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Verurteilter noch im Gefängnis
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Kriminalfall „Bäcker von Siegelsbach“: Vor 20 Jahren begann der Prozess

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Vor 20 Jahren begann in Heilbronn der Prozess um den „Bäcker von Siegelsbach“ – ein Kriminalfall, der bundesweit Schlagzeilen machte. Erst freigesprochen, später zu lebenslanger Haft verurteilt. Wir werfen einen Blick zurück.

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Heute vor 20 Jahren hat vor dem Landgericht Heilbronn ein Gerichtsprozess begonnen, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Der Fall „Bäcker von Siegelsbach“ zählt aufgrund seiner Brutalität zu einem der spektakulärsten Fälle der Nachkriegsgeschichte in der Region Heilbronn. Nicht allein wegen der grausamen Tat am 7. Oktober 2004, als ein damals noch Unbekannter die Sparkasse Siegelsbach überfiel. Er erbeutete etwa 33.500 Euro, erschoss eine Zeugin und verletzte deren Ehemann und einen Angestellten der Sparkasse lebensgefährlich.

Zeuge erwacht aus Koma: Bäcker von Siegelsbach gerät ins Visier der Ermittler

Der überlebende Ehemann, der einen Tag nach dem Überfall im Krankenhaus aus dem Koma erwacht war, soll dort einem Polizeibeamten gegenüber eindeutig und unmissverständlich erklärt haben, wer ihn niedergeschlagen hatte: Der Ortsbäcker sei es gewesen. Einen Tag später, am 8. Oktober, einem Freitagabend, wurde der damals 46-jährige Dorfbäcker aus Siegelsbach unter dem dringenden Tatverdacht, der Raubmörder zu sein, festgenommen.

Ein halbes Jahr später wurde ihm vor dem Landgericht Heilbronn der Prozess gemacht. Der Fall ging auch deshalb in die Kriminalgeschichte ein, weil die 1. Große Strafkammer den Angeklagten trotz erdrückender Indizien freisprach. Der Vorsitzende Richter erklärte in seiner mündlichen Urteilsverkündung, die Kammer gehe von einer „erwiesenen Unschuld“ des Angeklagten aus. Der dorfbekannte Hobbyjäger, der stets seine Unschuld beteuerte und Gericht beharrlich schwieg, war damit weder Angeklagter noch Tatverdächtiger: Der Bäcker von Siegelsbach verließ den Gerichtssaal als freier Mann.

Fall „Bäcker von Siegelsbach“: Verurteilter soll Tat bislang nicht zugegeben haben

Ermittler, Siegelsbacher Bürger, Prozessbesucher und -beteiligte waren fassungslos. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger legten Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe ein. Mit Erfolg. Gut ein Jahr später kassierte der BGH den Freispruch wegen fehlerhafter Beweisführung.

Das Landgericht Heilbronn verschaffte sich während des Prozesses gegen den Dorfbäcker von Siegelsbach vor Ort ein Bild vom Tatort.
Das Landgericht Heilbronn verschaffte sich während des Prozesses gegen den Dorfbäcker von Siegelsbach vor Ort ein Bild vom Tatort.  Foto: Veigel

Der Prozess wurde vor dem Landgericht Stuttgart erneut verhandelt. Die dortige 9. Strafkammer legte einen ordentlichen Zahn zu. Im Vergleich zum bundesweit verfolgten Prozess am Landgericht Heilbronn, der mehr als ein Jahr dauerte, setzte das Landgericht Stuttgart zweieinhalb Monate an. Am 10. April 2008 verurteilte die Kammer den Bäcker von Siegelsbach zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest.

Der heute 67-Jährige sitzt seitdem im Gefängnis. Dort wird er auch noch eine Weile bleiben. Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Heilbronn entschied, dass der Bäcker mindestens bis Ende 2027 in Haft bleiben muss. Die Tat soll er bislang nicht zugegeben haben.


Fall „Bäcker von Siegelsbach“: Weitere Folgen bei Stimme.de

Wir schauen in den kommenden Tagen zurück auf den Prozessbeginn vor 20 Jahren und sprechen mit dem damaligen Soko-Leiter, dem Staatsanwalt und einem Anwalt eines der Opfer.

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