Unterbringung von Geflüchteten in Hohenlohe: Finanzielle Belastung wächst
Wie viele Geflüchtete aktuell in Städten und Gemeinden im Hohenlohekreis untergebracht sind und was das kostet.

Die Innenminister der EU-Mitgliedsstaaten haben sich am Donnerstag auf eine Verschärfung des Asylrechts geeinigt.
Stand der Flüchtlingsunterbringung in Hohenloher Städten und Gemeinden
Das dürfte auf Ebene der Kommunen zumindest für ein wenig Optimismus sorgen. Denn gerade dort hatte es zuletzt laute Hilferufe gegeben, weil man sich mit der Unterbringung Geflüchteter einerseits überfordert, andererseits alleingelassen fühlte. Aber wie ist die Situation der Städte und Gemeinden im Hohenlohekreis aktuell? Wie viele Unterkünfte gibt es, wie viele Asylsuchende leben dort und woher kommen diese?
Kupferzell
In der Anschlussunterbringung der Gemeinde Kupferzell befinden sich insgesamt 60 Personen, teilt das Rathaus mit. Der Hauptanteil mit 29 Personen stammt aus der Ukraine, insgesamt gibt es in Kupferzell sechs Unterkünfte. Wie stark die Unterbringung, Versorgung und Integration die Gemeinde finanziell belastet, darüber sei aktuell keine seriöse Angabe möglich, dafür sei die Lage zu dynamisch.
Dörzbach
Gleiches gilt für Dörzbach. Wie hoch die Kosten für die ohnehin finanzschwache Gemeinde sein werden, kann Claudia Konrad, Hauptamtsleiterin, nicht sagen. "Die Gemeinde ist auch auf der Suche nach weiteren geeigneten Gebäuden für die Unterbringung von Geflüchteten", berichtet sie. Derzeit seien acht Flüchtlinge (aus Syrien und Russland) in der Anschlussunterbringung, 22 Ukrainer sind privat untergebracht. Darüber hinaus gibt es eine Erstunterbringung durch den Kreis mit zehn afghanischen Asylbewerbern.
Mulfingen
Im benachbarten Mulfingen sind derzeit 56 Personen untergebracht, davon allein 35 aus der Ukraine. Kalkulierte Kosten für die Betreuung von Flüchtlingen sind im Haushalt 142 000 Euro. Die Stadt Waldenburg erklärt: "In der Anschlussunterbringung sind aktuell neun Personen aus Eritrea, Gambia, Togo und Mali einquartiert." Platz hätte man für 23 Personen.
Künzelsau
In der Kreisstadt Künzelsau befinden sich aktuell 87 Geflüchtete in der Anschlussunterbringung, davon 39 in fünf städtischen Immobilien, 48 Personen in 16 angemieteten Gebäuden und Wohnungen. Die Gesamtkosten der Unterbringung 2022 beliefen sich im städtisch betreuten Wohnraum auf über 363 000 Euro. "2023 rechnen wir mit Mehrkosten. Wir haben noch keine Informationen, in welcher Höhe die Kostenbeteiligungen von Bund und Land ausfallen werden, die wir dringend benötigen", so die stellvertretende Hauptamtsleiterin und Integrationsbeauftragte Marion Hannig-Dümmler.
Neuenstein
In der Anschlussunterbringung in Neuenstein befinden sich laut Verwaltung 28 Personen, die meisten aus Afghanistan (neun). Insgesamt stehen in der Stadt 55 Plätze, verteilt auf sechs Unterkünfte, zur Verfügung. Man kalkuliere 2023 Kosten von 140 300 Euro ein.
Niedernhall
"Im laufenden Jahr muss Niedernhall noch zehn weitere Flüchtlinge aufnehmen", sagt Alfons Rüdenauer, Hauptamtsleiter im Gemeindeverwaltungsverband Mittleres Kochertal. In den sechs Unterkünften der Stadt sind derzeit neun von 20 Plätzen belegt. Zudem gibt es noch eine Container-Anlage des Kreises mit 90 Geflüchteten.
Forchtenberg
Die Stadt Forchtenberg muss in diesem Jahr noch neun Personen aufnehmen. In ihren vier Unterkünften mit insgesamt 30 Plätzen sind derzeit 14 Plätze frei.
Weißbach
Die Gemeinde Weißbach muss 2023 noch vier Flüchtlinge unterbringen. Es gibt ein Gebäude mit acht Plätzen, von denen zwei belegt sind. "Das größte Problem für die drei Kommunen stellt die Bereitstellung von weiterem Wohnraum dar", so Rüdenauer. Grund sei die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt. "Die Kosten für die persönliche Betreuung und Integration fallen dem allgemeinen Personaletat zur Last."
Pfedelbach
Aktuell sind 157 Flüchtlinge in der Gemeinde Pfedelbach untergebracht. Laut Verwaltung verteilen diese sich auf acht Unterkünfte der Gemeinde und in privaten Wohnungen. Der größte Teil stammt aus der Ukraine (126 Personen). In der Anschlussunterbringung befinden sich 18 Personen.
Bretzfeld
Bretzfeld meldet 48 Geflüchtete in Anschlussunterbringung. Die meisten davon kommen aus Syrien (zehn). Die Gemeinde hat neun Unterkünfte. "Im Haushalt 2023 sind 432 500 Euro eingeplant, allerdings nur für den laufenden Betrieb", sagt Hauptamtsleiter Benjamin Offenberger. Wegen der steigenden Zahlen müssen weitere Unterkünfte gekauft, gemietet oder errichtet werden. Die Kosten kommen hinzu.
Schöntal
In der Gemeinde Schöntal sind 67 Geflüchtete in der Anschlussunterbringung, davon 35 Ukrainer. Zehn Flüchtlingsunterkünfte stehen laut Bürgermeister Joachim Scholz aktuell zur Verfügung. "Derzeit sind faktisch alle verfügbaren Plätze in Schöntal belegt", so Scholz. Man müsse sagen, dass "die Flüchtlingsströme für unsere Gemeinde finanziell und aus Kapazitätsgründen (Unterkünfte sowie Personal) eine große Herausforderung darstellen."
So sieht der Landkreis die Verschärfung des Asylrechts
Landrat Matthias Neth begrüßt die Reform des Asylrechts, denn "bereits seit Monaten arbeitet die kommunale Ebene im Bereich Migration und Integration an der Grenze der Leistungsfähigkeit, vor allem in Hinblick auf die notwendigen Aufnahme-Kapazitäten und die personellen Ressourcen der Ausländerbehörden", so Neth auf HZ-Nachfrage. "Nun erwarten wir zum einen, dass die Ergebnisse konsequent Anwendung finden und zum anderen, dass innerhalb der EU endlich eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge umgesetzt wird." kad
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