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Trotz Brand während Sanierung: Solebad Niedernhall planmäßig eröffnet

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Mit einem Festakt feiert die Stadt Niedernhall ihr neues Solebad. Bei der Eröffnung saßen die Gäste direkt neben den sanierten Becken. Unterstützer Reinhold Würth betont die Relevanz des Schwimmunterrichts.


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Es ist kaum vorstellbar, dass am Freitagabend irgendwo sonst in Hohenlohe so viele glückliche Menschen auf einem Fleck zusammentrafen, wie im Niedernhaller Solebad. Zu groß ist die Freude, zu groß die Erleichterung, dass nach dem Brand im Technikgebäude Ende Oktober nun tatsächlich der rote Teppich zur Eröffnung ausgerollt werden konnte.

Über diesen schreiten die Gäste ins Foyer, wo Kugelleuchten die geradlinigen Formen stimmig brechen. Wo die dezente, mattgoldene Verkleidung der Empfangstheke die goldene Lochblechfassade des Gebäudes, die mit Jahreszahlen und Illustrationen die Geschichte der Sole in Niedernhall nachzeichnet, innen wieder aufnimmt. Um 18:30 Uhr ist davon jedoch wenig zu sehen. Das Foyer ist proppenvoll, es wird angestoßen, gelacht und sich angeregt unterhalten. 

Trotz des Brandes Ende Oktober eröffnet das Niedernhaller Solebad pünktlich

Schließlich setzt die Stadtkapelle kraftvoll ein, die Unterhaltungen verstummen, eine fast andächtige Stimmung entsteht, Fotos der Bauzeit ziehen auf einem Bildschirm vorbei, zeigen, wie geschafft und was geschafft wurde. Dann tritt Bürgermeister Achim Beck ans Mikrofon. Und zum wohl letzten Mal wiederholt er den Satz, den er seit Beginn der Sanierung und Erweiterung des Bades immer und immer wieder gesagt hat. Der Satz, der zum Mantra dieses Projektes wurde: „Ich weiß nicht, ob Sie’s wussten, aber am 1. Dezember öffnet unser Solebad.“ Jubel und Applaus im Publikum.


Das darin enthaltene Versprechen an Bürger, Badegäste und allen voran an die Mitarbeiter des Bäderbetriebs, wurde Wirklichkeit, dafür dankt er in seiner Rede all den unzähligen Beteiligten und richtet seinen Blick bewusste auf jeden Einzelnen. Der sonst so selbstbewusste und schlagfertige Bürgermeister ist sichtlich berührt, muss sich zwischendurch einmal kurz sammeln und tief durchatmen, bevor er seine Rede fortsetzen kann. Kein Wunder, fällt ihm mit der Eröffnung doch ein großer Salzbrocken vom Herzen.

Solebad in Niedernhall eröffnet – Reinhold Würth unterstützte Sanierung mit zwei Millionen Euro

Beck hebt die beteiligten Architekten- und Planungsbüros sowie Baufirmen hervor, die die eine oder andere harte Nuss zu knacken hatten und denen er – „das bitte ich, zu entschuldigen“ – auch oftmals Druck gemacht habe. Beck blickt auf Reinhold Würth, der die Sanierung mit zwei Millionen Euro unterstützt hat: „Ich habe es Ihnen schon öfter gesagt, aber Sie waren der Türöffner, dass dieses Projekt verwirklicht werden konnte.“ Beck blickt auf seine Mitarbeiter, den Förderverein, seinen Gemeinderat, mit dem er „Höhen und Tiefen erlebt“ hat. „Sie haben sich getraut und vertraut, dass wir das gemeinsam hinbekommen.“

Probebetrieb und neues Angebot im Solebad Niedernhall

Los geht es am Montag und Dienstag, 1. und 2. Dezember, zunächst mit zwei Tagen der offenen Tür und Führungen. Im Probebetrieb von 3. bis 7. Dezember gelten folgende Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 15 bis 21 Uhr, Samstag und Sonntag, 11 bis 19 Uhr. Der Einlass ist bis eine Stunde vor Schließung möglich. Ab 8. Dezember ist dann regulär geöffnet. Infos dazu auch unter www.niedernhall.de.

Ein neues Angebot soll es außerdem ab Januar geben, wie Achim Beck verkündet hat. Unterstützt von der Stiftung Würth soll jeden vierten Samstag im Monat ein Inklusionsschwimmen für Kinder mit Handicap stattfinden. 

Er blickt auf Bauleiter Dennis Ott, der ebenso optimistisch wie er gewesen sei, der mit ihm am Abend des Brandes dagestanden habe, als stünden sie vor dem Grab eines guten Freundes. Und der wie er einfach weiter gemacht und weiter daran geglaubt habe. „Schön, dass es Dich gibt und Du unser Begleiter warst.“ Achim Beck erwähnt auch explizit, wenngleich nicht namentlich, die Firma, deren Mitarbeiter den Brand vom 29. Oktober versehentlich verursacht hatten. Er lobt, dass man sich – auch mit dem Versicherer – darauf verständigen konnte: „Es ist etwas passiert, aber wir bringen es gemeinsam wieder in Ordnung.“


Emotionaler Festakt in Niedernhall: Neues Solebad erhält viel Lob

Letztlich muss Beck sich dann selbst ein bisschen loben lassen: Jochen Fritz vom leitenden Büro Fritz Planung betont, er habe noch nie einen Bauherren erlebt, der sich so tief reinkniet. Ulrich Dura vom Regierungspräsidium Stuttgart befördert Beck kurzerhand, wenn auch versehentlich, zum Oberbürgermeister und schwärmt vom großen Einsatz der Stadt. „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten Sie noch mehr Geld bekommen“, sagt er. Allerdings habe die Stadt mit einer Million Euro den Höchstfördersatz aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum erhalten.

Reinhold Würth betont Bedeutung des Niedernhaller Solebads für Schwimmunterricht

Reinhold Würth betont: „Ohne Herrn Beck wären wir heute nicht hier.“ Man könne dankbar sein, dass die Stadt diesen enormen Aufwand auf sich genommen habe und nun weiter dazu beitrage, dass mehr Kinder schwimmen lernen. „Ich selbst schwimme jeden Tag eine halbe Stunde. Ich muss aber zugeben, dass ich hier noch nie gebadet habe.“ Selbstverständlich folgt das Angebot von Achim Beck auf den Fuß: „Wenn es Sie abends mal packt, melden Sie sich einfach, ich habe einen Schlüssel bei mir und bringe eine Badehose mit. Dann schwimmen wir gemeinsam eine Runde.“


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Die Stadtkapelle schließt den offiziellen Teil mit „Don’t stop believin“. Denn „es lohnt sich, optimistisch zu sein“, findet Achim Beck. Unter Applaus reißen er und einige Mitstreiter schließlich symbolisch das Papier von der Glaswand, die nun endlich den ersehnten Blick in die Badehalle freigibt.

Der erste Badegast ist dann zwar nicht Reinhold Würth. Aber zwischen den Quietsche-Enten im Wasser landet Nils Mettendorfer, Sohn von Stadtrat Peter Mettendorfer, die erste umjubelte Arschbombe.

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