Wie wird der Eppinger Stadtwald gegen Hitze und Dürre stabil?
Wie der Eppinger Stadtwald künftig mit Trockenheit und Hitze besser klarkommt, das haben Forstleute im Auftrag der Stadt herausgearbeitet. Einen entsprechenden Zehn-Jahres-Plan hat der Gemeinderat nun auf den Weg gebracht. Welche Maßnahmen er beinhaltet:

Der Eppinger Stadtwald hat schon bessere Zeiten gesehen. Dürre, Stürme und Schädlingsbefall haben dem Forst zugesetzt. Sichtbar wird dies an der relativ großen Menge an Schadholz. Grund sind die Stressfaktoren Hitze und Trockenheit. "Dem Wald geht es maximal mittelprächtig", kommentierte Eppingens OB Klaus Holaschke während der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.
In der Sitzung hat sich das Gremium mit Hilfe der Forstverwaltung über den Zustand des Stadtwaldes informiert. Eine Woche zuvor hatte es eine Exkursion in das Forstrevier Ottilienberg gegeben. Ziel ist, Leitlinien und Eckdaten für die Bewirtschaftung des Waldes in den nächsten zehn Jahren festzuzurren. Die Forstleute sprechen von der "Fortschreibung der Forsteinrichtung".
Warum ein größerer Holzeinschlag dem Wald hilft
Der Gemeinderat hat nun eine Anhebung des Hiebssatzes um fünf Prozent beschlossen. Damit wollen die Förster im Auftrag der Stadt Platz schaffen, um klimastabile Baumarten zu etablieren. Zum anderen wird angestrebt, die Bäume, die das kommende Jahrzehnt vermutlich nicht überstehen, zu ernten, bevor sie als Schadholz auf den Markt gebracht werden müssen. Dies betrifft vor allem Fichte und Esche, aber aufgrund der Trockenschäden auch zunehmend Buche.
Außerdem sollen die Einnahmen gesteigert werden. Dies ist auch notwendig, denn die Stadt will in den 2128 Hektar großen Stadtwald kräftig investieren. Allein auf einer Fläche von 400 Hektar soll der Bestand der jungen Bäume gehegt und gepflegt werden. Auf 135 Hektar planen die Forstleute Maßnahmen der Waldverjüngung. Immerhin 47 Hektar sollen in Summe neu bepflanzt werden. Und zwar mit Baumarten, die mit Hitze und Wasserknappheit besser klarkommen, als viele derzeit im Waldportfolio befindlichen Gehölze. Dazu zählen Eiche, Douglasie, Elsbeere, Speierling, Roteiche und Schwarznuss.
Auffällige Sprünge im Betriebsergebnis
Auch die Nadelholz-Laubholz-Quote wollen die Forstleute ändern: Das angestrebte Baumarten-Verhältnis sieht einen Eichenanteil von rund 25 Prozent und einen Nadelholzanteil von 15 Prozent vor. Bisher liegen beide bei etwa 20 Prozent.
War der Stadtwald bis 2015 eine zuverlässige Einnahmequelle mit meist sechsstelligen Beträgen jährlich, so sind die Einnahmen in den Folgejahren stetig zurückgegangen. Erstmals musste 2020 in Höhe von 62.000 Euro zugebuttert werden. Im Vorjahr gab es dann wieder ein sehr ordentliches Betriebsergebnis in Höhe von 380.000 Euro.
Warum 2020 zugebuttert werden musste
Stadtkämmerer Tobias Weidemann erklärt den Sprung: Einerseits habe die Stadt durch günstig verlaufene Ausschreibungen zum Werben des Holzes Kosten gespart, andererseits seien in dem Zeitraum die Marktpreise besonders für Bauholz enorm gestiegen. Laut Revierförster Jürgen Stahl war das schlechte Betriebsergebnis 2020 eine Folge des Borkenkäferjahrs 2019, das hohe Kosten und und geringe Erlöse verursachte. Das wieder gute Ergebnis 2021 sei eine Folge der einmaligen Bundes-Waldprämie. Eppingen konnte 160 000 Euro verbuchen.
Peter Wieser, Fraktionschef der Grünen, schlug mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel vor, die Ausbildung von Forstpersonal zu fördern, etwa über Stipendien. Michael Mairhofer von der SPD-Fraktion ging noch einen Schritt weiter und forderte die Einführung eines Ausbildungsmeisters und anschließend die Ausbildung im eigenen Forstbetrieb. Als dritter im Bunde ging der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Jörg Haueisen, auf das Thema ein. "Wenn man selbst ausbildet, kann man den Nachwuchs so ziehen, wie man es mag."
Eppingen hat den zweitgrößten Kommunalwald in Nordwürttemberg
CDU-Stadtrat Andreas Oechsner regte an, den Wald zur Gewinnung von Ökopunkten zu nutzen. Mairhofer zeigte sich offen, Flächen im Stadtwald zu prüfen, die sich für Windkraft eignen. Alle Fraktionen stimmten schließlich der Fortschreibung der Forsteinrichtung für die kommenden zehn Jahre zu.
Der Eppinger Forst ist 2128 Hektar groß und ist damit der zweitgrößte Kommunalwald in Nordwürttemberg. Nur die Landeshauptstadt Stuttgart hat mit 2700 Hektar mehr Stadtwaldfläche. 82 Prozent der Eppinger Waldfläche sind mit Laubbäumen bestockt, 17 Prozent mit Nadelgehölzen. Die wichtigsten Baumarten sind Buche (41 Prozent), gefolgt von Eiche (20), Bergahorn (10), und Esche (6). Die Douglasie ist mit einem Flächenanteil von sechs Prozent wichtigster Nadelbaum.
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