Micha (7) beeindruckt mit Bewerbung als Spielplatztester in Sinsheim
Micha Ambiel (7) bewirbt sich bei der Stadt Sinsheim auf die Stelle des Spielplatzprüfers. Nach einem professionellen Vorstellungsgespräch wird er eingestellt – für einen Tag in Begleitung der derzeitigen Tester
Dass auf kommunale Stellenausschreibungen eine Vielzahl an Bewerbungen eingeht, ist keine Seltenheit. So wunderten sich Ronald Lips, Abteilungsleiter in der Personalabteilung, und Bürgermeister Bernd Kippenhan nicht, dass ihnen 31 Bewerbungen für den Posten des Spielplatzprüfers ins Haus geflattert sind. Sorgfältig wurden die Bewerbungen geprüft, abgewogen und Vorstellungsgespräche vereinbart. Routine und Tagesgeschäft.
Siebenjähriger bewirbt sich als Spielplatzprüfer in Sinsheim und überzeugt im Rathaus
Bis ihnen die Bewerbung von Micha Ambiel in die Hände fiel. Das Besondere: Der Bewerber ist erst sieben Jahre alt und geht in die zweite Klasse der Theodor-Heuss-Grundschule. „Die Bewerbung war klasse“, verrät Lips, „für einen Siebenjährigen wirklich erstaunlich. Er hat einen Lebenslauf beigefügt und erklärt, warum er sich auf die Stelle bewirbt.“ So viel Engagement und Interesse muss belohnt werden, das stand für die Verwaltungsmitarbeiter sofort fest. „Wir wollten Micha eine Freude machen und haben beschlossen, ihn zu einem Bewerbungsgespräch einzuladen.“
Das wird professionell geführt. Neben Lips und Kippenhan lässt es sich auch Oberbürgermeister Marco Siesing nicht nehmen, den Schüler zu begrüßen und dem Gespräch beizuwohnen. „Wir wollen damit auch unseren eigenen Mitarbeitern signalisieren, dass sie keine Scheu haben müssen, dass sie immer zu uns kommen können und wir ihre Anliegen ernst nehmen.“ Für Micha gibt es zu Beginn des Bewerbungsgesprächs gleich mal die passende Arbeitskleidung in neongelb, über die sich der junge Mann sichtlich freut. „Er war sehr gut auf das Gespräch vorbereitet“, erzählt Lips, „wusste beispielsweise gleich, dass es 76 Spielplätze in Sinsheim gibt.“
Spielplatz-Tester für einen Tag: Siebenjähriger überzeugt mit Bewerbung in Sinsheim
Lips gibt offen zu: „Ich habe mit Erwachsenen schon ganz andere Erfahrungen gemacht als jetzt mit Micha.“ Keinen Hehl machen Lips und Kippenhan daraus, dass es sich um einen Job mit viel Verantwortung handelt: „Ein Spielplatzprüfer bestätigt mit seiner Unterschrift nach der Prüfung, dass der Spielplatz sicher ist.“

Deshalb „suchen wir jemanden mit einem handwerklichen Beruf, der idealerweise schon die entsprechenden Prüfungen am Ende der Zertifizierungskurse hat. Wenn nicht, übernehmen wir die Ausbildung im Rahmen der Probezeit. Die Spielplatzprüfer müssen ihre Kenntnisse auch regelmäßig auffrischen, da sich die Vorschriften immer wieder ändern.“
„Recruting künftig im Sandkasten“ – Zweitklässler begeistert Sinsheims Oberbürgermeister
Nach dem Bewerbungsgespräch im Rathaus nehmen sich mit Tim Schuchmann und Jochen Kaiser zwei städtische Spielplatzprüfer des Bewerbers an. Gemeinsam fährt man zur Alla-Hopp-Anlage im Postgarten, wo Micha die Spielgeräte auf Sicherheit und Standfestigkeit prüfen darf.
Wie der ideale Spielplatz aussieht, weiß er genau: „Es muss auf jeden Fall was zum Klettern geben.“ Die Alla-Hopp-Anlage „gefällt mir ganz gut, ich komme öfter her.“ Auch der kleine Spielplatz „Im Loh“ gefällt dem Siebenjährigen: „Da wohnen wir ganz in der Nähe. Langweilig sind Spielplätze, auf denen es nur zwei, drei Spielgeräte gibt.“
Wackeln, ziehen, drücken und schauen, ob die Glieder der Schaukelketten so beschaffen sind, dass kleine Kinderfinger nicht eingeklemmt werden können: Micha darf das volle Programm absolvieren. Immer in Begleitung von Schuchmann und Kaiser und unter den Augen des Oberbürgermeisters, der aufatmet, als Micha jedes Gerät für gut, sicher und standfest befindet. „Bei uns fängt das Recruiting künftiger Mitarbeiter schon im Sandkasten an“, sagt der Rathauschef und schmunzelt.
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