Stromtrasse zwischen Kupferzell und Großgartach: 100 neue Masten werden gebaut
Eine neue 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung führt von Bayern über Hohenlohe nach Leingarten-Großgartach. Dafür werden mehr als 100 Masten neu gebaut. Wozu das nötig ist und wie weit die Bauarbeiten sind.
Sie sind nicht zu übersehen: Mächtige Masten aus grauem Stahl, die die Landschaft durchziehen. Kilometerlange Leitungen, die wie Spinnweben von Mast zu Mast hängen. Mancherorts, wie etwa bei Friedrichsruhe, liegen derzeit Einzelteile dieser großen Stahlkonstruktionen am Boden. Als wäre einer umgefallen und zerbrochen. Doch das ist selbstverständlich nicht der Fall. Die Einzelteile zeugen von den Bauarbeiten an der Stromtrasse.
In drei Abschnitten wird diese auf einer Strecke von 150 Kilometern zwischen Grafenrheinfeld (Landkreis Schweinfurt, Bayern) über Kupferzell bis Leingarten-Großgartach verstärkt: Mit einer zusätzlichen 380-Kilovolt-Leitung soll das Übertragungsnetz in der Region leistungsfähiger gemacht werden.
Neue Höchstspannungsleitung führt von Bayern über Hohenlohe nach Leingarten
Die Arbeiten an den Strommasten im Abschnitt zwei von Rittershausen (Bayern) nach Kupferzell seien abgeschlossen. Auf rund drei Viertel der Strecke seien außerdem bereits die neuen Stromkreise aufgelegt, erklärt Netzbetreiber Transnet BW auf Nachfrage, hieran arbeite man in den nächsten Monaten weiter. Transnet ist für die Bauabschnitte zwei und drei des Projekts zuständig.
Der erste Abschnitt, der sich komplett in Bayern befindet, wird vom Unternehmen Tennet betreut. Im Sommer sollen zwischen Bayern und Kupferzell bereits alle Maßnahmen beendet sein. In vielen Fällen musste hier lediglich die Bestandsleitung mit einer zusätzlichen 380-Kilovolt-Leitung ergänzt werden.

Dieser zweite Abschnitt beginnt südwestlich von Rittershausen. Die Stromleitung erreicht Baden-Württemberg auf dem nördlichen Gebiet der Stadt Weikersheim, kreuzt die Taubertalbahn, überspannt westlich von Mulfingen das Gewerbegebiet Ettetal, die Landesstraße L1025 und die Jagst. Die Leitung quert bei Künzelsau-Morsbach den Kocher und führt bis zum Umspannwerk Kupferzell. Parallel baut die Transnet BW in Kupferzell auch den sogenannten Netzbooster, ein Batteriespeicherkraftwerk, das Schwankungen im Stromnetz ausgleichen soll, die im Zuge der Energiewende auftreten können (wir berichteten).
Neue Leitung ist unabhängig von Kupferzeller Netzbooster und Suedlink
Die neue Höchstspannungsleitung werde aber „unabhängig von den Projekten Netzbooster Kupferzell und Suedlink realisiert“, so Transnet-Sprecher David Schiek. Suedlink ist die geplante Strom-Autobahn, die hauptsächlich über Erdkabel unter anderem den Windstrom von Norddeutschland in den Süden bringen soll. Auch die verstärkte 380-Kilovolt-Leitung habe aber „eine wichtige Transportfunktion in Nord-Süd-Richtung“. Diese zu verstärken, trage dazu bei, die Übertragungskapazität zu erhöhen, Überlastungen im Netz entgegenzuwirken und die in der Region erzeugte erneuerbare Energie in das Übertragungsnetz zu integrieren.
Mehr als 100 neue Masten müssen zwischen Kupferzell und Leingarten gebaut werden
Zwischen Kupferzell und dem Umspannwerk Großgartach betreibt Transnet BW eine Leitungsanlage, die momentan mit einem 220-Kilovolt- und einem 380-Kilovolt-Stromkreis belegt ist. Der 220er Stromkreis sei jedoch außer Betrieb. Künftig sollen nun zwei 380-Kilovolt-Stromkreise zwischen den beiden Umspannwerken betrieben werden. Aus statischen Gründen sei die vorhandene Anlage hier aber nicht geeignet, zwei 380-Kilovolt-Stromkreise zu tragen. Daher ist ein Ersatzneubau weitestgehend in bestehender Trasse geplant. Die alten Masten und Leiterseile werden also schrittweise zurückgebaut und gegen neue, dem heutigen Stand entsprechende ausgetauscht.

Stromtrasse in der Region: Der letzte Bauabschnitt soll 2026 in Betrieb gehen
Die Trasse verläuft dabei von Leingarten aus gesehen in nordöstliche Richtung vorbei an Neckarsulm und Neuenstadt am Kocher, anschließend über Öhringen-Ohrnberg, Zweiflingen und Neuenstein-Kirchensall bis Kupferzell. „Zwischen Kupferzell und Großgartach wurden mehr als 90 von 130 Fundamenten hergestellt und sieben Maste neu gebaut“, erklärt David Schiek. Insgesamt werden hier über 100 Masten errichtet und parallel dazu Seilzugarbeiten durchgeführt. Für diesen dritten und letzten Abschnitt sei die Inbetriebnahme in 2026 vorgesehen.
Insgesamt seien mehr als die Hälfte der Arbeiten an der Verstärkung der Stromtrasse abgeschlossen, „in rund der Hälfte der geplanten Bauzeit“, betont Schiek.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare