Stimme+
Hohenlohe
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Unterbringung in Hohenloher Sammelunterkünften: Kein Vergleich zur letzten Flüchtlingskrise

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Ab Sommer 2015 musste der Hohenlohekreis in kürzerer Zeit viel mehr Zugewiesene sofort in Gemeinschaftsunterkünften unterbringen als seit Frühjahr 2022. Bisher war die Lage behrrschbar, nun steigen die Zuweisungen stark an. Kommt jetzt ein heißer Herbst?

Der Landkreis hat unter anderem die Alte Turnhalle in Öhringen  als Sammelunterkunft für Ukrainer angemietet.
Der Landkreis hat unter anderem die Alte Turnhalle in Öhringen als Sammelunterkunft für Ukrainer angemietet.  Foto: Reichert

Im September 2023 wurden dem Hohenlohekreis 107 Flüchtlinge neu zugewiesen: 67 Asylbewerber und 40 Ukrainer. Das ist der höchste Wert, seit die Zahlen wieder stärker nach oben gingen. Von März 2022 bis August 2023 bewegten sie sich monatlich meist zwischen 40 und 60 – mit Ausreißern nach unten (26) und oben (94). Nun rechnet der Kreis damit, "dass sich die Zuweisungen von Asylbewerbern in den kommenden Monaten weiterhin deutlich erhöhen wird", sagt Sprecherin Madleen Federolf. Auch bei den Ukrainern sei eine Steigerung erkennbar. Alles deutet also darauf hin, dass die Monatsmarke von 100 Neuzuweisungen in diesem Winter regelmäßig überschritten wird.

 


Mehr zum Thema

Vielen Landkreisen steht bei der Unterbringung das Wasser bis zum Hals. Die Nutzung öffentlicher Hallen wie im Heilbronner Olgazentrum (großes Foto) war lange tabu. Doch das bröckelt angesichts der sich weiter zuspitzenden Lage.
Stimme+
Kaum noch Kapazitäten
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Flüchtlingsunterbringung: Wie die Kreise im Vergleich zur Krise 2015/2016 dastehen


Hohenlohekreis: Im Sommer 2023 noch nicht am Limit

Im Sommer 2023 war der Hohenlohekreis bei der Erstunterbringung noch nicht am Limit – wie auch die bestehenden und neu errichteten Sammelunterkünfte seit Frühjahr 2022 nie voll ausgelastet waren. Nun könnte sich das Blatt wenden. Vergleicht man die Jahre 2015 und 2016, als die letzte große Flüchtlingskrise ihren Lauf nahm, mit der Situation in 2022 und 2023, wird klar: Die Entwicklung damals ist mit der jetzigen nicht zu vergleichen.

Von August 2015 bis März 2016 wurden dem Kreis fünf Monate lang jeweils über 200 neue Flüchtlinge zugewiesen (mit 288 im Dezember 2015 in der Spitze) und in zwei Monaten mehr als 100. Die Zahl der Kreisunterkünfte wuchs bis Mai 2016 von 18 auf 42, die der insgesamt zur Verfügung stehenden Plätze im gleichen Zeitraum von 588 auf 1709. Am stärksten belegt waren die Sammelunterkünfte im Februar 2016, damals waren von 1562 Plätzen 1532 vergeben. Im Jahresschnitt 2015 waren von 626 Plätzen 579 belegt, wobei das Verhältnis ab Sommer kippte und im August und Oktober kein Platz mehr frei war. 2016 lag das Verhältnis bei 1578 zu 1222, weil sich die Lage ab Sommer entspannte.

Der Unterschied zu 2015 und 2016

2022 und 2023 wurden die neuen Flüchtlinge dem Kreis über einen viel längeren Zeitraum beständig zugewiesen, doch bewegten sich die Zahlen in einem Maß, das für die Zeit von Januar bis Juli 2015 typisch war - also vor der Flüchtlingskrise. Parallel dazu hatte der Kreis ab 2022 viel mehr Zeit, um neue Unterkünfte zu finden. Bereits im Herbst 2021 zeichnete sich ab, dass die Zahlen steigen werden – lange vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Dem Kreis gelang es sogar, so viel Puffer zu schaffen, dass die von sieben auf bald 15 ausgebauten Unterkünfte zu keiner Zeit voll belegt waren. Vor allem für die Ukrainer besorgte der Kreis zunächst viel mehr Plätze, als nötig waren. Ungenutzte Kapazitäten wurden seitdem wieder abgebaut oder werden genutzt, um sie mit Asylbewerbern zu belegen. Und schon bevor ab September 2023 die Zahl der Zuweisungen auf über 100 stieg, suchte der Kreis nach weiteren Unterkünften, um bis Jahresende auf rund 1000 Plätze zu kommen. Dies sollte auch zu schaffen sein.

 


Mehr zum Thema

Stimme+
Baden-Württemberg
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Flüchtlingsunterbringung: Städte und Gemeinden sind am Limit


Diese neuen Sammelunterkünfte werden bald belegt

Derzeit gibt es 763 Plätze, von denen 659 belegt sind. Im Jahresschnitt 2022 waren von 463 Plätzen 294 belegt, 2023 sind es von 571 Plätzen nur 384. Bei den Asylbewerbern ist nicht mehr viel Luft, bei den Ukrainern sehr wohl. Deshalb werden beide Gruppen nun immer öfter zusammengelegt, was bis August noch nicht der Fall war. Im Oktober soll das einstige Seniorenheim in Pfedelbach belegt werden (mehr als 100 Plätze). Im Winter wird die Containeranlage im Öhringer "Sichert" mit 48 Plätzen genutzt. Weitere Container mit 100 Plätzen entstehen in Schwabbach neben der Halle, die bald mit 73 Personen voll belegt sein wird. Die Sammelunterkunft in Neuenstein wird ausgebaut, weitere Standorte werden gesucht. Bis dahin wird die Öhringer Ochsenseehalle erneut zum Flüchtlingsheim.

So sind die Ukrainer untergebracht

Aktuell leben 1414 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine hier, aber nur 139 in Kreisunterkünften. 196 wechselten in kommunale Unterkünfte. Mehr als 1000 Ukrainer wohnen nach wie vor privat, 1311 waren von vornherein dort untergekommen. Für sie musste der Kreis also keine Unterkünfte bereitstellen. Weil aktuell 455 Ukrainer unter 18 Jahren sind, steigt dafür der Druck auf die Städte und Gemeinden, diese in Kitas und Schulen unterzubringen. Außerdem müssen sie nach sechs Monaten die Anschlussunterbringung managen, was auf dem angespannten Wohnungsmarkt schwierig ist. Der Kreis hat über andere Behörden und das Jobcenter viel Mehrarbeit zu leisten, um die Ukrainer sozial zu versorgen. Zuletzt bezogen 924 Bürgergeld, darunter waren 300 arbeitslos. Nur 170 Ukrainer hatten im Frühjahr einen Job. Viele absolvieren gerade Deutschkurse.

 


Mehr zum Thema

Geflüchtete aus der Ukraine stehen vor den Gebäuden einer Flüchtlingsunterkunft in Köln.
Stimme+
Meinung
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Kommunen müssen sich auf mehr Integrationsarbeit einstellen


Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben