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Energiekrise: Kraichgau-Kommunen streben mehr Unabhängigkeit an

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Holzhackschnitzel, Photovoltaik und Co: Wie Kirchardt, Eppingen, Bad Rappenau und Gemmingen versuchen, in Sachen Energie autarker zu werden.

Mit Hilfe von Photovoltaik wird das Wasser im Gemminger Freibad beheizt.
Mit Hilfe von Photovoltaik wird das Wasser im Gemminger Freibad beheizt.  Foto: Seidel

Die Notwendigkeit, möglichst rasch von Gas- und Ölimporten unabhängiger zu werden, ist längst auch in der Region angekommen. Alternative Stromlieferanten wie Sonne, Wind und Holz aus heimischem Anbau liegen im Trend.

In Kirchardt ist die Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG) Kraichgau gerade dabei, eine Nahwärmeversorgung fertigzustellen. Sie arbeitet klimaneutral mit Holzhackschnitzeln. Bereits die kommende Heizperiode werde mit dem nachwachsenden Energieträger bestritten, berichtet Michael Baumgartner, Leiter des Bau- und Ordnungsamts. Zu den ersten Ankernutzern zählt die neue Zweigstelle des Katharinenstifts, auf deren Gelände in der Goethestraße auch die Anlage installiert wird. Außerdem werden die Schule, die Festhalle, die Sporthalle, das Hallenbad und das bisherige Rathaus mit der Nahwärme versorgt. Jetzt schon in Planung ist die Anbindung des Kindergartens in der Goethestraße und später auch des neuen Rathauses.

 


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Bald Nahwärme auch für private Haushalte in Kirchardt

Die BEG und die Gemeinde Kirchardt arbeiten gerade daran, auch privaten Haushalten die Nahwärmeversorgung zu ermöglichen. Zunächst kommen dafür Häuser in der Goethestraße, Uhlandstraße, Hebelstraße und Teile der Schillerstraße in Betracht, das sind 25 Objekte. Nach einer kürzlich durchgeführten Abfrage hätten schon zehn Privathaushalte Interesse angemeldet, an die Nahwärmeversorgung mit angeschlossen zu werden, berichtet Baumgartner.

Der Druck, unabhängiger von Öl, Gas und auch von Kohle aus dem Ausland zu werden beschäftigt seit Monaten auch den Gemminger Gemeinderat. Der plant zusammen mit der Firma Max Solar einen Bürgersolarpark zwischen Stebbach und Richen. Im Mai hat das Gremium die planungsrechtlichen Weichen stellt. Das Projekt ist nicht unumstritten, weil der Solarpark auf Ackerfläche entstehen soll.

Gemmingen und Eppingen loten Konzepte aus

Auch in Eppingen hat der Austausch über Flächensolaranlagen wie hier in Rohrbach begonnen. Das Dilemma zwischen Flächenverbrauch und Landwirtschaft bleibt.
Auch in Eppingen hat der Austausch über Flächensolaranlagen wie hier in Rohrbach begonnen. Das Dilemma zwischen Flächenverbrauch und Landwirtschaft bleibt.  Foto: Hettich

Die 30 Hektar große Anlage könnte durch die schlichte Größe dennoch bedeutsam werden: Der Regionalverband Heilbronn-Franken jedenfalls steht hinter den Gemminger Plänen. Die Firma Max Solar verfolgt mit dem Einsatz von Speichermedien, der Unterstützung von Elektromobilität und Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger zudem einen breiten Ansatz. Darüber hinaus befasst sich auch Gemmingen mit einem Thema, das alle Kommunen in diesem Herbst angehen werden: mit dem Einsparen von Energie in öffentlichen Gebäuden und im Straßenraum. "Im Moment schauen wir uns alle Möglichkeiten an", sagt Rathaussprecherin Jennifer Bastian.

 


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Auch in der Gartenschaustadt Eppingen ist man noch nicht so weit: "Zum Thema Wärmeversorgung und Gas prüft die Stadt Eppingen derzeit verschiedene Konzepte und die vorgeschlagenen Maßnahmen, inwieweit der Wärme- und Gasverbrauch reduziert werden kann", lässt das Rathaus verlauten. Qualifizierte und belastbare Aussagen könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden, heißt es weiter auf die Frage, wie es die Fachwerkstadt mit der Abhängigkeit vom russischen Gas hält und ob es Bestrebungen gibt, davon unabhängiger zu werden. Immerhin hat die Große Kreisstadt Eppingen kein Freibad zu betreiben.

Schwimmbäder fressen viel Energie

Die künftige Tagespflege in Schloss Heinsheim wird mit Erdwärme geheizt. In Heinsheim selbst gibt es keine Gasversorgung.
Die künftige Tagespflege in Schloss Heinsheim wird mit Erdwärme geheizt. In Heinsheim selbst gibt es keine Gasversorgung.  Foto: Plapp-Schirmer

Wärmeres Wasser kann anbieten, wer bei der Wasseraufbereitung auf Solar setzt, etwa Gemmingen im Imre-Gutyan-Bad: "Wir haben zwar auch Gas", sagt der dortige Bürgermeister Timo Wolf, "aber nur für das Warmwasser in den Duschen. Das ist finanziell überschaubar."

In Bad Rappenau heizt das Rappsodie das Hallen- und das Freibad mit Fernwärme des örtlichen Kompostunternehmens Bauer. Davon wird in Zukunft auch der Teilort Heinsheim profitieren. Der Gemeinderat hat im Juli beschlossen, die dortigen städtischen Liegenschaften von Ölheizungen auf Fernwärme umzustellen und an das Fernwärmenetz anzuschließen. Damit will man unabhängiger von Drittstaaten werden. Außerdem sei es damit möglich, Bad Rappenau ein Stück weit klimafreundlicher zu gestalten, erklärte Oberbürgermeister Sebastian Frei. Ob noch weitere Gebäude in anderen Teilorten folgen, steht derzeit noch nicht fest.

 


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Bad Rappenau setzt auf Nachhaltigkeit

Die Hürde ist allerdings hoch, denn Bauer Kompost benötigt einen Ankerkunden vor Ort. Mit dem Erwerb des Heinsheimer Schlosses ist dort dieser Part erfüllt.

Auch beim Strom setzt die Kurstadt auf Nachhaltigkeit. Seit einigen Jahren werden Gebäude wie das Rathaus und die Bürgerbüros mit Ökostrom aus Erneuerbaren Energien beliefert.

 


Innovative Projekte

Nicht nur Kommunen denken über die Erzeugung oder Beschaffung alternativer Energien nach. Unter den Landwirten halten viele Ausschau nach innovativen Projekten, um den Fortbestand ihrer Betriebe für die nächste Generation zu sichern, etwa durch den Bau von Biogasanlagen. Der Ehrstädter Mike von Gemmingen-Hornberg plant den Bau einer Photovoltaikanlage an der Autobahn, in Höhe von Fürfeld. Um den dortigen Acker als landwirtschaftliche Fläche weiterhin nutzen zu können, plant der Investor eine Anlage, die zwischen den einzelnen Modulen genügend Platz dafür lässt.


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