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Großbrand, Stromausfall, Notfallversorgung – so lief die Katastrophenschutzübung in Eppingen

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Am 10. Mai stand Eppingen ganz im Zeichen des Bevölkerungsschutzes: Die Stadt probte den Katastrophenfall. Damit ist Eppingen die erste Kommune im Landkreis Heilbronn. So lief die Übung ab.

von Nicole Theuer

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Es ist tiefster Winter in Eppingen. 23.000 Menschen sind nach einem Brand im Umspannwerk stundenlang ohne Strom, die medizinische Versorgung lahmgelegt, das Handynetz zusammengebrochen. Das Szenario, das klingt wie der Anfang eines Films, ist am Samstag die Grundlage für eine Katastrophenschutzübung in Eppingen gewesen.

Wie funktioniert die Verwaltung, wenn sie minütlich vor neue Herausforderungen gestellt wird? Wie versorgt man die Menschen, die in ihren kälter werdenden Wohnungen ohne Heizung und Warmwasser sitzen? Und wie arbeiten die verschiedenen Hilfsorganisationen wie Freiwillige Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz und Ehrenamtliche zusammen? Das sind die Fragen, über die sich die Verantwortlichen in Eppingen eine Antwort durch die Übung erhoffen.

Eppingen probt großen Stromausfall: Großbrand als Szenario für Katastrophenschutzübung

Am Samstagmorgen kurz nach 8 Uhr wird Oberbürgermeister Klaus Holaschke darüber informiert, dass es im Umspannwerk einen Großbrand gegeben hat. Die Folge: ein flächendeckender Stromausfall. Die Rauchgase des Brandes ziehen in die Nordstadt und in Richtung des Stadtteils Adelshofen. Von dem Stromausfall sind alle Stadtteile in Eppingen sowie die Wasserversorgung, Kläranlage, Altenheime und viele weitere Einrichtungen betroffen.

Deshalb sind Notfalltreffpunkte in der Kernstadt Eppingens sowie in den Stadtteilen nötig. Sie sollen als Anlaufstelle für Menschen dienen, die auf Hilfe angewiesen sind. Zusätzlich werden im Stadtgebiet Notrufposten eingerichtet, die die Rolle des nicht mehr erreichbaren Notrufs übernehmen und erste Hilfe leisten. Ebenso wird das medizinische Versorgungszentrum aufgebaut.

Schutz im Extremfall: Eppingen probt mit Einsatzkräften

Nachdem er informiert worden ist, eilt Holaschke ins Rathaus und setzte nur ein paar Minuten später den Verwaltungsstab unter der Leitung von Bürgermeister Peter Thalmann ein. Während der Brand selbstverständlich nur theoretisch angenommen wurde, tritt der Verwaltungsstab real in Aktion. „In der Folge haben wir an der Bewältigung der Schadenslage gearbeitet“, erläutert Thalmann im Rahmen einer Pressekonferenz und verrät, dass fast minütlich neue, fiktive Meldungen gibt.

Katastrophenschutzübung in Eppingen – etliche Helfer im Einsatz

Neben den 220 Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr, etwa 40 Helfern des Deutschen Roten Kreuzes und unzähligen ehrenamtlichen Helfern sind am Samstag auch Übungsbeobachter vor Ort gewesen. Unter anderem Mitarbeiter des Regierungspräsidiums und Landratsamtes schauten zu und waren am Ende nach ihrer Meinung gefragt. Während sich 91 Einspieler mit fiktiven neuen Herausforderungen geplant waren, war die Alarmierung nach Mühlbach Realität. Eine Brandmeldeanlage hatte ausgelöst und die Feuerwehr auf den Plan gerufen.

„Dabei muss man beachten, dass wir das Geschehen, das sich über Stunden abgespielt hätte, komprimiert auf diese vier Stunden Übungszeit haben.“ Erschwerend kommt hinzu, dass der Schadensfall nicht im warmen Mai angenommen wurde, sondern an einem 8. Januar bei einer Tagestemperatur von sechs Grad Celsius und einer Nachttemperatur von zwei Grad Celsius.

Stromversorgung im Notfall: Eppingen probt Katastrophenschutz

Das bedeutet auch für das Seniorenstift in der Waldstraße Stress. „Wir haben dort einen Notstromerzeuger, damit die Senioren nicht in der Kälte sitzen“, erläutert Thalmann. „Dort haben wir 30 Personen, die unter Erschöpfungszuständen leiden und verlegt werden mussten.“ Mit Strom seien neben dem Seniorenheim auch alle Notfalltreffpunkte sowie das Rathaus mit versorgt worden. Eigentlich sollten auch Sirenen ausgelöst werden. Um die Bürger nicht zu beunruhigen verzichtete die Stadt Eppingen darauf allerdings.

„Fiktiv habe ich auch noch einen Anruf vom größten Arbeitgeber in unserer Stadt bekommen, der zur Aufrechterhaltung der Produktion auch Notstrom braucht“, erklärt Holaschke. Auch dort wurde ein Notstromaggregat installiert. „Die NetzeBW hat als Netzbetreiber zugesagt, dass im Ernstfall mehr als nur ein großes Notstromaggregat, das aktuell beim Feuerwehrhaus steht, bereitstehen würde.“ Im Ernstfall gebe es auch in Eppingen Kraftstoff für die Einsatzfahrzeuge. Laut Feuerwehrkommandant Thomas Blösch sei mit dem Tankstellen-Betreiber vereinbart, dass eine gewisse Menge immer zurückgehalten werde.

Katastrophenschutzübung in Eppingen: Bürgermeister ziehen erstes Fazit

Bei der Konzeption der Übung haben die Verantwortlichen nicht nur an die Bevölkerung gedacht, sondern auch an die Einsatzkräfte. Deshalb wurde in der Grundschule im Rot ein Betreuungspunkt für die Kinder der Einsatzkräfte eingerichtet. „Wir möchten vermeiden, dass ein Vater nach zwölf Stunden Einsatz zum Kleidungswechsel nach Hause kommt und dann die Frau sauer ist und sagt, der Vater könne sich auch mal um die Kinder kümmern“, so Blösch. Deshalb stehen geschulte Kräfte bereit, um die Kinder zu beschäftigen und zu versorgen.

Das erste Fazit von Holaschke, Thalmann und Blösch sieht kurz vor Ende der Übung positiv aus. Allerdings macht Thalmann deutlich: „Die Nacharbeiten wie die Auswertung der Fragebögen, die wir ausgegeben haben, wird Tage in Anspruch nehmen.“

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