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Kochertalbahn im Hohenlohekreis: Bevorzugte Trasse soll bis Ende 2026 stehen

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Die mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Künzelsau, Kupferzell und Waldenburg nimmt Fahrt auf. Wie ist der Stand, was kommt als Nächstes? Die zwölf wichtigsten Fragen.


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Die Planung zur möglichen Reaktivierung der Kochertalbahn nimmt in diesem Jahr Fahrt auf. Bei einer ersten großen Informationsveranstaltung in Kupferzell wurden am Mittwoch rund 300 interessierte Besucher auf den aktuellen Stand gebracht. Bis Ende 2026 soll eine Trasse gefunden sein, die danach noch genauer untersucht wird. Diese „Vorzugsvariante“ muss nicht nur wirtschaftlich sein, sondern auch von allen betroffenen Kommunen akzeptiert werden. Deshalb ist eine intensive Beteiligung der Bürger so wichtig. Die Stimme bringt die zentralen Fakten des Abends auf den Punkt.

Rainer Flotho vom Planungsbüro TTK erklärt Besuchern die Trassenvarianten zwischen Künzelsau und Gaisbach. Rechts Bürgermeister Stefan Neumann.
Rainer Flotho vom Planungsbüro TTK erklärt Besuchern die Trassenvarianten zwischen Künzelsau und Gaisbach. Rechts Bürgermeister Stefan Neumann.  Foto: Reichert, Ralf

Kochertalbahn: Wie ist der Planungsstand?

Die Vorplanung läuft. Sie stützt sich auf die erweiterte Machbarkeitsstudie von 2023, deren Ergebnis positiv war. Das heißt: Die Reaktivierung ist gesamtwirtschaftlich sinnvoll. Nur wenn dieses Siegel vorliegt, fördern Bund und Land solche Projekte – das ist die Grundbedingung, damit Kommunen sie finanziell stemmen können.

Die Ingenieurbüros Obermeyer, Schüßler-Plan und TTK sind von der Stadt Künzelsau 2025 beauftragt worden, zwei Trassenvarianten weiter zu untersuchen und bis Ende 2026 eine favorisierte Trassenführung ins Rennen zu schicken, die dann auf ihre Wirtschaftlichkeit untersucht wird. Nur wenn die Kosten im Rahmen dieser „Standardisierten Bewertung“ in einem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen stehen, ist eine Förderung und damit Umsetzung möglich.

Wie geht es weiter, wenn die Wirtschaftlichkeit besiegelt ist?

Wenn die Reaktivierung der Kochertalbahn volkswirtschaftlich vertretbar und damit förderfähig ist, folgt eine eisenbahnwirtschaftliche Untersuchung (EBWU). Fällt auch diese positiv aus, müssen die Gemeinderäte von Künzelsau, Kupferzell und Waldenburg beschließen, ob sie das Projekt weiter verfolgen oder beerdigen. Kupferzell und Waldenburg haben 2024 in einer früheren Phase den Daumen gesenkt, Künzelsau steht voll dahinter und hat die Projektträgerschaft vom Hohenlohekreis übernommen, der die Reaktivierung weiterhin unterstützt.

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Kochertalbahn: Was folgt, wenn alle drei Gemeinderäte grünes Licht geben?

Dann geht es an die Entwurfsplanung, die Genehmigungsplanung und die Ausführungsplanung. Wenn das zentrale Planfeststellungsverfahren positiv abgeschlossen ist, gilt das Vorhaben als genehmigt. Anschließend könnte gebaut werden.

Bis wann soll die Kochertalbahn reaktiviert sein, wenn alles im Kasten wäre?

Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann sagte am Mittwoch: „So schnell wie möglich.“ Also „nicht bis in 20 oder 25 Jahren, sondern „noch in den 30er Jahren“.

Solche Stadtbahnzüge mit elektrischem Antrieb vom Typ VDV Tram-Train kämen auf der reaktivierten Kochertalbahn zum Einsatz. Sie haben 93 Sitz- und 136 Stehplätze.
Solche Stadtbahnzüge mit elektrischem Antrieb vom Typ VDV Tram-Train kämen auf der reaktivierten Kochertalbahn zum Einsatz. Sie haben 93 Sitz- und 136 Stehplätze.  Foto: Reichert, Ralf

Was kostet die Reaktivierung der Kochertalbahn?

Derzeit liegen zwei grobe Trassenvarianten auf dem Tisch, die im Detail aber noch nicht ausgereift sind. Die Variante durchs Künsbachtal soll 194,5 Millionen Euro kosten, die Tunnelvariante 274 Millionen Euro.

Wer soll die Baukosten für die Kochertalbahn bezahlen?

Bis zu 90 Prozent der förderfähigen Investitionskosten tragen Bund und Land. Das gab es noch nie. Den Rest müssen die Kommunen stemmen.

Wie ist die geplante Taktung der Kochertalbahn?

Der Stundentakt wäre Standard, in den Hauptverkehrszeiten würde dieser auf 30 Minuten verdichtet.

Wer trägt die Betriebskosten der Kochertalbahn?

Das dürfte am Ende die entscheidende Frage sein, denn anders als die einmalige Investition wären diese dauerhaft zu bezahlen. Für den normalen Bahnbetrieb übernimmt das Land die gesamten Betriebskosten, für den bei der Kochertalbahn geplanten und deutlich günstigeren S-Bahnbetrieb wären es 75 Prozent.


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Ohne breite Akzeptanz keine Renaissance der Kochertalbahn


Welche Züge kämen auf der Kochertalbahn zum Einsatz?

Stadtbahnzüge mit elektrischem Antrieb vom Typ VDV Tram-Train mit 93 Sitz- und 136 Stehplätzen. Sie sind 37,2 Meter lang. Benötigt würde die höchste Motorisierung, weil auf der Strecke von 1,2 Kilometern zwischen Künzelsau und Gaisbach ein Höhenunterschied von 100 Metern überwunden werden muss, mit einer Steigung von 8,5 Prozent.

Wie ist das Fahrgastpotenzial der Kochertalbahn?

3200 Nutzer pro Werktag. Das wären rund eine Million im Jahr. Wie bei allen Prognosen dieser Art sind sie eher konservativ gerechnet.

Wie ist die Nachfrage auf Bahnstrecken, die schon reaktiviert sind?

Hier zeigt sich, dass viel mehr Anwohner und Pendler Bahnen nutzen, die wieder in Betrieb genommen wurden. Beispiel Schönbuchbahn: Vorhergesagt waren 2500 pro Tag, jetzt sind es fast 8000 Fahrgäste, bis zu 14 000 könnten es werden.

Wie sind die Fahrtzeiten auf der Kochertalbahn?

Vom Bahnhof Künzelsau dauert es sechs Minuten bis Gaisbach, zwölf Minuten bis Kupferzell, 18 Minuten bis Waldenburg und 30 Minuten bis Öhringen: auf einer Linie. Umsteigen muss man, um in 30 Minuten nach Schwäbisch Hall und in 50 Minuten nach Heilbronn zu kommen. 

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