Schwerverkehr wird in Gemmingen immer mehr zum Problem
Durchfahrende Lastwagen machen den Gemmingern das Leben schwer. In der sanierten Eppinger Straße treten schon wieder erste Schäden auf. Doch die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde sind eingeschränkt.

Vor noch nicht einmal sieben Jahren wurde die damals frisch sanierte Eppinger Straße in Gemmingen ihrer Bestimmung übergeben. Weit mehr als eine Million Euro hatte die Gemeinde seinerzeit investiert, um die marode Straße in ein Schmuckstück mit breiten Bürgersteigen und einem ansprechenden Umfeld zu verwandeln. Doch die Freude währte nicht einmal eine Dekade.
Schnell zeigten sich erste Schäden
Bereits jetzt zeigen sich beispielsweise an den Bordsteinen im Einmündungsbereich zur Richener Straße erste Schäden. „Diese Schäden, ebenso wie die Schäden an den Gehwegen, deren Bausubstanz bereits wieder marode ist, rühren daher, dass Lastwagenanhänger beim Abbiegen über die Bordsteine gezogen werden und über die Gehwege fahren“, erklärte Gemmingens Bürgermeister Timo Wolf im Gespräch mit der Kraichgau Stimme. „Das Problem ist der Ziel- und Quellverkehr des Gemminger Gewerbegebiets, wobei es sich nicht nur um Lastwagen handelt, sondern auch um landwirtschaftliche Fahrzeuge“, macht er deutlich.
Den letzten Punkt bestätigt auch ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er führt dies auf eine Baumaßnahme zurück, bei der Erde durch landwirtschaftliche Gespanne transportiert worden sei. Prinzipiell, so seine Beobachtung, nehme der innerörtliche Verkehr zu. Ein Problem sei, dass sich seiner Einschätzung nach viele ortsfremde Lastwagenfahrer nur nach ihrem Navigationsgerät richteten und nicht auf Schilder achteten. Bei der Querungshilfe für Fußgänger beim Schlosspark gebe es nahezu täglich brenzlige Situationen mit großen Lastwagen. „Und mittendrin laufen Kinder rum.“
Beschwerden von Anwohnern
So wie dieser Anwohner hörbar verärgert, ist auch Timo Wolf die Verärgerung über die Verkehrslage anzumerken, zumal sich Anwohner beschwerten. „Der Verkehr in der Eppinger Straße ist ein Dauerthema“, bestätigt Wolf, „und da ich selbst in unmittelbarer Nähe wohne, sehe ich das selbst auch mehrmals täglich.“ Nicht verhehlen möchte Wolf, dass „es Spitzen im Fahrzeugaufkommen gegeben hat, teils durch Umleitungen, teils durch Erdauffüllungen.“
Gerne würde Wolf Abhilfe schaffen, doch der Gemeinde seien die Hände gebunden. „Das Grundproblem ist, dass es sich um eine Kreisstraße handelt, die man auch nicht so einfach sperren kann. Das letzte Wort hat immer das Landratsamt.“ Die Gemeinde habe schon im Zuge des Umbaus und der Sanierung der Straße 2015 getan, „was ohne Sperrung möglich ist“. Verschwenkungen durch Parkplätze etwa und die Querungshilfe für Fußgänger beim Schlosspark. „Alles Maßnahmen, um die Durchfahrt unattraktiv zu machen“, so Wolf. Zudem wurde der Bereich zwischen der Einmündung zur Richener Straße und dem Bahnübergang als Tempo-30-Zone ausgewiesen.
Längenbeschränkung für Laster möglich
Diese Eingriffe waren der Gemeinde empfohlen worden, es wurde laut Wolf auch in Aussicht gestellt, dass eine Längenbeschränkung für Lkw möglich sei, sollten sich diese Maßnahmen als untauglich erweisen. Nachdem sich nicht nur in der Eppinger Straße das Verkehrsaufkommen spürbar verstärkt hat, „haben wir an die Verkehrsschau 2019 den Antrag auf Längenbeschränkung gestellt“, blickt Wolf zurück. Sehr zum Verdruss der Gemeinde wurde diesem Antrag nicht stattgegeben. „Es heißt, die Straße sei geeignet, um 40-Tonner aufzunehmen.“ Der Bürgermeister verspricht, bei der nächsten Verkehrsschau erneut den Antrag zu stellen. Eine Längenbeschränkung sei auch leicht zu kontrollieren.
„Würde es eine Tonnagebeschränkung geben, könnte das die Polizei vor Ort nicht kontrollieren, denn jeder Lastwagen müsste einzeln gewogen werden. Eine Längenbeschränkung ist aber mit dem bloßen Auge zu kontrollieren, weiß der Verwaltungschef.
Auf eigene Kosten saniert
Bevor Gemmingen 2015 die Eppinger Straße auf eigene Kosten komplett saniert hat, wurde im Gemeinderat bereits die Frage diskutiert, ob man die Klassifizierung als Kreisstraße für diese wichtige Trasse aufhebt und die Industriestraße an den Landkreis abgibt. „Die Industriestraße war damals und ist heute noch gut“, erklärt Bürgermeister Wolf. „Wir hätten also eine marode Straße gegen eine gute Straße getauscht und hätten zusätzlich noch knapp 500.000 Euro für zukünftige Unterhaltungsmaßnahmen an den Landkreis bezahlen müssen. Das hat der Gemeinderat abgelehnt.“
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