Schaf in Hohenlohe von Wolf gerissen? Experten sind sich uneinig
Noch immer ist unklar, ob in Hohenlohe ein Schaf von einem Wolf gerissen wurde. Auch das Tier, das zuvor bei den Bretzfelder Hälden gesichtet wurde, kann nicht geklärt werden. Warum sich zwei Wildtier-Experten widersprechen.
Der Nachbar hatte ihn darauf aufmerksam gemacht: Am 10. Januar findet Roland Hormel aus dem kleinen Weiler Maibach bei Mainhardt den Kadaver seines Kamerunschafbocks „Bo“ auf der Weide nahe dem landwirtschaftlichen Anwesen. Der Bock war zu diesem Zeitpunkt ein Jahr alt und wog 40 Kilogramm. Der Wildtierbeauftragte des Landkreises untersucht die Überreste des Tieres, nimmt DNA-Proben und dokumentiert den Schafsriss.
Gerissenes Schaf in Mainhardt: Doch kein Wolf in Hohenlohe?
Wie in Deutschland üblich untersucht das Senckenberg-Zentrum für Wildtiergenetik die DNA-Proben. Am 31. Januar gibt das Umweltministerium eine Meldung zu dem Vorfall heraus mit dem Hinweis: „Ein Wolf kann als Verursacher ausgeschlossen werden.“ Auf Anfrage teilt die Pressestelle des Ministeriums mit, dass die DNA-Analyse nur auf einen Fuchs angeschlagen habe.
Ob jedoch ein Fuchs auch der Täter sei, könne nicht endgültig geklärt werden: Zwar habe mindestens ein Fuchs von dem Tier gefressen – ob er aber den Bock getötet habe oder ob erst später ein Fuchs dazu kam und ebenfalls davon fraß, bleibt offen. „Nachnutzung“ heißt Letzteres im Fachjargon. Eine Nachnutzung des Kadavers durch weitere Aasfresser, auch durch Vögel, könne nicht ausgeschlossen werden. Dann sei nicht verwunderlich, wieso ein Großteil des Tieres – 50 bis 75 Prozent – samt Innereien aufgefressen war.
War der Täter doch ein Wolf? Warum ein zweiter Experte es für möglich hält
Friedrich Noltenius, ein Wildtierbeauftragter in Sachsen, sieht sich auf Wunsch des Tierhalters ebenfalls Bericht und Fotos an. Er kommt zu einer gegensätzlichen Einschätzung: „Einen Kamerunbock von 40 Kilogramm reißt ein Fuchs nicht.“ Gemeinschaftliches Töten gebe es bei Füchsen nicht. Nachnutzung durch den Fuchs hält er für plausibel: Noltenius rechnet vor, dass am Kadaver ungefähr sieben bis zwölf Kilo Fleisch fehlen. Die Mahlzeit eines Wolfs betrage etwa fünf Kilo, den Rest könnten Füchse und Vögel gefressen haben.
Noch etwas spreche gegen den Fuchs als Verursacher: „Er kann das Fell eines Schafes nicht in der Weise aufreißen, wie es auf den Bildern zu sehen ist.“ Das weit aufgerissene Fell sei ein Anhaltspunkt für einen Wolf. Noltenius meint: „Der Wolf als Verursacher kann anhand der vorliegenden privaten Bilder und des Protokolls keinesfalls ausgeschlossen werden.“ Zumal die Genspur des Wolfes bei starker Nachnutzung schnell verschwinde.
Wolfsichtung bei Bretzfeld? Warum ein Foto Zweifel nährt
Wenige Tage vor dem Riss am 10. Januar kam es bei Bretzfeld, in einer Entfernung von rund 15 Kilometer Luftlinie zu Maibach, zu mehreren Sichtungen eines „wolfsähnlichen Tieres“. Zwischen den Teilorten Hälden und Adolzfurt hatte ein Paar einen mutmaßlichen Wolf beim Überqueren der Straße gefilmt. Dieses Video wurde der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) zur Auswertung übersandt.

Dort heißt es: „Das Video zeigt einen wolfsähnlichen Caniden. Aufgrund der unzureichenden Bildqualität und der Verwechslungsgefahr mit wolfsähnlichen Haushunderassen war eine sichere Bewertung in diesem Fall nicht möglich. Die Meldung wurde entsprechend der nationalen Monitoringstandards als C3-Hinweis eingestuft.“ In Kategorie C3 landen alle Sichtungen, bei denen ein Wolf, Luchs oder Bär aufgrund der mangelnden Indizienlage weder bestätigt noch ausgeschlossen werden kann. Mehrere Leser der Hohenloher Zeitung hatten damals nach der ersten Berichterstattung mit dem nebenstehenden Bild vermutet, es könne auch ein Schäferhund sein.
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