Hohenloher Ebene
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Autarkie als großes Ziel: Wie auf der Hohenloher Ebene die Energiewende vorangetrieben wird

Gleich vier sogenannte Bioenergiedörfer auf engem Raum: Das ist landesweit einzigartig. Aber auch in puncto Windkraft und Photovoltaik wird in den kommenden Jahren einiges geschehen, um dem Klimawandel zu begegnen und möglichst große Energie-Autarkie zu erzielen.

Christian Nick
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Lesezeit 2 Min
Autarkie als großes Ziel: Wie auf der Hohenloger Ebene die Energiewende vorangetrieben wird
Ökostrom aus luftiger Höhe: Auf diesem Hochplateau des Steinbruchs in Kupferzell-Rüblingen sonnen sich seit 2019 Tausende Solarmodule. Auch große Firmen setzen verstärkt auf Photovoltaik. Foto: Archiv/privat  Foto: Nick

Im Kupferzeller Teilort Hesselbronn haben die meisten Einwohner eine große Sorge nicht, welche derzeit Millionen Menschen in Deutschland umtreibt: die vor kaum zu stemmenden Heizkosten und Versorgungsnot im kommenden Herbst und Winter. Denn das 110-Einwohner-Örtchen ist eines von insgesamt vier Bioenergiedörfern im Hohenlohekreis, versorgt über zwei Drittel seiner Haushalte mit per Biogasanlage selbstproduzierter Energie und Wärme über sein örtliches Verteilnetz.

"Unsere Netzteilnehmer freuen sich über Versorgungssicherheit und einen günstigen Preis", beschreibt Rolf Stirn, Landwirtschaftsmeister und Gründer der kleinen Versorgungsstrukur, die Vorzüge der Energie-Autarkie. Gerne würden Stirn und seine Mitgesellschafter derzeit noch mehr Strom und Wärme erzeugen. Die Anlage gäbe das auch her, berichtet er: "Wir könnten die Kapazität noch um weitere 30 Prozent steigern." Dann könnten zusätzliche Haushalte ans Netz angeschlossen - und damit unabhängig von fossilen Brennstoffen werden. Aber: Das Baurecht setzt der Produktion momentan ein Limit. "Das müsste der Gesetzgeber erst ändern", bedauert Rolf Stirn.

Es tut sich was

Mit gleich vier Bioenergiedörfern ist der hiesige Kreis bundesweit Spitzenreiter in der entsprechenden Statistik - oder eigentlich: die Hohenloher Ebene. Denn mit Untermaßholderbach, Siebeneich, Füßbach und eben Hesselbronn liegen alle vier lokalen Vorreiter für Klimaschutz und Energiewende im südlichen Teil des Landkreises.

Autarkie als großes Ziel: Wie auf der Hohenloger Ebene die Energiewende vorangetrieben wird
Der Minister ist längst nicht mehr im Amt − das Bioenergiedorf freilich gibt es noch: Vor einem Jahrzehnt war der kleine Bretzfelder Teilort ein Pionier. Foto: Archiv/Färber  Foto: Färber

Und nicht nur in puncto Nutzung von Biomasse wird die Hohenloher Ebene zunehmend zum Schauplatz der Energiewende: Im Frühjahr gingen zwei Windkraftanlagen bei Bretzfeld in Betrieb, ab Oktober werden insgesamt sieben neue Windräder zwischen Waldenburg, Neuenstein und Öhringen gebaut - und auch im Gleichener Wald sollen sich künftig die Rotoren zweier Anlagen drehen.

In Sachen Photovoltaik indessen präsentiert sich ein Zielkonflikt der Energiewende auf der Hohenloher Ebene besonders deutlich: Hier befinden sich die besten landwirtschaftlichen Böden des Landkreises. Daher ist es oft durchaus strittig, ob ebendiese für die Installation von Solarparks geopfert werden sollen. Dennoch sind im vergangenen Jahrzehnt auch hier bereits mehrere große Photovoltaik-Anlagen entstanden - 2014 beispielsweise mit 1,98 Megawatt die seinerzeit größte im Landkreis oberhalb von Verrenberg. Aktuell weisen besonders die Gemeinden Bretzfeld und Kupferzell viele Flächen für die Nutzung mittels Solarenergie aus.

In Kupferzell sollen in der näheren Zukunft gleich drei PV-Anlagen gebaut werden. Zwei davon werden bereits im kommenden Jahr entstehen. Aber auch andernorts wird diejenige Form der Erzeugung regenerativer Energie, welche in der Bevölkerung wohl die größte Akzeptanz genießt, vorangetrieben: Die Schwäbisch Haller Stadtwerke werden an der A6 beispielsweise eine 3,5-Hektar-Photovoltaik-Anlage errichten. Sie wird der erste Solarpark auf Waldenburger Territorium werden und sich südlich der Fahrbahn zwischen Raststätte Hohenlohe und Waldenburger Kläranlage befinden. Rund 500 Haushalte können durch die geplanten 3000 bis 4000 einzelnen Solarmodule mit Ökostrom versorgt werden. Im kommenden Jahr soll voraussichtlich mit dem Bau begonnen werden.

Intelligente Lösungen sind gefragt

Ein Mittel, um den Interessenkonflikt zwischen landwirtschaftlicher Nutzung, Flächenverbrauch und klimaschonender Energieerzeugung zu entschärfen: Das sind die sogenannten Agri-PV-Anlagen.

Bei der in jüngerer Vergangenheit entwickelten Technik stehen die Solarzellen auf einer Art Stelzen - darunter bleibt der Anbau gewisser Pflanzen möglich. Diese eierlegende Wollmilchsau der Solarenergie wird wohl auch und gerade auf der Hohenloher Ebene zukünftig verstärkt Anwendung finden.

Den im gesamtgesellschaftlichen Fokus größten Beitrag für die Energieversorgung der Zukunft leistet indes der Netzbooster: Die 190-Millionen-Euro-Riesenbatterie soll ab 2024 in Kupferzell gebaut werden.

 
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