Was sollen Netzbooster leisten und welche Projekte sind in Deutschland geplant?
Der Erörterungstermin zum Kupferzeller 200-Millionen-Euro-Pilotprojekt ist absolviert, bis Frühjahr nächsten Jahres wird mit der Genehmigung gerechnet. Welche Rolle das technische Konzept im deutschen Stromnetz künftig spielen könnte.

Ein Leuchtturmprojekt der Energiewende hat eine zentrale Wegmarke passiert: In der Kupferzeller Mehrzweckhalle fand der Erörterungstermin zum von TransnetBW vor Ort geplanten 200-Millionen-Euro-Netzbooster statt. Am Dienstag trafen sich Projektierer, Genehmigungsbehörde und Bürgerinitiative, um Einwände gegen das Pilotprojekt öffentlich zu verhandeln. Besonders Fragen des Brandschutzes spielten eine zentrale Rolle bei dem Termin. Die Gegner des Vorhabens bezweifelten jedoch auch neuerlich die energiewirtschaftliche Notwendigkeit des Boosters.
Damit schwenkt das beim Regierungspräsidium Stuttgart (RP) laufende Genehmigungsverfahren auf seine Zielgeraden ein. Mit dem Abschluss wird im kommenden Frühjahr gerechnet. 2025 soll die Kupferzeller Anlage dann ans Netz gehen.
Welche Rolle können Netzbooster künftig spielen?
Das Leitungsnetz ist der Flaschenhals der Energiewende. Denn bis 2045 wird sich nach Prognosen der EnBW der Stromverbrauch von aktuell 533 Terawattstunden auf über 1000 verdoppeln. Große Mengen an Windenergie müssen von Nord nach Süd transportiert werden. Dafür braucht es neue Trassen - wie etwa Südlink. Aber auch das vorhandene Netz muss besser genutzt werden. Die Kupferzeller 250-Megawatt- Riesenbatterie - eine der größten der Welt - soll dafür sorgen: Sie ist zentrales Element jenes Konzepts, mit dem die Übertragungsnetzbetreiber bis 2030 den späteren deutschlandweiten Einsatz jener Booster-Technik erproben wollen.
Die Begründung: Netzbooster sind laut TransnetBW schneller realisierbar als der Leitungsausbau und zögen einen "geringeren Eingriff in die Umwelt" nach sich. Die Zahl neuer Stromtrassen soll so aufs Notwendigste begrenzt werden.
Die Funktionsweise: Hunderte Akkus auf Lithium-Eisenphosphat-Basis schießen im Störfall blitzschnell hinter dem Engpass der überlasteten Leitung für die Dauer von ein bis zwei Stunden Reserve-Energie ins Netz. So kann das Stromnetz entlastet, stabil gehalten sowie effektiver genutzt werden.
Und: Sogenannte - durch Eingriffe ins Netz entstehende - Redispatch-Kosten, die auf den Strompreis aufgeschlagen werden, verringern sich. Das technische Prinzip ist bereits mit kleineren Anlagen erprobt worden. Große Netzbooster sind allerdings in Deutschland ein Novum.
Weitere Modellprojekte gehen an den Start
Neben der Kupferzeller TransnetBW-Anlage will der Netzbetreiber Tennet im bayerischen Ottenhofen (Landkreis Erding) sowie in Osterrönfeld (Schleswig-Holstein) zwei weitere Booster bauen, die mit 100 Megawatt kleiner bemessen sind. Laut Angaben der Vorhabenträger handelt es sich bei den gewählten Standorten um strategisch besonders geeignete Netzknotenpunkte. Die zwei weiteren Projekte sind im Verfahren allerdings noch nicht so weit fortgeschritten wie das Kupferzeller Vorhaben und sollen erst 2026 in Betrieb genommen werden. Im Sommer 2023 ist nun auch ein Booster-Projekt des Netzbetreibers Amprion von der Bundesnetzagentur bestätigt worden: Hierbei sollen dezentral mehrere kleinere Anlagen entstehen - die zusammen auch auf 250 Megawatt kommen.
Die Pilotversuche in Kupferzell, Ottenhofen und Osterrönfeld soll allesamt die Siemens-Tochter Fluence Energy bauen. Das krisengeschüttelte Unternehmen Siemens Energy musste jüngst um Staatshilfe bitten. Hat dies Einfluss aufs Kupferzeller Projekt? TransnetBW-Sprecherin Claudia Halici sagt hierzu: "Unsere Geschäftsbeziehungen sind von der aktuellen Situation nicht betroffen. Wir werden die Lage weiter beobachten, sehen aber aktuell keinen Handlungsbedarf."
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