Hustenanfällen geplagt – und das in der Regel vier bis sechs Wochen lang.
Manche Betroffene leiden auch über Monate hinweg unter Reizhusten, sodass sie nur schwer den Alltag bewältigen können, erklärt Dr. Maurice Petrasch, Oberarzt der SLK-Kinderklinik. Meistens bleiben die typischen Hustenanfälle bei Jugendlichen und Erwachsenen jedoch aus, so das Landesgesundheitsamt. "Dieser untypische Verlauf macht es schwer, Keuchhusten zu erkennen." Denn durch unentdeckte Keuchhusten-Erkrankungen bei Erwachsenen werde die Krankheit immer weitergegeben.
Mehr Keuchhusten-Fälle in Baden-Württemberg: Warum ist die Krankheit gerade für Kinder gefährlich?
"Bei Säuglingen kann es statt der Hustenanfälle zu lebensbedrohlichen Atemaussetzern kommen, die eine intensivmedizinische Behandlung erfordern", erklärt Petrasch. Das bestätigt auch das Landesgesundheitsamt: "Bei etwa zwei Drittel von ihnen ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig." Bei Jugendlichen und Erwachsenen hingegen verlaufe eine Keuchhusten-Erkrankung oftmals lediglich als lang andauernder Husten. Gleiches gelte für geimpfte Kinder.
Gerade Kinder ohne Impfschutz sind besonders anfällig für eine Ansteckung mit Keuchhusten, erklärt Petrasch. Nahezu alle Kinder ohne Impfschutz stecken sich laut Petrasch an, nachdem sie mit dem Erreger in Kontakt gekommen sind.
Wie können Eltern ihre Kinder vor Ansteckung mit Keuchhusten schützen?
Keuchhusten ist aus Sicht von Oberarzt Petrasch eine heimtückische Erkrankung, denn: "Besonders ansteckend ist Keuchhusten in der Phase, in der man selbst noch keine beziehungsweise wenig Beschwerden verspürt." Er rät Erkrankten, frühzeitig zum Arzt zu gehen. Allerdings sollte die Arztpraxis vorab über den Verdacht auf Keuchhusten informiert werden, damit das Praxispersonal sich selbst und andere Patienten vor den Erregern schützen kann, so das Landesgesundheitsamt.
Wird die Erkrankung festgestellt, gilt ein Berufs- und Tätigkeitsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten. Auch zu Hause sollten an Keuchhusten Erkrankte räumlich von Gesunden getrennt werden. Besonders mit Säuglingen, Kleinkindern oder Senioren sollten sie nicht in Kontakt kommen, so die Experten des Landesgesundheitsamtes.
Impfung gegen Keuchhusten: Wie groß ist der Schutz für Kinder?
Die Impfung ist laut Doktor Petrasch ein guter Schutz für Säuglinge und Kleinkinder. Sie wird laut Robert-Koch-Institut als Sechsfach-Impfung mit Erkrankungen wie Tetanus und Hepatitis B verabreicht. Babys erhalten die Impfung mit zwei, drei, vier und zwölf Monaten.
Auch durch eine Impfung der Mutter sind Neugeborene vor Keuchhusten geschützt. "Dieser sogenannte Nestschutz schützt die Kinder in den ersten Lebenswochen, bis sie selbst geimpft werden können", teilt das Landesgesundheitsamt auf Nachfrage der Heilbronner Stimme mit. Um die Säuglinge zu schützen, gebe es zudem die Kokonstrategie, bei der alle Bezugspersonen um das Neugeborene sich impfen lassen. Das beinhalte Familie und Betreuungspersonen ebenso wie Spielkameraden und deren Familien.


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